Ukraine-Verhandlungen: Vorerst keine Tomahawks für Selenskyj – Berichte über „emotionales“ Trump-Treffen
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Nail Akkoyun
Paula Völkner
Christian Stör
News zum Trump-Selenskyj-Treffen: Kiew hofft im Ukraine-Krieg auf US-Tomahawk-Marschflugkörper. Doch Trump scheint den Deal zu verweigern.
Update, 7:39 Uhr: Die Ukraine darf Medienberichten zufolge vorerst nicht auf eine Lieferung von US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk hoffen. Donald Trump habe dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj bei ihrem Treffen in Washington eine entsprechende Freigabe verweigert, berichteten unter anderem das Portal Axios und der Sender CNN unter Berufung auf informierte Quellen.
Das Treffen sei „nicht einfach“ gewesen, zitierte Axios eine Quelle. Eine andere Quelle habe es gar als „schlecht“ bezeichnet. Stellenweise sei die mehrstündige Zusammenkunft „etwas emotional“ geworden. Laut CNN-Informationen sei die Diskussion angespannt, offen und zeitweise „unangenehm“ verlaufen.
Selenskyj bleibt vage bei Tomahawk-Frage: Trump habe weder Ja noch Nein gesagt
Update vom 18. Oktober, 6:31 Uhr: Nach dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus hofft dieser weiterhin auf eine Zusage für die Lieferung von weitreichenden US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk. „Unsere Teams arbeiten daran“, sagte Selenskyj nach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im NBC-Format „Meet the Press with Kristen Welker“. „Es ist gut, dass Präsident Trump nicht Nein gesagt hat, aber heute auch nicht Ja gesagt hat.“ Er könne keine weiteren Details nennen. Selenskyj unterstrich erneut, dass die Ukraine im Krieg gegen Russland auf solche weitreichenden Waffen angewiesen sei.
Auf die Frage, ob er glaube, dass Trump seinen Ton in dieser Frage nach seinem jüngsten Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin geändert habe, sagte Selenskyj: „Ich weiß es nicht, denn wir haben uns nicht vor diesem Telefonat getroffen.“ Der ukrainische Präsident sagte, Tomahawks seien ein sensibles Thema für Russland. Er denke, Putin habe Angst, dass die USA der Ukraine diese Waffen liefern könnten.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Trumps Außenminister irritiert mit Russland-Krawatte bei Selenskyj-Treffen
Update, 22:57 Uhr: Nach dem Treffen zwischen Trump und Selenskyj sorgt in Russland ein Detail für Aufsehen: die Krawatte von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Hegseth habe mit einer „unerwarteten Modeentscheidung für Aufsehen“ gesorgt, schreibt die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass: „Eine Krawatte in den Farben der russischen Trikolore.“
Tatsächlich zeigen die Aufnahmen des Treffens den US-Verteidigungsminister im Weißen Haus mit einer Krawatte mit weißen, blauen und roten Streifen, in derselben Reihenfolge wie auf der russischen Nationalflagge. Allerdings hat auch die US-Flagge diese Farben, jedoch nicht in dieser Reihenfolge; ein unglücklicher Zufall?
Update, 22:49 Uhr: Jetzt spricht Selenskyj: Das Treffen mit Trump sei produktiv gewesen, erklärte der ukrainische Präsident. Zu Langstrecken-Waffen wolle er sich nicht äußern, darauf habe man sich geeinigt. Bei dem Treffen sei es auch um das geplante Treffen zwischen Trump und Putin gegangen. Die Ukraine zähle auf Trump, den Krieg zu beenden.
Selenskyj soll zuvor bereits die europäischen Staats- und Regierungschefs über das Treffen informiert haben, schreibt Axios-Reporter Barak Ravid auf der Plattform X.
Update, 21:56 Uhr: Selenskyj hat das Weiße Haus nach dem Treffen mit Trump soeben verlassen. Der ukrainische Präsident soll nun ein weiteres Pressestatement geben, während US-Präsident Donald Trump laut Kalender des Weißen Hauses nach Florida reist.
Update, 21:24 Uhr: Die Gespräche zwischen Trump und Selenskyj sollten bald enden: In Kürze wird ein Statement des ukrainischen Präsidenten erwartet.
Update, 20:15 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet. Selenskyj und Trump ziehen sich nun zu Gesprächen und einem gemeinsamen Essen zurück.
Aktuelle Ukraine-Verhandlungen: Trump glaubt wieder an Putins Friedenswillen
Update, 20:13 Uhr: Trump äußert immer wieder seinen Glauben daran, dass Putin den Ukraine-Krieg beenden wolle und verweist dabei auf das Gespräch mit dem Kreml-Chef am Donnerstag. Eine Begründung liefert er für seine Annahme jedoch nicht. Dennoch erklärte Trump auf die Frage, ob er befürchte, dass Putins Annäherungsversuche ein Versuch seien, den Krieg in die Länge zu ziehen: „Ja, das befürchte ich, aber ich bin mein ganzes Leben lang von den Besten manipuliert worden und habe mich wirklich gut geschlagen, also ist es möglich.“
Update, 20:05 Uhr: Auch heute ging es im Weißen Haus wieder um das Outfit des ukrainischen Präsidenten:Nachdem Selenskyj bei seinem ersten Besuch im Oval Office Kritik dafür einstecken musste, keinen Anzug zu tragen, sagt Trump diesmal zu Beginn des Treffens: „Ich finde, er sieht sehr schön aus in seinem Jackett.“ Wie bei seinem zweiten Besuch trägt Selenskyj heute ein schwarzes Jackett.
Trump und Selenskyj sprechen über Tomahawk-Marschflugkörper
Update, 19:57 Uhr: Es geht um Tomahawk-Marschflugkörper: Nachdem Trump zunächst ausweichend auf Fragen dazu reagiert und erklärt hatte, dass die USA diese Waffen bräuchten, bot Selenskyj eine Art Deal an: Der ukrainische Präsident schien anzudeuten, dass die Ukraine den USA im Gegenzug eine Reihe von Drohnen zur Verfügung stellen könnte. Trump erklärte darauf: „Wir würden es viel lieber sehen, wenn sie keine Tomahawks bräuchten“ und fügte hinzu, dass sie lieber „den Krieg beendet sehen würden“.
Update, 19:48 Uhr: Auf die Frage eines Fox News Reporters, wer von beiden ein besserer Verhandler sei, Selenskyj oder Putin, erklärte Trump: „Ich finde, beide machen einen tollen Job.“ Mehrfach betonte Trump, dass Putin seiner Meinung nach Frieden wolle. Selenskyj jedoch widersprach mit Blick auf eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg: „Wir wollen, dass die Waffen schweigen, Putin will das nicht.“
Update, 19:43 Uhr: Trump zeigt sich optimistisch mit Blick auf ein Ende des Ukraine-Kriegs: „Ich glaube, Putin will den Krieg beenden“, erklärte er unter Verweis auf sein Telefonat mit Putin am Donnerstag. Auch Selenskyj wolle Frieden: „Jetzt müssen wir es hinkriegen“, so Trump.
Das Treffen mit Putin, das Trump am Donnerstag angekündigt hatte, stelle er sich als „Doppeltreffen“ vor und nicht als trilaterales Treffen mit Selenskyj: „Diese beiden Staatschefs mögen sich nicht, und wir möchten es für alle angenehm gestalten“, so der US-Präsident.
Update, 19:37 Uhr: Im Kabinettsaal äußern sich Trump und Selenskyj nun vor Presse-Vertretern. US-Präsident Donald Trump wiederholt seinen Willen, den Ukraine-Krieg zu beenden. Selenskyj spricht von einem „Momentum“ für ein Kriegsende: Moskau habe hohe Verluste, auch wirtschaftlich.
Aktuelles Ukraine-Treffen mit Trump: Selenskyj im Weißen Haus angekommen
Update, 19:30 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj soeben empfangen: Nach einem kurzen Handschlag und Schulter-Klopfen vonseiten des US-Präsidenten verschwanden die beiden Staatschefs auch schon ins Innere des Weißen Hauses. Selenskyj und Trump gehen nun in den Kabinettsaal für Gespräche über den Krieg in der Ukraine.
Update, 19:08 Uhr: Der für 19 Uhr geplante Empfang scheint sich zu verzögern: Während Fotografen vor dem Weißen Haus warten, ist von Selenskyj und Trump noch keine Spur.
Trump trifft Selenskyj im Weißen Haus: Gespräche über Tomahawk-Marschflugkörper und Putin-Treffen
Update, 18:46 Uhr: In Kürze beginnt das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj. Um 19 Uhr empfängt Trump den ukrainischen Präsidenten im Weißen Haus. Eines der Kernthemen bei dem Treffen ist nach Angaben der ukrainischen Regierung die mögliche Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern mit großer Reichweite. Zudem kündigte Trump an, mit Selenskyj über sein Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag zu sprechen.
Aktuelles Trump-Treffen mit Putin wirbelt Lage im Ukraine-Krieg durcheinander
Erstmeldung: Washington, D.C. – Der Ukraine-Krieg geht mit unverminderter Härte weiter. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Am heutigen Freitag (17. Oktober) steht nun ein mit Spannung erwartetes Treffen an: US-Präsident Donald Trump empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus. Der ukrainische Staatschef will Trump davon überzeugen, den Verkauf von Marschflugkörpern des Typs Tomahawk freizugeben. Damit könnte die Ukraine offensiver gegen Russland vorgehen.
Ob es so kommt, ist nach Trumps Telefonat am Donnerstag mit Kremlchef Wladimir Putin allerdings mehr als fraglich. Trump selbst dämpfte im Vorfeld des Treffens bereits die Erwartungen der Ukraine hinsichtlich einer Lieferung der Tomahawk-Marschflugkörper. Die USA könnten ihre eigenen Vorräte nicht „entleeren“, sagte der US-Präsident. Er habe auch in seinem Telefonat mit Putin über die Möglichkeit gesprochen, der Ukraine Tomahawks zu liefern. Putin habe die Idee „nicht gefallen“.
Tomahawks im Ukraine-Krieg noch ein Thema? Trump spricht vor Selenskyj-Treffen mit Putin
„Ich glaube, es ist ein großer Fortschritt in dem heutigen Telefongespräch gemacht worden“, schrieb Trump auf seinem Netzwerk Truth Social. Das Telefonat mit dem russischen Staatsoberhaupt sei sehr produktiv gewesen. Es sei dabei auch um die US-Handelsbeziehungen zu Russland nach einem Ende des Ukraine-Kriegs gegangen. Er sei überzeugt, dass der „Erfolg im Nahen Osten“, also das Waffenruhe-Abkommen nach zwei Jahren Gaza-Krieg, in den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs helfen werde.
Dazu will sich der Republikaner „wahrscheinlich in den nächsten zwei Wochen“ in Budapest mit Putin treffen, wie er nach dem Telefonat mit Putin mitteilte. Bereits im August hatten sich die beiden Staatschefs in Alaska gesehen – ohne Selenskyj und ohne greifbares Ergebnis. Auch jetzt ist unklar, welche Rolle der ukrainische Präsident dieses Mal spielen wird. In Trumps Ankündigung war nicht die Rede davon, dass Selenskyj in irgendeiner Weise eingebunden werden soll. Trump schrieb nur, dass er mit ihm im Weißen Haus über sein Telefonat mit Putin sprechen werde.
Russland warnt erneut vor Tomahawk-Lieferungen der USA an Kiew im Ukraine-Krieg
Putin erklärte bereits, dass eine Lieferung von Tomahawks an die Ukraine eine „komplett neue Stufe der Eskalation“ bedeuten und die Beziehungen zwischen Moskau und Washington massiv beschädigen würde. Der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew, der derzeit Vizevorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats ist, warnte sogar vor einer Eskalation bis hin zu einem Atomkrieg: Eine Lieferung von Tomahawks an die Ukraine könne „für alle und vor allem für Trump selbst böse enden“.
Der Experte Peter Dickinson vom US-Institut Atlantic Council gab gegenüber der Nachrichtenagentur AFP allerdings zu bedenken: „Moskau hat immer wieder neue rote Linien gezogen und den Westen vor möglichen russischen Vergeltungsschlägen gewarnt, aber dann nichts unternommen, wenn diese roten Linien überschritten wurden.“
Was ist der Tomahawk?
Der Tomahawk ist ein Marschflugkörper, also eine Lenkwaffe, der von den US-Streitkräften vor 42 Jahren in den Dienst gestellt wurde und erstmals bei der „Operation Desert Storm“ 1991 im Irak und zuletzt bei den Angriffen auf Atomanlagen im Iran im Juni zum Einsatz kam. Wie aus Finanzunterlagen der US-Marine hervorgeht, wurden bisher 8959 Tomahawks produziert und mehr als 2350 Stück abgefeuert.
Tomahawk-Marschflugköfper werden für Präzisionsangriffe aus großer Entfernung genutzt. Sie können von Schiffen, U-Booten und vom Boden aus abgeschossen werden und treffen ihre Ziele in der Regel mit einer Genauigkeit von wenigen Metern. Die Ausführung BGM-109 kann mit einer Geschwindigkeit von 880 Kilometern pro Stunde Ziele in 1600 Kilometern Entfernung erreichen und fliegt dabei lediglich in einer Höhe von einigen Dutzend Metern, sodass sie nur schwer geortet und bekämpft werden kann. Ursprünglich hatte der Tomahawk sogar eine Reichweite von 2500 Kilometern.
Eine Ausführung des Tomahawk, die mit einem Atomsprengkopf bestückt werden konnte, wurde 2013 außer Dienst gestellt. Die Kosten für einen Tomahawk der fünften Generation belaufen sich den Marinedokumenten zufolge auf 2,5 Millionen Dollar (gut 2,1 Millionen Euro).
Der Tomahawk sei „keine Wunderwaffe“, mit der die Ukraine den Krieg gewinnen werde, schrieb Expertin Stacie Pettyjohn vom Politikinstitut CNAS auf der Online-Plattform X. Dieser Ansicht ist auch der Generalstabschef des französischen Heeres, Pierre Schill: Kein Waffensystem allein könne die Lage „radikal verändern“. Mit dem Flamingo-Marschflugkörper, den die Ukraine selbst produziert, verfüge die ukrainische Armee zudem schon über eine Langstreckenwaffe für Angriffe tief in Russland.
Die mögliche Lieferung von Tomahawks sei daher vor allem als „politisches und strategisches Signal“ von US-Präsident Trump an Kreml-Chef Wladimir Putin zu verstehen, sagte Schill der AFP zufolge. Trump könne Putin damit klarmachen, dass er Fortschritte „in Richtung eines Friedens“ sehen wolle und andernfalls bereit sei, „die Ukraine zu unterstützen“. (Quellen: AFP, dpa, Reuters, DW, X) (cs)