G7 gründen Klimaklub

Robert Habeck und die Energiekrise: Was wird jetzt aus den Klimazielen?

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Muss die Energiepreise im Zaum halten: Wirtschaftsminister Habeck.
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Die G7-Staaten wollen sich mehr für das Klima einsetzen. Das ist wichtig, löst aber nicht die aktuelle Energiekrise, die vor allem Robert Habeck fordert.

Berlin – Der internationale Klimaklub kommt. Neben drängenden Themen wie dem Ukraine-Krieg und der damit verbundenen weltweiten Hungerkrise war der Klimawandel eines der prägenden Themen des jüngsten G7-Gipfels in Elmau. Offenbar mit Erfolg für Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Der hatte die Idee des Klimaklubs erst ins Spiel gebracht. Im Abschlussbericht des Gipfels haben sich nun die G7-Staaten geschlossen hinter den Plan gestellt. Noch in diesem Jahr soll der Klimaklub gegründet werden – und neben den G7-Staaten auch andere Länder mit einbeziehen. Scholz sagte in seiner Abschlussrede: „Wir sind uns einig: Wir brauchen mehr Ehrgeiz, mehr Ambitionen, um unsere Klimaziele zu erreichen.“

Name: Robert Habeck
Partei: Bündnis90/ Die Grünen
Position: Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz und Vizekanzler

Der Beschluss ist ein neuer Meilenstein, ein neues Versprechen an die Weltbevölkerung, die Bemühungen zur Errichtung des 1,5-Grad-Ziels zu erhöhen und die Inhalte des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Und das kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn in der aktuellen krisengeplagten Zeit gehen die großen Klimadebatten oftmals zwischen Kriegs-Berichten und Pandemie-Nachrichten unter. Die Krisen unserer Zeit zwingen den Westen vielmehr dazu, die CO₂-Emissionen wieder steigen zu lassen. So führt die Energiekrise durch den Ukraine-Krieg etwa dazu, dass wir zwischenzeitlich wieder auf Kohle setzen müssen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will damit die Abhängigkeit von russischem Erdgas senken. 

Kohle als Rettung aus der Gaskrise: Deutschland hält nach wie vor am Kohleausstieg 2038 fest

Sobald wir allerdings mehr Kohlekraftwerke in Betrieb nehmen, steigen auch die CO₂-Emissionen in Deutschland wieder an. Im Jahr 2020 haben Braunkohlekraftwerke 12,7 Prozent der gesamten Emissionen des Landes ausgemacht. Und damals hat sich noch keine Energiekrise angekündigt, im Gegenteil: Alle waren auf Kohleausstiegs-Kurs. Geplant ist nach wie vor, dass wir den Kohleausstieg bis 2038 schaffen. Noch ist Kohle allerdings der wichtigste Stromlieferant in Deutschland. Und die aktuelle Krisenlage deutet darauf hin, dass wir noch eine Weile auf Kohle setzen müssen. 

Wir müssen Abstriche machen, Habeck macht daraus kein Geheimnis. Erst am Donnerstag rief er die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus. „Wir sind in einer Gas-Krise“, sagte er dazu. Es ginge nun darum, Gas zu sparen und Alternativen zu suchen – wie zum Beispiel die Kohle. Aber auch der Ausbau Erneuerbarer Energien solle noch einmal beschleunigt werden. Eine Maßnahme, die auch auf europäischer Ebene getroffen wird. Beim jüngsten Treffen des EU-Energierats verabredeten die zuständigen Minister der europäischen Länder, dass bis Ende des Jahrzehnts mindestens 40 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Zum Vergleich: Bisher waren lediglich 32 Prozent vorgesehen. Zudem ist geplant, dass der Energieverbrauch bis 2030 um 36 Prozent reduziert werden soll. „Beide Beschlüsse sind elementar, um die EU unabhängiger von fossilen Energien zu machen und den Klimaschutz voranzutreiben“, sagte Habeck.

Ein wenig erinnert das Ganze an eine Aussage des Bundeswirtschaftsministers zu Beginn des Krieges. Damals sagte er im Hinblick auf die sich anbahnende Energiekrise sinngemäß „Versorgungssicherheit ist wichtiger als Klimaschutz“. Manchmal, wie im Falle der Gaskrise, lassen sich aber vielleicht auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zumindest im Hinblick auf den zusätzlichen Druck für die längst überfällige Energiewende. Wenn wir den Umstieg auf Erneuerbare Energien schaffen, dann sinken sowohl Abhängigkeit als auch Emissionen massiv. Bis es soweit ist, dauert es allerdings noch eine Weile. 

Ampelregierung will den Ausbau der Erneuerbaren Energien per Gesetz beschleunigen

Die Ampelregierung hat im Koalitionsvertrag zwar versprochen, die Hürden für den Ausbau von Windkraftanlagen und Solarparks in Deutschland deutlich zu senken – aber die Zahlen zeigen, dass in der Hinsicht noch Handlungsbedarf besteht. Laut Informationen des Bundesministeriums für Klimaschutz und Wirtschaft kamen im Jahr 2021 41,1 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Quellen – und damit 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Das liegt unter anderem am steigenden Stromverbrauch. Aber im Bundeskabinett tut sich so langsam was: Der Entwurf für das Gesetz zur Erhöhung und Beschleunigung des Ausbaus von Windenergieanlagen steht. Damit müssen die Bundesländer bis Ende des Jahres 2032 einen Anteil von 1,8 bis 2,2 Prozent ihrer Landesfläche für den Ausbau der Windenergie freigeben. 

Bis dahin sind es allerdings noch zehn Jahre. Es kann also gut sein, dass die Energiekrise uns vor neue Klima-Herausforderungen stellt. Laut Anke Herold, Geschäftsführerin des Freiburger Öko-Instituts, ist das allerdings kein Grund, die Klimaziele abzuschreiben. Im SWR sagte sie: „Wenn das nochmals verschärfte CO₂-Einsparziel der EU umgesetzt und im Wärmebereich von Gas auf erneuerbaren Wasserstoff umgestellt wird, kann eine Einhaltung der Einsparziele bis 2030 gelingen.“ Die westlichen Industrienationen haben das auf dem Zettel. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die G7-Staaten für rund ein Viertel der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. Und um wirklich etwas in Sachen Klimaschutz erreichen zu können, ist eine Zusammenarbeit mit China unerlässlich. Das Land hat im Jahr 2021 alleine 33 Prozent des weltweiten CO₂-Ausstoßes erzeugt. 

Energiekrise und steigende Strompreise: Bundesnetzagentur plädiert an jeden einzelnen Bürger

Was uns genau mit der Energiekrise und den mutmaßlich ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland noch erwarten wird, kann aktuell niemand genau sagen. Fest steht, wir können die Klimaziele trotzdem noch erreichen, wenn sich bald etwas in Richtung Erneuerbare Energien tut. Die jüngsten Beschlüsse der G7-Staaten sind ein erster Schritt dahin. Laut Netzagentur-Chef Klaus Müller kann aber auch jeder einzelne Bürger etwas tun, für das Klima und für die Gasversorgung: „Und ja, dazu gehört auch der Pulli, der Duschkopf, die Heizung ein bisschen runterstellen“, sagte er im ARD-Morgenmagazin, außerdem solle man sich auf steigende Gaspreise einstellen. 

Ein Opfer, das offensichtlich viele Leute bereit sind, zu bringen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox sind 89 Prozent der Befragten bereit, ihren Gasverbrauch deutlich zu senken. Und bevor das Licht oder die Heizung trotzdem ausgeht, kann Deutschland auf die Hilfe von europäischen Verbündeten setzen. Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko hat zum Beispiel in einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche eine Belieferung mit ukrainischem Atomstrom ins Spiel gebracht. Der Strom aus Atomkraft in der Ukraine sei „eine Art Versicherungspolster in Zeiten witterungsbedingt rückläufiger Erzeugung aus Solar- und Windkraftanlagen“. 

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