„Armageddon-Rede“: USA rüsteten sich wohl für Putin-Atomschlag in der Ukraine
VonNils Thomas Hinsberger
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In abgefangenen Gesprächen soll Russland über den Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg beraten haben. Hat Scholz durch Gespräche mit China einen nuklearen Krieg verhindert?
Update vom 13. März, 12.12 Uhr: Eben erst ist publik geworden, was intern als Bidens „Armageddon-Rede“ bezeichnet wird (siehe Erstmeldung) – nun folgen erneute markige Worte aus Russland: Dessen Atomwaffenarsenal ist nach den Worten von Kremlchef Wladimir Putin „viel besser“ als das der USA und Russland auf einen Atomwaffenkrieg „vorbereitet“.
„Armageddon-Rede“: USA rüsteten sich wohl für Putin-Atomschlag in der Ukraine
Erstmeldung: New York – Seit mehr als zwei Jahren zeigt der Krieg in der Ukraine, welche Schrecken eine militärische Auseinandersetzung heraufbeschwören kann. Massive Verluste auf beiden Seiten, Elend in der ukrainischen Bevölkerung und die Angst vor einer Ausweitung des Konflikts ins Herz Europas hinein. Eines könnte das Ausmaß des Grauens in der Ukraine noch steigern – ein atomarer Angriff aus Russland.
Und tatsächlich scheint die Angst vor einem atomaren Schlag durch Russlands Machthaber Wladimir Putin bereits ganz real gewesen zu sein. Als die Ukraine im Oktober 2022 eine Gegenoffensive gegen Russland startete und große Gebietsgewinne gelangen, hätten die USA geheime Unterhaltungen aus dem Kreml abgefangen, berichtet die New York Times. In einer Rede vor Parteifreunden in New York habe US-Präsident Joe Biden sogar gewarnt, dass die Welt „zum ersten Mal seit der Kubakrise einer direkten Bedrohung durch den Einsatz einer Atomwaffe ausgesetzt“ sei, erinnert das Blatt nun.
Biden warnte in „Armageddon-Rede“ vor Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg
Anders als die Drohungen aus Russlands Propaganda-Apparat, der in einer gewissen Regelmäßigkeit mit dem Einsatz von Atomwaffen gegen den Westen droht, sei es damals um eine konkrete Gefahrenlage gegangen. Die abgefangenen Gespräche aus Russland hätten auf einen Einsatz von Atomwaffen in den folgenden Wochen hingedeutet.
Die Relevanz der verschiedenen Aufnahmen sei unterschiedlich hoch gewesen, heißt es in dem Bericht. Bei einigen Gesprächen habe es sich lediglich um „verschiedene Formen des Geschwätzes“ gehandelt, so ein US-Beamter. Mitschnitte von russischen Einheiten, die für den Einsatz der Atomwaffen verantwortlich gewesen sein sollen, seien jedoch wesentlich konkreter gewesen. Außerdem habe ein ranghoher russischer Kommandant über logistische Schritte eines atomaren Schlags in der Ukraine gesprochen.
Zum Zeitpunkt von Bidens Ansprache, die intern als „Armageddon-Rede“ bezeichnet werde, seien die russischen Aufnahmen aber der einzige Beweis für einen möglichen Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg gewesen. In einem Briefing wurde Biden laut New York Times mitgeteilt, dass es keine Hinweise darauf gab, dass Putin seine Atomwaffen einsatzbereit gemacht hatte. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Schlags sei vom Erfolg der ukrainischen Gegenoffensive abhängig gewesen.
Atombombe gegen die Ukraine als letzter Trumpf Putins?
„Wenn Putin und sein Umfeld den Eindruck bekommen, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen, wird es gefährlich“, sagte etwa Brigadegeneral a.D. Helmut Ganser im Interview mit der Frankfurter Rundschau. Er sehe eine Rückeroberung der Krim, der zum Zeitpunkt von Bidens „Armageddon-Rede“ tatsächlich eine Option dargestellt habe, als einen möglichen Triggerpunkt für den Einsatz von Atombomben. Und von denen habe Putin genügend. „Wohl an die 1800 Waffen“, stellte Ganser fest.
Zu der gleichen Einschätzung war auch der US-General Mark A. Milley gekommen. Der New York Times sagte er, dass je erfolgreicher die Ukraine sich gegen den russischen Angriff wehren könne desto wahrscheinlicher sei es, „dass Putin mit dem Einsatz einer Bombe droht – oder danach greift.“
Hat Scholz durch Gespräche mit China den Einsatz von russischen Atomwaffen im Ukraine-Krieg verhindert?
Bei seinem Besuch in China habe Scholz mit Xi über die Bedrohungslage eines globalen Atomkriegs und die abgefangenen russischen Gespräche gesprochen – wohl mit Erfolg. Denn nach dem Treffen sprach sich der chinesische Präsident nicht nur in Staatsmedien gegen den Einsatz von Atomwaffen aus.
Auch die USA hätten sich auf eine mögliche Eskalation im Ukraine-Krieg vorbereitet. Dem Sender CNN teilten zwei hochrangige Regierungsbeamte mit, dass auch die USA Gespräche mit China und Indien abgehalten hätten. Darin habe man die beiden Länder aufgefordert, sich öffentlich gegen den Einsatz von Atomwaffen auszusprechen. Dass sich die beiden Länder tatsächlich gegen den Einsatz solcher Waffen aussprachen, „könnte einen gewissen Einfluss auf ihre Denkweise gehabt haben“, sagte einer der Beamten CNN mit Blick auf den Kreml. (nhi)