VonPatrick Mayerschließen
Die Ukrainer haben im Kampf gegen die russische Invasion eine neue FPV-Kamikaze-Drohne entwickelt. Sie soll den Truppen Kiews (noch) bessere Möglichkeiten bieten.
Kiew - Sie spielen im Ukraine-Krieg eine wesentliche militärische Rolle: Drohnen. Die ukrainischen Streitkräfte präsentieren öffentlich immer offensiver, was ihr Arsenal an FPV-Kamikaze-Drohnen zur Gegenwehr gegen die völkerrechtswidrige russische Invasion bereithält.
Gegen die russische Armee: Ukraine stellt neue Kamikaze-Drohne vor
Das neueste Modell ist die KH-S7, auf den ersten Blick ein winziger Quadrocopter mit vier noch kleineren Rotoren. „Die Entwickler geben an, dass es sich bei dieser FPV-Angriffsdrohne um ein echtes Spitzenmodell handelt“, schreibt das ukrainische Nachrichtenportal Defense Express, das der Armee Kiews nahesteht und von dieser nicht selten Informationen aus erster Hand bekommt.
So soll die Drohne einfach zu bedienen und die Akkulaufzeit sowie die Reichweite zum Einsatz gegen die Truppen Russlands auf den besetzten Gebieten deutlich länger sein.
Ein weiterer Vorteil sei die höhere „Nutzlast“, heißt es in dem Beitrag. Womit das Gewicht an Sprengstoff beziehungsweise der Granate gemeint ist, die der Quadrocopter ins Missionsgebiet und ins Ziel transportieren kann. Demnach kann die neu entwickelte Drohne eine „Standardnutzlast“ von einem Kilogramm bis zu sieben Kilometer weit transportieren, obwohl sie geschätzt nur etwa zwei handbreit ist. Bisherige Quadrocopter konnten einen halben bis einen Pfund Sprengstoff bewegen, also entsprechend kleine Granaten mit einem Gewicht zwischen 200 und 450 Gramm.
Neue Kamikaze-Drohne für die Ukraine: Höhere Reichweite, mehr Sprengstoff
Die maximale Distanz der KH-S7 beträgt laut Defense Express, das sich auf Informationen des Verteidigungsministeriums der Ukraine beruft, etwa 9,5 Kilometer. Auch das ist vergleichsweise weit und erhöht die Sicherheit für die Drohnenpiloten, die nicht direkt an der Front operieren müssen, wo sie selbst möglicherweise Beschuss ausgesetzt wären - und nicht nur ihre Drohnen.
Neben der geringen Reichweite von wenigen Kilometern galt bei den Quadrocoptern bisher die überschaubare Batterie-Leistung als Schwachstelle, wodurch manche Drohnen schon nach etwa einer halben Stunde wieder aufgeladen werden mussten - oder ohne Feindeinwirkung über dem Operationsgebiet einfach abstürzten. Letzterer Makel soll laut Defense Express behoben sein, wenngleich das Portal in seinem Bericht keine geschätzte Akkulaufzeit nennt.
Ukraine-Offensive: Drohnenangriffe auf die Krim - Entwicklung geht weiter
Das ukrainische Verteidigungsministerium hebt derweil die demnach kongeniale Zusammenarbeit hervor, in der die Armee und die Entwickler permanent Erfahrungen austauschten sowie die Kamikaze-Drohne den Anforderungen anpassten. Während die Ukraine die deutschen Leopard-2-Kampfpanzer verstärkt nachts einsetzt, die USA die Lieferung von Streumunition für HIMARS-Mehrfachraketenwerfer erwägen und ein seltener Radpanzer aus Spanien nahe der Front aufgetaucht ist, geht die Drohnenentwicklung unvermindert weiter.
Erst kürzlich hatten die Ukrainer ein ganzes Drohnen-Portfolio präsentiert - auch mit Langstrecken-Drohnen. Wirkungsvolle Schläge nehmen damit seit Wochen zu. Nur ein Beispiel: Bei einem Drohnenangriff auf die seit 2014 annektierte Krim hat es laut Medienberichten in der Nacht auf Donnerstag (14. September) nahe der Großstadt Jewpatorija schwere Explosionen gegeben. Getroffen worden sei ein modernes Flugabwehrsystem vom Typ S-400 Triumf, schrieb die Ukrajinska Prawda unter Berufung auf den ukrainischen Geheimdienst.
KH-S7 Kamikaze-Drohne: Neue Waffe für die ukrainischen Streitkräfte
Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Dass die ukrainischen Truppen mit der KH-S7 eine neue Drohne für Attacken haben, belegt ihr Verteidigungsministerium dagegen sogar mit öffentlichen Fotos. (pm)
Rubriklistenbild: © The Ministry of Defense of Ukraine

