Proteste nehmen Fahrt auf

Sozialdemokraten paktieren mit „Putins fünfter Kolonne“ – jetzt wehrt sich (nicht nur) Litauens Kulturszene

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In Litauen gehen Kulturschaffende auf die Barrikaden – weil die Sozialdemokraten gemeinsame Sache mit Rechtsaußen machen. Was ist da los?

Man stelle sich vor, die AfD würde den Sprung in die Bundesregierung machen – auf freundliche Einladung der SPD. Was in Deutschland undenkbar scheint, ist in Litauen politische Realität: Seit Ende 2024 regiert in Vilnius die sozialdemokratische LSDP mit der Rechtsaußen-Partei Nemuno aušra (NA). Auch nach der Koalitions- und Kabinettsumbildung des Sommers. Doch im Land wächst nun rapide Protest. Ihn tragen vor allem Litauens Kulturschaffende. Auch die Verteidigung rückt in den Blick. Und prorussische Tendenzen, die Kritiker der NA attestieren.

Ziemlich bunt: Protest in Klaipeda Anfang Oktober - rechts im Bild NA-Chef Remigijus Žemaitaitis.

Schon nach der Wahl 2024, als der mittlerweile über Korruptionsvorwürfe gestürzte Gintautas Paluckas als Premier übernahm, hatte es Proteste gegen die Koalitionsbeteiligung der NA gegeben. Dessen Nachfolgerin Inga Ruginienė verzichtete ab September auf die Mitte-links-Partei DSVL in der Koalition und nahm die ebenfalls rechtspopulistische LVŽS ins Bündnis auf. Das Fass zum Überlaufen brachte eine nur vermeintlich kleine Personalentscheidung: Ruginienė gab das Kulturministerium an den Nemuno-Aušra-Politiker Ignotas Adomavičius. Ein Affront aus vielerlei Gründen, wie das Protestbündnis und eine Mitstreiterin der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media auf Anfrage erklären. Am Sonntag (26. Oktober) erlebte das Land wieder Demonstrationen und Aktionen.

„Größerer Einfluss des Kreml“: Litauens Kulturszene warnt vor Regierungspartei

„Nemuno aušra verwendet spalterische und gewaltsame nationalistische, euroskeptische, prorussische und antisemitische Rhetorik die den sozialen Zusammenhalt, demokratische Werte und Minderheitenrechte untergräbt“, erläutert das Bündnis „Protest der Kulturgemeinschaft“ seine Kritik. Fakt ist: Parteigründer und -Chef Remigijus Žemaitaitis wurde vom Verfassungsgericht Ende 2024 antisemitischer Äußerungen, der Hetze und damit eines gebrochenen Amtseides für schuldig befunden – er hatte unter anderem Israelis als „Tiere“ bezeichnet und behauptet, „Russen und Juden“ hätten Litauen schwer geschadet, ein Strafprozess läuft noch. Schon wegen dieser Äußerungen gab es international Proteste gegen die Regierungsbeteiligung der NA.

Dennoch blieb die Lage lange vergleichsweise ruhig – bis zu Adomavičius‘ Ernennung. Der trat bereits Anfang Oktober wieder zurück. Und hatte schon bis dahin reichlich Zündstoff geliefert. In einem TV-Interview wies er Fragen nach dem Status der Krim und einem „Sieg“ der Ukraine als provokant zurück, aus dem Presseraum des Ministeriums verschwand zwischenzeitlich die ukrainische Flagge. Die Protestierenden beurteilten den zuvor als Manager einer Nudelfabrik tätigen Adomavičius‘ als ahnungslos auf dem Feld der Kultur. Und sie fürchten Schlimmes unter einem NA-Minister – auch unter einem möglichen Nachfolger unter NA-Einfluss.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Es gebe das Risiko von „Zensur, Marginalisierung von Minderheitenstimmen, Verzerrung der historischen Erinnerung, vertiefter Polarisierung und größerem Einfluss des Kreml“, warnen sie. Zu den Aufgaben des Ministeriums gehöre schließlich auch der nationale Rundfunk und der Kampf gegen Desinformation. Die NA lieferte in den Augen ihrer Kritiker zuletzt weitere Indizien für Kreml-Nähe: etwa mit Žemaitaitis‘ Forderung nach einer Kürzung des Verteidigungsbudgets. Angesichts eines neuen Haushaltsentwurfs trat Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė zurück, Kommentatoren warnten vor einer „Kreml-Sabotage“.

Litauen in Aufruhr: „Es geht um die Verteidigung der liberalen Demokratie selbst“

„Es geht nicht mehr allein um die Kultur, sondern um die Verteidigung der liberalen Demokratie selbst – ihrer Grundwerte und der Verantwortung der Politiker gegenüber der Zivilgesellschaft“, sagt Laura Tatarėlytė, Expertin der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Vilnius der FR. In ihren Augen ist aus dem Kulturprotest eine „Massenbewegung“ geworden, die „fast alle Bereiche der Zivilgesellschaft einschließt“. Tatarėlytė protestiert selbst gegen NA. Und hat dabei prägende Momente erlebt, wie sie sagt. Etwa, als an vielen Orten Litauens das Werk „Das Meer“ des litauischen Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis aufgeführt und übertragen wurde. „Es war zutiefst beeindruckend, diese Einigkeit und Solidarität zu spüren“, sagt Tatarėlytė.

Der Ärger richtet sich indes nicht allein gegen die Rechtsaußenpartei. Auch Litauens Präsident Gintanas Nauseda hat Zorn auf sich gezogen – das Energieministerium wollte er der NA unter Verweis auf die Bedeutung des Ressorts für die nationale Sicherheit verweigern. Für das Kulturministerium und Adomavičius gab er grünes Licht. Und natürlich steht die größte Koalitionspartei, die Sozialdemokraten, in der Kritik.

Litauens „Kulturproteste“ – eine Chronologie

Am 23. September bildete sich aus der Kulturszene eine „Versammlung“, um Proteste zu organisieren. Am 25. September gab es eine erste Demonstration vor dem Präsidentenpalast, eine Petition gegen die Ernennung eines NA-Kulturministers vereinte mehr als 80.000 Unterschriften auf sich. Am 5. Oktober fand ein „Warnstreik“ statt, nach Angaben der Organisatoren an 81 Orten in ganz Litauen. Am 14. Oktober diskutierte eine „Kulturversammlung“ das weitere Vorgehen. Bis zum 21. November ist ein „Protestmonat“ geplant – die Protestierenden sprechen von 150 Unterstützergruppen im Land.

Dass die sich nun schon in ein zweites Bündnis mit der NA begaben, führen in Litauen so einige auf reines Machtkalkül zurück: Mit den Sitzen der 15 Prozentpunkte starken Partei lässt sich eine vergleichsweise komfortable Parlamentsmehrheit bilden. Auffällig ist ohnehin, dass Populisten in Litauen 2024 ungewohnt starken Zulauf erhielten. Der Politologe Boris Ginzburg vermutet eine „Krisenmüdigkeit“ als Teilerklärung hinter dem Phänomen, wie er unserer Redaktion sagt – die auf Fragen der Russland- und Ukraine-Politik durchschlage. Zwischenzeitlich hatte die Regierung den Schutz-Status der im litauischen Exil lebenden belarusischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja herabgesetzt.

Die ukrainekritische Haltung der NA könnte auf solche Wählerpotenziale bedienen – aber auch tiefere Gründe haben. Im März warnte der damalige Parlamentspräsident Saulius Skvernelis in einer geheimen Aussprache vor einer „fünften Kolonne“ im eigenen Haus. Gemeint war offenbar die NA. Ein mögliches Kalkül der Sozialdemokraten scheint indes nicht aufzugehen. Die NA leidet, anders als etwa die „Wahren Finnen“ in Finnland, nicht unter ihrer Rolle als Juniorpartner und den verbundenen Kompromissen. Umfragen sehen Žemaitaitis‘ Partei nur knapp unterhalb ihres Wertes von der Wahl 2025. Die LSDP selbst ist auf Platz zwei in der Wählergunst zurückgefallen, hinter die Konservativen.

Vielsagende Vorwürfe vom Rechtsaußen – und Protest mit Hochkultur und Landmaschinen

Unterdessen kämpft die NA selbst aus der Regierungsverantwortung heraus mit harten Bandagen. Žemaitaitis griff auf Facebook zu vielsagenden Vorwürfen gegen Arūnas Gelūnas, Direktor des Litauischen Nationalen Kunstmuseums und eines der Gesichter des Protests. Die Behauptung: Gelūnas habe seinen Namen geändert, um jüdische Wurzeln zu vertuschen. Auch den Versuch eines „Staatsstreiches“ unterstellten NA-Anhänger den Protestierenden.

Die Protestbewegung aus der litauischen Kulturszene betont indes, sie habe ein sehr klares Ziel: „Nemuno aušras politischen Einfluss auf das Kulturministerium zu beseitigen“, inklusive möglicher Vize-Minister und Berater. Sie hat einen Protestmonat unter dem Motto „Wir sind Kultur“ ausgerufen. Am 21. November soll ein ungewöhnlicher Moment den Abschluss bilden: ein Konzert in Vilnius mit Jazz- und Musikensembles – und Landwirten mit schweren Maschinen. (Quellen: Bündnis Kulturgemeinschafts-Protest, Laura Tatarėlytė, Boris Ginzburg, eigene Recherchen/fn)

Rubriklistenbild: © Montage: Egle Sabaliauskaite/Xue Dongmei/Xinhua/Imago/fn

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