VonAlexander Eser-Rupertischließen
Namentlich nicht bekannte Beamte erheben schwere Vorwürfe gegen Boris Johnson. Er soll im Partygate vor allem an eines denken: Die eigene Haut.
London – Das Partygate um Boris Johnson beschäftigt die britische Politik und Öffentlichkeit weiterhin. Der Regierungschef machte dabei bisher keine gute Figur, er pendelt immer wieder zwischen kleinlauten Entschuldigungen und der Weigerung, den Bruch von Corona-Regeln im Partygate anzuerkennen. Kaum einer hat noch Zweifel daran, dass auch der Regierungschef sich im Partygate mehr als einmal selbst falsch verhalten hat. Zu den verschiedenen Vorwürfen des Fehlverhaltens kommen nun auch Zweifel an der Loyalität Johnsons gegenüber seinem eigenen Stab: Unbekannte Beamte haben laut dem britischen Guardian kundgetan, der britische Premierminister würde ohne Rücksicht auf Verluste und das eigene Team versuchen, sich aus dem Partygate zu retten.
Anonyme Beamte: Boris Johnson würde im Partygate „gesamtes Team unter den Bus werfen“
Der britische Premierminister sieht sich im Partygate zum wiederholten Male schweren Vorwürfen ausgesetzt. Dieses Mal betreffen die Anschuldigungen nicht das Fehlverhalten Boris Johnsons während des Lockdowns, sondern seinen Umgang mit den Folgen. Anonyme Beamte erklärten laut britischem Guardian: „Johnson würde sein gesamtes Team vor einen Bus werfen, um Partygate zu überleben“. Ein ebenfalls namentlich nicht genannter Offizieller soll laut britischen Medien gesagt haben: „Er ist ein netter Kerl, aber er weiß, wo die Leichen liegen. Um seine eigenen Interessen zu schützen, wird er sich rücksichtslos verhalten.“
Die Einschätzung zu Johnsons Loyalität gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilt auch ein ehemaliger Mitarbeiter aus Johnsons Zeit als Bürgermeister von London, namens Will Walden. Walden soll laut Guardian erklärt haben, Johnson würde Menschen nicht zum ersten Mal „verbrennen“. Aufgrund seiner Persönlichkeit als Einzelgänger fiele ihm das „Verbrennen“ nicht schwer, so der ehemalige Mitarbeiter.
Boris Johnson soll im Partygate Erlaubnis für Veranstaltungen erteilt haben – zahlreiche weitere Vorwürfe im Raum
Die Liste der Vorwürfe gegen Boris Johnson im Partygate ist lang. Anonyme Offizielle hatten zuletzt erklärt, Johnson habe sich bei Veranstaltungen selbst ein Glas gegriffen. Durch seine Anwesenheit habe er den Veranstaltungen implizit seine Erlaubnis erteilt, so die Quellen des Guardian. Bei anderer Gelegenheit soll Johnson selbst Medienberichten zufolge einfache Veranstaltungen zu Partys gemacht haben. Die Anschuldigungen gegen Johnson und seinen Stab wiegen schwer, doch sie gehen über das Partygate hinaus. In der Downing Street soll zudem der „Sexist des Jahres“ gekürt worden sein, auch das setzt den britischen Premierminister unter Druck.
Pläne Boris Johnsons Geflüchtete nach Ruanda zu schicken sorgten zuletzt ebenfalls für Unmut bei Opposition und Menschenrechtsverbänden, die auf Ruandas Menschenrechtsbilanz verwiesen. Zudem sollte der Regierungschef eigentlich alle Hände voll mit Armutsbekämpfung zu tun haben: In Großbritannien unter Boris Johnson droht Millionen Menschen das Abrutschen in die Armut.
Boris Johnson: Treffen der Regierung mit Ermittlerin Sue Gray wirft im Partygate Fragen auf
Zuletzt gab es zudem noch einen weiteren Vorfall, der in der britischen Politik für Aufregung sorgt: Boris Johnson, den Oppositionschef Keir Starmer einen „Mann ohne Scham“ nennt, soll sich kurz vor Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse mit der Chefermittlerin im Partygate, Sue Gray, getroffen haben. Die Opposition forderte in der Konsequenz Informationen über das Gespräch und dessen Inhalte.
Anfangs hatte Unklarheit darüber bestanden, wer das Treffen initiiert haben soll. Später bestätigte Downing Street Nr. 10, dass die Zusammenkunft zwischen dem britischen Premierminister und Gray ursprünglich auf eine Initiative aus Regierungskreisen zurückging. Ein Sprecher erklärte, das Treffen sei zustande gekommen, weil es für „Planungszwecke“ hilfreich sei. Der Sprecher ergänzte: „Es wurde diskutiert, dass es nützlich sein könnte, einen Überblick darüber zu geben, was Sue Gray und ihr Team im Hinblick auf die Veröffentlichung und den Zeitplan der Veröffentlichung nach Abschluss des Berichts planen.“ In der Opposition ist man mit dieser Antwort nur bedingt zufrieden.
Rubriklistenbild: © Henry Nicholls/PA Wire/dpa

