Gaza-Krieg

Die Hamas sendet mit Freilassung eine Geste an Trump

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Die islamistische Miliz Hamas will mit der Freilassung von US-Bürgern Trump dazu bringen, eine Waffenruhe in Gaza zu verhandeln.

Gazastadt – „Sieh nur, wie riesig dieser Junge ist“, rief Edan Alexander, bis vor kurzem Geisel der Hamas, bevor er seinen kleinen Bruder an sich drückte. Nach 584 Tagen in der Gewalt der Terroristen in Gaza konnte der 21-Jährige zu seiner Familie zurückkehren – blass, abgemagert und erschöpft. Laut israelischen Medienberichten erzählte er nach seiner Freilassung von schwerer, andauernder Folter. Die Terroristen sollen ihn mit Handschellen gefesselt in einen Käfig gesperrt haben.

Ohne Tausch, ohne Show – Hamas gibt ersten männlichen Geisel-Soldaten still zurück

Alexander war als junger Soldat am 7. Oktober von Hamas-Terroristen nach Gaza verschleppt worden. Er ist der erste männliche Soldat, der von der Hamas übergeben wurde – und der erste, für den im Austausch keine palästinensischen Gefangenen freikamen. Anders als die zuvor befreiten Geiseln musste Alexander auch keine öffentliche Hamas-Zeremonie über sich ergehen lassen. Er wurde ans Rote Kreuz in Gaza übergeben und von dort zur Grenze gebracht.

Schon bald danach nahm Israels Militär die Luftschläge in Gaza wieder auf. Die Kampfpause hatte nur kurz angedauert – um die Übergabe der Geisel nicht zu gefährden. Dass es möglich war, den 21-Jährigen ohne Waffenruhe-Abkommen und sonstige Zugeständnisse seitens Israels zurückzubringen, liegt vor allem daran, dass Alexander US-Staatsbürger ist – und dass sich US-Präsident Donald Trump und sein Team seit Monaten um seine Freilassung bemüht hatten.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Kalkuliertes „Geschenk an Trump“: Hamas setzt auf USA als Friedensvermittler

Der 21-Jährige wuchs als Sohn israelischer Eltern in den USA auf, ging nach dem Schulabschluss jedoch ohne seine Familie nach Israel, um dort den Militärdienst abzuleisten. Er hielt sich auf der Basis im Süden Israels auf, als die Terroristen ihn nach Gaza verschleppten.

Warum war die Hamas nun plötzlich bereit, den letzten lebenden US-Bürger in ihrer Gewalt ohne Gegenforderungen zu übergeben? Es handle sich um ein „Geschenk an Trump“, sagt ein Hamas-Sprecher. Geleistet wurde es in Erwartung eines ungleich wertvolleren Gegengeschenks: einem neuen Waffenruhe-Deal – und zu guter Letzt dem Ende des Kriegs in Gaza.

Trump hatte zu Amtsantritt erklärt, er wolle die Kriege in der Ukraine und in Gaza beenden. Der Beginn seiner zweiten Amtszeit fiel mit dem zweiten Waffenruhe-Abkommen zwischen Israel und der Hamas zusammen. Die Kampfpause hätte in einen dauerhaften Waffenstillstand münden sollen. Doch dazu kam es nicht: Vor zwei Monaten brach Israel das Abkommen, der Krieg in Gaza ist in vollem Gange.

Zeit läuft ab: Mediziner in großer Sorge um verbleibende Geiseln

Nun will Trumps Team es erneut versuchen. Auch Israels Regierung schickte am Dienstag eine Delegation nach Doha, um über die Bedingungen zu verhandeln. Leicht wird das nicht: Israels Unterverhandelnde haben kein Mandat, einem dauerhaften Kampfstopp zuzustimmen. Die Hamas macht aber das zur Bedingung, um sämtliche Geiseln zu übergeben. Steve Witkoff, der Nahostgesandte Trumps, setzt sich für eine befristete Waffenruhe ein, in der im ersten Schritt eine begrenzte Zahl von lebenden Geiseln übergeben wird.

Israel hat dem Entwurf zugestimmt. Witkoff macht aber Druck auf Netanjahu, sich diesmal nicht wieder aus der Affäre zu ziehen. Indes warnen Mediziner:innen, dass es für die noch lebenden Geiseln – die Zahl wird auf 23 geschätzt – bald zu spät sein könnte. „Als Ärztin und als Mensch mache ich mir große Sorgen um die, die noch immer von den Terrorgruppen gefangen gehalten werden“, sagt Hagar Misrachi, Leiterin der medizinischen Abteilung im israelischen Gesundheitsministerium.

Alexander (2.v.r.) bei der Wiedervereinigung mit seiner Familie.

Einlenken? Nicht mit Netanjahu – Premier stellt sich offen gegen Friedensinitiativen

Trotz aller Erleichterung über die Rückkehr Edan Alexanders gab es in Israel auch einige Kritik. „Man kann kaum übersehen, was die Botschaft ist, die den Bürgern von Israel heute übermittelt wurde: Unser Leben ist weniger Wert“, heißt es in einer Stellungnahme des Kibbutz Nir Oz, der vom Massaker am 7. Oktober schwer getroffen wurde. „Eine Geisel mit US-Pass hat Vorrang.“

Auch in Netanjahus Regierung wird Trumps Vorgehen mit Zähneknirschen beobachtet, wenngleich aus anderen Gründen. Dass Washington direkt mit der Hamas verhandelt, sorgt für Nervosität. Es fällt schwer, dahinter kein Muster zu erkennen: Trumps bilateraler Deal mit den Huthis, die Gespräche mit dem Iran, die Gerüchte über eine mögliche Anerkennung eines Staates Palästina – „das ist nicht so, wie es sein sollte“, murrt ein hochrangiger Parteikollege Netanjahus.

Sollte das US-amerikanische Israel-Ghosting dazu dienen, Netanjahu zum Einlenken zu bewegen, ging die Strategie vorerst nicht auf: Ein Kriegsende in Gaza werde es mit ihm nicht geben, versicherte der Premier am Dienstag.

Rubriklistenbild: © Kobi Gideon/AFP

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