VonAnika Zuschkeschließen
Windkraft spielt beim Erreichen der Klimaziele und bei der Unabhängigkeit von russischem Gas eine wichtige Rolle. Doch schreitet der Ausbau zu langsam voran.
Hannover – Seit dem Start des Ukraine-Kriegs wird von der Politik vermehrt nach Lösungen gesucht, wie Deutschland sich unabhängiger von russischem Gas machen kann. Eine Alternative stellen beispielsweise LNG-Terminals dar, die flüssiges Erdgas fördern und mit dessen Start Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bereits zum Jahreswechsel 2022/2023 rechnet.
Außerdem treibt Klimaschutzminister Habeck zunehmend den Ausbau von Windkraft voran. Doch dafür, dass Windenergie einen Lösungsweg aus der derzeitigen Energiekrise darstellen könnte – und den Weg in die klimafreundlichere Energiegewinnung ebnen würde – schreitet der Ausbau extrem schleppend voran.
Windkraft in Deutschland: zu wenige Genehmigungen für neue Windräder in 2022
Eine SWR-Recherche hat ergeben, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 in ganz Deutschland 311 neue Windräder genehmigt wurden. Das sind zehn weniger als im ersten Halbjahr von 2021 – und nur ein Drittel dessen, was in „guten“ Jahren wie 2014 an Genehmigungen erteilt wurde.
Bayern und Sachsen schnitten mit vier, beziehungsweise zwei, genehmigten Windrädern in 2022 laut SWR am schlechtesten ab. Spitzenreiter war Nordrhein-Westfalen mit 79 Windrädern, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 61. Niedersachsen erreicht mit 57 Windrädern immerhin den dritten Platz.
Warum geht der Ausbau von Windrädern nicht gut voran? Rückschritt beim Ausbau von Windrädern in Deutschland erkennbar
Wenn es so weitergeht, sieht der Wirtschaftsverband Windkraftwerke (WVW) die Ausbauziele der Bundesregierung definitiv nicht erfüllt – im Gegenteil: „Der WVW befürchtet ein dauerhaftes und deutliches Unterschreiten der Ausbauziele [...]. Die Zahl der Genehmigungen und der in Betrieb genommenen Windenergieanlagen bleiben unverändert auf einem viel zu niedrigen Niveau. Es ist nicht nur kein Beschleunigungseffekt nach den vielversprechenden Aussagen des Koalitionsvertrags zu erkennen, sondern sogar ein Rückschritt“, heißt es laut SWR von dem Verband.
Eigentlich hatte Robert Habeck bereits im Osterpaket anvisiert, dass mindestens zwei Prozent der Landesfläche bis 2032 für den Bau von klimafreundlichen Windrädern ausgewiesen wird. Doch davon sind fast alle Bundesländer weit entfernt – nur Schleswig-Holstein liegt mit rund zwei Prozent im Soll. Niedersachsen verwies einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge darauf, dass bis 2030 2,1 Prozent erreicht würden. Doch fast alle anderen Bundesländer stehen vor dem Problem von zu wenig Flächen und zu viel Bürokratie.
Hat Windenergie eine Zukunft? Regierung schreibt Zwei-Prozent-Flächenziel für Bundesländer vor
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert die Bundesregierung nun sogar dazu auf, noch deutlich mehr Flächen für die Bebauung mit Windrädern bereitzustellen. Laut BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae solle das Flächenziel von zwei Prozent auf bis zu vier Prozent heraufgesetzt werden. Der Grund dafür: „Damit das Ziel von zwei Prozent auch wirklich erreicht wird, sollte das vorgesehene Flächenziel von zwei Prozent um weitere ein bis zwei Prozentpunkte angehoben werden, um den Wegfall nutzbarer Fläche im Rahmen der Zulassungspraxis bereits frühzeitig zu kompensieren“, sagte Andreae der Bild-Zeitung.
Ein verbindliches Flächenziel begrüße die Verbandschefin, da dies „ein wichtiger Schritt zu mehr heimischer Energie und zu mehr Klimaschutz“ sei. Doch auch der scheint mit dem derzeit schleppend vorangehenden Ausbau von Windrädern auf der Strecke zu bleiben.
Windkraft in Deutschland: „Grüne“ Energie spielt bei Klimazielen große Rolle – dreimal mehr Windräder nötig
Bis 2030 soll nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen, bis 2035 sollen es fast 100 Prozent sein. Der Ausbau von Ökostrom durch Wind und Sonne spielt dabei eine entscheidende Rolle. Doch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz teilte dem SWR mit, dass rund dreimal mehr Windräder genehmigt werden müssten als im ersten Halbjahr dieses Jahres, um die Klimaziele zu erreichen.
Insgesamt müssten demnach zwischen 1500 und 2000 Windräder in Deutschland pro Jahr aufgestellt werden – in den letzten drei Jahren waren es jeweils weniger als 500. Und auch dieses Jahr sieht der Trend nicht unbedingt vielversprechender aus. Deswegen greift die Bundesregierung jetzt mit verbindlichen Flächenzielen für die Bundesländer durch. „Dabei müssen alle Länder einen Beitrag leisten, um in der Summe auf eine Flächenausweisung in der Höhe von zwei Prozent der Bundesfläche für die Windenergie an Land bereitzustellen“, erklärt das Bundeswirtschaftsministerium laut SWR. Mit dem „Wind-an-Land-Gesetz“ können auch sture Bundesländer wie Bayern zu einem Ausbau der Windräder gezwungen werden.
