Tempo bei Beschaffung

Aufrüstung: Pistorius setzt auf deutsche Kamikazedrohnen als Test

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Vorab zum „Gamechanger“ erklärt: Die Bundeswehr beschafft jetzt zu Testzwecken Kamikaze-Drohnen zweier deutscher Hersteller – einer davon ist das in München ansässige Unternehmen Helsing mit seiner Drohne HX-2.
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Kommt jetzt die Zeitenwende? Die Bundeswehr testet Kampfdrohnen zwei deutschen Firmen. Die Generäle verlangen, dass jeder Soldat den Umgang damit erlernt.

Berlin – „Die drohnenarme Armee“, nennt Björn Müller die Bundeswehr. Im Magazin loyal hat der Autor des Organs des deutschen Reservistenverband die Defizite der deutschen Streitkräfte in der Aufrüstung mit Drohnen aufgezeigt. Bisher seien Drohnen kein Rüstungsschwerpunkt der Bundeswehr gewesen, konstatiert Müller, hat aber eingeräumt, dass Stimmen aus dem Verteidigungsministerium angedeutet hätten, dass sich das von 2026 an ändern könnte – was jetzt wohl auch eintritt angesichts der Erfahrungen der Verteidiger aus der Ukraine gegen Wladimir Putins Invasionsarmee.

Nach Meldungen verschiedener Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium ist Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Begriff, zwei Typen von „Kamikaze-„ also Angriffs-Drohnen zu bestellen: die HX-2 der Münchner Firma Helsing sowie die OWE-V-Drohne von Stark Defense aus Berlin. Wie das Magazin hartpunkt berichtet, seien zwar mehrere Arten von „loitering ammunition", also herumlungernde Munition, im Gespräch; die beiden spezifizierten Produkte sollen aber jetzt zum Testen für die Truppe beschafft werden, so hartpunkt-Autor Waldemar Geiger.

Aufrüstung der Bundeswehr: „Wir brauchen Zehntausende von intelligenten Robotern auf dem Gefechtsfeld“

„Wenn wir an die Nato-Ostflanke denken, also 3.000 Kilometer Grenze, und mit Masse dorthin kommen, auf asymmetrische Fähigkeiten setzen, also Zehntausende Kampfdrohnen dort konzentrieren, dann ist es eine sehr glaubwürdige konventionelle Abschreckung“, sagte Gundbert Scherf kürzlich gegenüber dem Sender n-tv. Der Mitbegründer und Co-Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Helsing aus München meldet sich zeitig mit seiner Forderung eines „Drohnenwalls“ ähnlich dem von den östlichen Nato-Partnern geplanten zum perfekten Zeitpunkt, weil das neue Sondervermögen für Sicherheit gerade auch vom Bundesrat beschlossen worden ist.

„Jeder Soldat muss den Einsatz und die Abwehr von Drohnen beherrschen.“

Generalmajor Christian Freuding, Table Media

„Das Parlament wurde, anders als bei anderen wichtigen Rüstungs-Entscheidungen, nicht vorab unterrichtet“, schreibt über den kommenden Rüstungsdeal der Spiegel. Nach Auskunft des Nachrichtenmagazins habe das Verteidigungsministerium sein Vorgehen mit der zeitlichen Notwendigkeit begründet. Offensichtlich drückt das Verteidigungsministerium auf die Tube, den technischen Rückstand der Truppe aufzuholen.

Wir brauchen Zehntausende von intelligenten Robotern auf dem Gefechtsfeld, und das sind in allererster Linie heute Drohnen, die Sie in kleinen Fabriken herstellen können“, sagte Thomas Enders vor einigen Tagen gegenüber der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.). Enders war nicht nur Vorstandsvorsitzender des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, sondern auch Chef von Airbus, ist seit einigen Jahren Präsident des deutschen Thinktanks Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und nichtoperatives Mitglied im Verwaltungsrat von Helsing.

Drohnen-Ziel: Wladimir Putins ausgefeilte Möglichkeiten der Elektronischen Kriegsführung aushebeln

Mit den beiden Systemen setzt die Bundeswehr offenbar darauf, Drohnen in Masse zu produzieren und Künstliche Intelligenz zu nutzen, wie hartpunkt schreibt. Letzteres bedeutet, dass die beiden Drohnen-Typen resistent gegen Signalstörungen sein sollen; offenbar werden die beiden Drohnen dadurch Wladimir Putins im Ukraine-Krieg ausgefeilten Möglichkeiten der Elektronischen Kriegsführung aushebeln können. „Eigenschaften, die auf Basis von Helsings umfangreichen Erfahrungen in der Ukraine entwickelt und getestet wurden“, so das Unternehmen, wie hartpunkt-Autor Geiger zitiert.

Die Waffe aus München soll ein Gewicht von zwölf Kilo umfassen, 100 Kilometer weit fliegen und eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 200 Kilometern pro Stunde erreichen können. Wie hartpunkt berichtet, soll die Waffe unterschiedliche Nutzlasten gegen den Feind tragen können: Mehrzweck-Munition, Panzerabwehr- oder strukturzerstörende Munition. Die OWE-V (One-Way-Effector  – zu Deutsch: „Einweg-Wirkmittel) von Stark wird größer sein: um die zwei Meter hoch und mit x-förmigen Flügeln mit einer Spannweite von ebenfalls fast zwei Metern. Der Antrieb mit zwei Propellern soll sich an den Tragflächen-Spitzen befinden. Das bis zu 30 Kilogramm schwere System könne mit einer bis zu fünf Kilogramm schweren Nutzlast bestückt werden, fliege maximal 60 Minuten und bis zu 100 Kilometer weit, wie hartpunkt aufgrund von Unternehmens-Angaben schreibt.

Die Geschwindigkeit soll zwischen 120 Kilometern pro Stunde im Marsch-Modus auf bis zum Doppelten der Geschwindigkeit im finalen Angriffs-Modus anwachsen können, die Drohne operiere in rund zwei Kilometern Höhe und sei in zehn Minuten einsatzbereit für den senkrechten Start – so die Unternehmensangaben weiter. Stark Defence habe demnach angegeben, Ziele bis auf einen Meter Genauigkeit treffen zu können – auch innerhalb elektronischen Störfeuers.

Pistorius marschiert: Tempo für die Einführung von Kamikazedrohnen regelrecht revolutionär

Möglicherweise hat Boris Pistorius das getan, was er bereits seit langem versucht: auf eine Goldrandlösung zu verzichten, also auf Waffen, die bis ins kleinste Detail entwickelt, aber dafür teuer sind, wobei über das Investitionsvolumen keine Angaben gemacht werden. Wie aber beispielsweise der Spiegel betont, sei keine finale Entscheidung über die Beschaffung getroffen worden, sondern lediglich eine Beschaffung für Testzwecke angemacht. Zumindest das Start-up Stark Defence sieht einen großen Vorteil seines Angebotes darin, dass in seinem Produkt „ausschließlich in Deutschland hergestellte Komponenten“ verbaut sein, wie hartpunkt angibt.

Wie der Spiegel berichtet, sei das Beeindruckende an dem Drohnen-Deal allerdings vor allem die Geschwindigkeit – wie dessen Autoren Matthias Gebauer und Marcel Rosenbach berichten, könnten bereits Ende dieses Jahres „größere Verträge“ geschlossen werden. „Das Tempo für die Einführung von Kamikazedrohnen ist für Bundeswehr-Verhältnisse regelrecht revolutionär. Normalerweise würde die Truppe jahrelang für einen solchen Prozess brauchen“, so der Spiegel. Das klingt nach tatsächlicher Zeitenwende.

Start-ups vor Ort: Beide Firmen scheinen in der Ukraine mit Firmensitzen vertreten zu sein

loyal-Autor Müller beklagt, dass Deutschland ein Ökosystem für militärische Drohnen-Start-ups fehle. Zwar nennt er als Fortschritt die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Manching, zu der seit 2021 ein „Drone Innovation Hub“ gehöre, wie Müller schreibt. „Der kann Unternehmen zwar Halle und Felder zum Testen bieten, aber der Hub hat keine Werkzeuge, um vielversprechende Vorhaben finanziell zu flankieren. Die zahlreichen Studien, Modelle und Demonstratoren, die es braucht, um überhaupt an die Tür des Beschaffungsprozesses zu gelangen, kosten Start-ups sehr viel Geld, wobei ihnen meist die Luft ausgeht.“

Offenbar ist das bei Helsing und Stark anders – beide Firmen scheinen in der Ukraine mit Firmensitzen vertreten zu sein und dort von den Erfahrungen im Ukraine-Krieg zu profitieren. Die Widerstandsfähigkeit gegen Elektronische Kriegsführung und Störmaßnahmen will das Unternehmen Helsing jedenfalls aufgrund eigener Erfahrungen in der Ukraine entwickelt haben, so das Unternehmen via hartpunkt. Die HX-2-Drohne sei ebenfalls fähig in Schwärmen zu fliegen.

Bundeswehr wird zukunftsfähig: „Jeder Soldat muss den Einsatz und die Abwehr von Drohnen beherrschen.“

„Spricht man mit Heeresvertretern, die mit der Thematik der Drohnenkriegsführung vertraut sind, wird einem unmissverständlich signalisiert, dass man sowohl die Drohnenentwicklung in der Ukraine als auch den Umgang der Verbündeten mit der Thematik sehr genau beobachtet“, schreibt Geiger und stellt den Eindruck von überflüssigen Bürokratieschritten gegen die „notwendige Maßnahme, um eine ungesteuerte Beschaffungshysterie zu vermeiden, die in manchen Teilen der Welt zu beobachten ist“, wie er sich ausdrückt.

Exotische Früchte anbauen: Mit diesen 11 Exemplaren klappt’s auch in deutschen Gärten

Ein Zitronenbaum mit Frucht im Topf. (Symbolbild)
Zitronenbäume gedeihen am besten an einem sonnigen, windgeschützten Standort mit leicht saurem, durchlässigem Boden. In unseren Breiten sollten sie im Kübel kultiviert werden, um sie während der kalten Monate ins Winterquartier bringen zu können. © Julija Sapic/Imago
Pawpaw oder Indianerbanane
Die pflegeleichte Pawpaw oder Indianerbanane bevorzugt einen halbschattigen Standort mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden. In den ersten Jahren ist ein Winterschutz ratsam, da junge Pflanzen empfindlicher gegenüber Frost sind. © Zoonar/Imago
Ein Zweig mit zwei reifenden Granatäpfeln
Der Granatapfel steht für Urlaub in fernen Landen. In Deutschland wächst er am besten als Kübelpflanze. An einem vollsonnigen, geschützten Standort kann die Pflanze Früchte bilden. © Zoonar.com/Aleksandar Varbenov/IMAGO
Nashibirne, Apfelbirnen am Baum
Nashi-Birnen sehen aus wie Äpfel und schmecken nach Birne. Mit Minustemperaturen bis zu 20 Grad Celsius kommen sie klar, sie benötigen aber einen sonnigen Standort. Der Boden darf nicht kalkhaltig sein. © blickwinkel/Imago
Kakibaum (Persimmon) mit Früchten
Kakibäume bevorzugen einen vollsonnigen, geschützten Standort mit durchlässigem Boden. Während die Amerikanische Kaki als besonders winterhart gilt, benötigen japanische Sorten in kühleren Regionen zusätzlichen Frostschutz. © Imaginechina-Tuchong/Imago
Kiwipflanze mit Früchten
Kiwipflanzen sind kräftige Kletterpflanzen, die einen sonnigen, windgeschützten Standort und eine stabile Rankhilfe benötigen. Da viele Kiwis zweihäusig sind, ist es wichtig, sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen zu setzen – es sei denn, es handelt sich um selbstfruchtende Sorten. © Bihlmayerfotografie/Imago
Feigenbaum mit Feige
Feigenbäume gedeihen am besten an einem sonnigen, warmen und windgeschützten Standort, idealerweise in der Nähe einer Hauswand oder Mauer. In kühleren Regionen empfiehlt sich der Anbau im Kübel, um die Pflanze bei Bedarf ins Winterquartier bringen zu können. Wer in Deutschland ernten möchte, muss eine selbstbefruchtende Sorte wählen.  © robertkalb photographien/Imago
Blühender Orangenbaum mit Frucht
Wie wunderbar: Orangenbäume tragen betörend duftende Blüten und saftige Früchte zugleich. Sie benötigen einen sonnigen, warmen Standort mit gut durchlässigem, frisch-feuchtem Substrat. Die Kultivierung im Kübel ist für die Überwinterung sinnvoll. © imagebroker/Imago
Nahaufnahme einer Hand, die eine unreife gelbe Pfirsichfrucht auf einem Baumzweig
Die zunehmend milderen Temperaturen in Deutschland machen es möglich, dass auch mediterrane Pfirsichbäume an einem sonnigen Standort saftige Früchte tragen. Ein regelmäßiger Schnitt fördert die Fruchtqualität und beugt Krankheiten vor. © imagebroker/Imago
Eine Pflanze mit Physalis
Wer nicht viel Platz oder Geduld hat, kann sogar auf dem Balkon eine Physalis (Kapstachelbeere) anbauen. Da sie frostempfindlich ist, sollte sie erst nach den Eisheiligen ins Freiland gepflanzt werden. Die Kapstachelbeere bevorzugt einen sonnigen Standort mit nährstoffreichem, durchlässigem Boden.  © blickwinkel/Steidi/IMAGO
Wassermelone an der Pflanze in Beet
Wassermelonen gehören zu den Kürbisgewächsen. Sie benötigen einen sehr warmen, sonnigen Standort mit einem mittelschweren, humusreichen Boden. Regelmäßiges Gießen nicht vergessen! © YAY Images/Imago

Thomas Wiegold weist darauf hin, dass die Geschwindigkeit in der Beschaffung offenbar auch dadurch herrührt, dass diese Einweg-Drohnen, die im Ziel explodieren und auf Selbstzerstörung ausgelegt sind, als „Munition“ klassifiziert werden statt als Fluggerät, so der Autor des Militär-Blogs Augen geradeaus; ihm zufolge fielen damit „weitgehende Vorgaben für Zertifizierung und Einsatz“ weg, die erforderlich wären, wenn die Drohnen als solche in den Dienst aufgenommen würden.

Auch der Einsatz wird durch diese Klassifikation erleichtert, wie loyal-Autor Björn Müller im vergangenen Jahr geschrieben hat. Offenbar hatten angehende Drohnen-Piloten der Bundeswehr vor dem einwöchigen Lehrgang für Kleinstdrohnen ihre medizinische Eignung nachweisen müssen; laut einem Sprecher des Luftfahrtamtes fiele die nun weg, so Müller. Also ein Schritt dahin, was Generalmajor Christian Freuding Anfang dieses Jahres als Ziel ausgegeben hat – gegenüber Table.Media hatte der Leiter des Planungs- und Führungsstabs sowie des Sonderstabs Ukraine gefordert: „Jeder Soldat muss den Einsatz und die Abwehr von Drohnen beherrschen.“

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