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„Bedrohung für absolut alle“ – In der Ukraine wächst Angst vor Nuklearkatastrophe

Das größte Kernkraftwerk Europas wir aktuell wegen des Ukraine-Kriegs nur mit Notstrom betrieben. Die Sorge vor einem Nuklearunfall wächst.

Kiew – Mehr als eine Woche, nachdem das Kernkraftwerk Saporischschja aufgrund von Beschuss im Ukraine-Krieg die externe Stromversorgung verloren hat, ist die Lage in Europas größtem Kernkraftwerk nun kritisch. Das berichten Regierungsvertreter und Energieaufsichtsbehörden. Die Anlage wird mit Notstromdieselgeneratoren betrieben.

Ein Mann schiebt am 29. März eine Schubkarre vor dem Hintergrund des Kernkraftwerks Saporischschja. Das Kraftwerk produziert zwar keinen Strom, benötigt jedoch Strom, um seine sechs Reaktoren zu kühlen.

Die Ukraine macht Russland für die Krise verantwortlich, während Russland die Ukraine beschuldigt. Das Kraftwerk liegt in der Nähe der Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Streitkräften. Präsident Donald Trump hat zuvor Interesse daran bekundet, dass die Vereinigten Staaten die Anlage übernehmen.

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Atomkraftwerk Saporischschja im Ukraine-Krieg seit 2022 von Russland besetzt – Lage prekär

Klar ist, dass die Lage in dem Kraftwerk zunehmend prekär wird. Moskau nahm es 2022 ein und es steht unter russischer Besatzung. Laut offiziellen Angaben wird es seit dem Nachmittag des 23. September ohne Netzstrom betrieben. Die letzte verbliebene Stromleitung zur Anlage wurde während intensiver Kämpfe im Ukraine-Krieg in der Region beschädigt.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

„Solange [die Generatoren] weiterlaufen, besteht zwar keine unmittelbare Gefahr, aber im Hinblick auf die nukleare Sicherheit ist dies eindeutig keine nachhaltige Situation“, erklärte Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), in einer Stellungnahme. „Keine der beiden Seiten würde von einem nuklearen Unfall profitieren.“

Stromausfall am AKW Saporischschja – Selenskyj warnt vor „Bedrohung für absolut alle“

Der Ausfall ist der zehnte – und längste – seit Kriegsbeginn. In einem Beitrag auf Telegram bezeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ihn als „Notfall“, der „eine Bedrohung für absolut alle“ darstelle. „Die Generatoren und das Kraftwerk wurden nie für einen solchen Fall ausgelegt und haben noch nie so lange in einem solchen Modus betrieben“, fügte er hinzu.

Die von Russland eingesetzte Kommunikationsdirektorin des Kraftwerks, Jewgenija Jaschina, erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass, dass „die Lage ... weiterhin vollständig unter Kontrolle ist“. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Mittwoch, dass Russland in ständigem Kontakt mit der IAEO über das Kraftwerk stehe. „Das Kraftwerk und die umliegenden Anlagen sind ständigen Angriffen des Kiewer Regimes ausgesetzt. Es wäre, gelinde gesagt, absurd, die russische Seite zu beschuldigen, ein Kraftwerk zu beschießen, das sie selbst kontrolliert. Trotzdem tun russische Spezialisten und das Kraftwerkspersonal alles, um die Sicherheit des Kraftwerks zu gewährleisten, die zuverlässig aufrechterhalten wird.“

Ukrainische Atombehörde warnt in Saporischschja vor „schlimmsten Szenario“

Der Leiter der staatlichen Atomaufsichtsbehörde der Ukraine, Oleh Korikov, behauptete jedoch in einer auf Facebook veröffentlichten Erklärung, dass die aktuelle Situation „eine große Gefahr für die nukleare Sicherheit und Strahlenschutz“ darstelle.

„Die Missachtung der Anforderungen und Grundsätze der nuklearen Sicherheit und des Strahlenschutzes, der russische Beschuss von Stromleitungen und die daraus resultierenden Schäden sowie die Behinderung ukrainischer Spezialisten bei der Wiederherstellung dieser Leitungen“, so Korikov, „könnten durchaus zum schlimmsten Szenario führen.“

Grossi sagte, seine Behörde stehe in „ständigem Kontakt“ mit Vertretern beider Seiten der Frontlinie. Die Generatoren seien die „letzte Verteidigungslinie“ für das derzeit stillgelegte Kraftwerk. Es erzeugt seit der Eroberung durch Russland im Jahr 2022 keinen Strom mehr. Russland eroberte es nach der Invasion der südukrainischen Region Saporischschja, etwa 300 Meilen südöstlich von Tschernobyl.

Saporischschja erzeugt keinen Strom mehr – AKW in der Ukraine braucht aber Reaktorkühlung

Obwohl das Kraftwerk keinen Strom erzeugt, benötigt es dennoch Strom, um seine sechs Reaktoren zu kühlen und so eine massive Katastrophe zu verhindern. Die Gefahr ist jetzt geringer als wenn das Kraftwerk in Betrieb wäre. Es deckte einst 20 Prozent des Strombedarfs der Ukraine und produzierte genug Strom für den Export nach Europa. Dennoch warnte Grossi, dass der Kernbrennstoff „schmelzen könnte, wenn die Stromversorgung nicht rechtzeitig wiederhergestellt werden kann“.

Von den Dieselgeneratoren sind acht in Betrieb, wie die russische Leitung des Kraftwerks der IAEO mitteilte. Die Arbeiter wechseln diese Generatoren mit neun zusätzlichen Einheiten aus, die derzeit im Standby-Modus sind, um sie zu warten. Weitere drei Generatoren befinden sich in Wartung. In der Regel sind Dieselvorräte für zehn Tage vorhanden.

Die Kraftwerksleitung berichtete, dass es möglich sei, die im September beschädigte 750-Kilovolt-Stromleitung zu reparieren. Aufgrund der Kämpfe in der Region konnte die Arbeit jedoch nicht abgeschlossen werden. Unterdessen hat die Ukraine wiederholt angeboten, eine 330-Kilovolt-Reserve-Stromleitung zu reparieren, die Anfang Mai abgeschaltet wurde. Russland hat dieses Angebot Kiews jedoch abgelehnt.

Donald Trump schlug Übernahme des AKW Saporischschja durch USA vor

Das Kraftwerk erregte Anfang des Jahres die Aufmerksamkeit von Trump. Er schlug vor, dass eine Übernahme der Anlage durch die USA dazu beitragen würde, die Investitionen der Biden-Regierung zur Verteidigung der Ukraine wieder hereinzuholen – und sogar die Sicherheit des Kraftwerks zu gewährleisten. Kiew reagierte empört auf diesen Vorschlag. Durch die Besetzung Russlands wurde die Idee kompliziert und hat seitdem wenig Schwung gewonnen.

Vorerst, so Grossi, „ist es äußerst wichtig, dass die externe Stromversorgung wiederhergestellt wird“.

Natalia Abbakumova in Riga, Lettland, hat zu diesem Bericht beigetragen.

Zu den Autoren

Lizzie Johnson ist Ukraine-Korrespondentin der Post und Autorin des Buches „Paradise: One Town‘s Struggle to Survive an American Wildfire” (Paradies: Der Kampf einer Stadt ums Überleben nach einem amerikanischen Waldbrand).

Kostiantyn Khudov ist Forscher im Ukraine-Büro der Washington Post. Er berichtet aus dem ganzen Land und dokumentiert den Krieg in der Ukraine.

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Dieser Artikel war zuerst am 1. Oktober 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Ed Ram/The Washington Post

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