„Fall von Angebot und Nachfrage“

Chefin des Secret Service gesteht nach Trump-Attentat: „Wir haben versagt“

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Der Secret Service steht nach dem Attentat auf Donald Trump massiv unter Druck. Jetzt gesteht die Behördenchefin Cheatle „Versagen“ ein.

Update vom 22. Juli, 16.58 Uhr: Die Chefin des Secret Service, Kimberly Cheatle, hat ein Versagen ihrer Behörde bei der Verhinderung des Attentats auf Ex-US-Präsident Donald Trump eingestanden. „Wir haben versagt“, sagte Cheatle am Montag bei einer Anhörung vor einem für die Kontrolle der Bundesbehörden zuständigen Ausschuss im US-Kongress. Der für den Schutz amtierender und ehemaliger Präsidenten zuständige Secret Service steht seit dem Attentat auf Trump vom 13. Juli massiv unter Druck.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Pennsylvania war auf Trump geschossen worden. Dabei hatte sich der mutmaßliche Täter mit seinem halbautomatischen Gewehr nur etwa 150 Meter entfernt vom Rednerpult positionieren können. Der inzwischen zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ernannte Trump überlebte den Anschlag nur knapp, eine Kugel traf ihn am rechten Ohr. Der mutmaßliche Täter sowie ein Mann im Publikum wurden getötet.

Cheatle bezeichnete die Attacke als schwerstes Versagen vom Secret Service seit Jahrzehnten. Zugleich hielt sie sich jedoch unter Verweis auf laufende Untersuchungen mit Details zurück. Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner James Comer, sagte, dass der Angriff zu verhindern gewesen sei. Cheatle verdiene es nicht, ihre Posten an der Spitze der Behörde zu behalten. Der demokratische Vize-Chef Jamie Raskin verwies unterdessen darauf, dass Schusswaffen-Angriffe in Amerika zu häufig passierten.

Secret-Service-Chefin Kimberly Cheatle während einer Pressekonferenz in Chicago. (Archivfoto)

Vor Trump-Attentat: Secret Service lehnte Sicherheitsforderungen ab

Erstmeldung: Washington, D.C. – Nach dem Attentat auf Donald Trump am 13. Juli in Pennsylvania überschlugen sich die Spekulationen und Forderungen. Wie konnte ein unausgebildeter 20-Jähriger freie Schussbahn auf einen ehemaligen Präsidenten haben, und welche Sicherheitsvorkehrungen sind nötig, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern? Mit dem Secret Service war der Sündenbock schnell gefunden, die Rufe nach neuen Sicherheitskonzepten vor der US-Wahl wurden rasch lauter; die Sicherheitsbehörde wies anfangs jegliche Schuld jedoch von sich.

Nun räumte der Secret Service ein, dass er in der Vergangenheit mitunter Anforderungen zu zusätzlichen Ressourcen für Donald Trumps Schutz nicht immer nachgekommen sei. Der Sprecher des Geheimdienstes, Anthony Guglielmi, hatte solche Vorwürfe unmittelbar nach dem Attentat noch zurückgewiesen. 

Trumps Team forderte vom Secret Service offenbar zusätzliche Agenten und Scharfschützen

Auf Anfrage der Washington Post sagte Guglielmi, die Behörde habe neue Informationen erhalten, die darauf hindeuten, dass bestimmte Trump-Anträge bezüglich dessen Sicherheit abgelehnt wurden. Der Secret Service prüfe derzeit entsprechende Unterlagen.

„Der Secret Service hat einen umfangreichen, herausfordernden und komplizierten Auftrag“, hieß es in einem Statement. „Jeden Tag arbeiten wir in einem dynamischen Bedrohungsumfeld, um zu gewährleisten, dass unsere Schutzbefohlenen bei verschiedenen Veranstaltungen, auf Reisen und in anderen schwierigen Umgebungen sicher und geschützt sind. Wir verfolgen eine umfassende und vielschichtige Strategie, um ein Gleichgewicht zwischen Personal, Technologie und spezialisierten operativen Anforderungen herzustellen.“

Forderung von Trumps Team, etwa mehr Agenten abzustellen sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Wahlkampfveranstaltungen zu überprüfen, wurden der Washington Post zufolge nicht umgesetzt. Auch zusätzliche Scharfschützen und „Spezialteams“ für Veranstaltungen im Freien seien abgelehnt worden – ein Fehler, der Donald Trump das Leben hätte kosten können.

Trump-Anträge wurden offenbar abgelehnt: „Ist ein einfacher Fall von Angebot und Nachfrage“

Laut der Washington Post haben die stetigen Ablehnungen des Secret Service für Spannungen zwischen der Sicherheitsbehörde und Donald Trump sowie dessen Mitarbeitenden gesorgt. Doch Bill Gage, ein ehemaliger Secret-Service-Agent, sagte gegenübeer der Zeitung, dass der US-Geheimdienst mit Schutzanfragen und Forderungen nur so überschwemmt werde.

„Ich sage es nur ungern so platt, aber es ist ein einfacher Fall von Angebot und Nachfrage. Die Anträge werden routinemäßig abgelehnt“, sagte Gage. „Ein Direktor muss endlich sagen, dass wir viel zu wenig Personal haben und dass wir diese Null-Fehler-Mission ohne ein deutlich höheres Budget unmöglich fortsetzen können.“

Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident

US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden.
US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania.
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Kurze Zeit später fielen die Schüsse. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht.
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump.
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump. Im Hintergrund decken Secret-Service-Mitarbeiter den Ex-Präsidenten hinter dem Pult. © dpa/AP | Evan Vucci
Auf Videos ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert.
Auf Aufnahmen ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter.
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe.
Ein Bild, das wohl auch im US-Wahlkampf immer wieder auftauchen wird. Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe. © dpa/AP | Evan Vucci
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen.
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen. © dpa/AP | Evan Vucci
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne.
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust.
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust. Zuvor rief er noch „fight“ in das Pult-Mikrofon. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr.
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren.
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren. © dpa/AP | Evan Vucci
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben.
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump – das Chaos lässt auf die entstandene Panik deuten. © dpa/AP | Evan Vucci
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.  © dpa/AP | Evan Vucci

Attentat auf Trump: Secret Service hat „nicht die Ressourcen, um ihn so zu schützen“

Am Wochenende des Attentats in Butler hatte der Secret Service eigenen Angaben nach mehrere Scharfschützenteams sowie „Hunderte von Agenten“ zum Parteitag der Republikaner entsandt. Außerdem habe man eine Veranstaltung von First Lady Jill Biden sowie eine geplante Reise von Präsident Joe Biden nach Texas am Tag nach den Schüssen vorbereitet. Als Amtsträger stehen Biden aber ohnehin mehr Sicherheitsvorkehrungen zu, als dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, betonte Gage.

„Es ist einfach wahr – wir haben nicht die Ressourcen, um ihn [Trump] so zu schützen, wie wir es getan haben, als er Präsident war“, sagte Gage der Washington Post. Trotz dessen wächst der Druck auf den Secret Service weiter.

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Secret-Service-Chefin muss nach Attentat auf Trump vor US-Kongress aussagen

Wie die Sicherheitsbehörde mit den Vorwürfen weiter umgehen wird, zeigt sich am Montag (16.00 Uhr MESZ), wenn Kimberly Cheatle vor dem US-Kongress zu der schweren Sicherheitspanne beim Attentat auf Donald Trump aussagen wird. Als Chefin des Secret Service ist Cheatle von einem für die Kontrolle der Bundesbehörden zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses vorgeladen worden.

Vor der Befragung veröffentlichte Trumps Wahlkampfteam indes Details zur Schusswunde des Ex-Präsidenten. Bei dem Attentat habe die Kugel den Kopf des 78-Jährigen um weniger als einen Zentimeter verfehlt, teilte Trumps ehemaliger Leibarzt Ronny Jackson mit. Der Schuss habe den oberen Teil von Trumps rechtem Ohr getroffen und eine etwa zwei Zentimeter breite Wunde verursacht. Die heile gut. Jackson betonte: „Es ist ein absolutes Wunder, dass er nicht getötet wurde.“ (nak/dpa)

Rubriklistenbild: © Kamil Krzaczynski/AFP

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