Berliner Queer-Beauftragter erwirkt einstweilige Verfügung gegen Julian Reichelt
VonKatja Thorwarth
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Gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka ermittelt die Polizei. Julian Reichelt nutzt die Causa für die Diffamierung von Alfonso Pantisano.
Berlin – Die bekannte Berliner Dragqueen Jurassica Parka, mit bürgerlichem Namen Mario O., steht im Zentrum polizeilicher Ermittlungen. Ihm wird vorgeworfen, kinderpornographische Inhalte besessen und verbreitet zu haben, wie die Berliner Staatsanwaltschaft mitteilte. Bereits im Juli war seine Wohnung durchsucht worden, auch wurde öffentlich, dass O. bereits am 18. Oktober 2023 vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe von 11.200 Euro wegen des gleichen Vorwurfs verurteilt worden war.
Während der Künstler auf Instagram mitteilte, sich zurückziehen zu wollen und auch Suchtprobleme anführte, hat sich die Rechtsaußen-Szene auf Social Media bereits auf das Thema eingeschossen. Mit dabei: Julian Reichelt, Chefredakteur des Rechtsportals Nius. Auf X veröffentlichte er am 1. November einen Post, den er wie folgt einleitete: „Dieser Mann wurde von Bundesregierung und Berliner Regierung hofiert und finanziert. Man arbeitete mit ihm zusammen, nachdem er wegen Besitz/Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt worden war und ließ ihn staatlich organisiert und veranstaltet auf Kinder los. (...)“
Julian Reichelt von Nius stellt Queer-Beauftragten in Zusammenhang mit Jurassica Parka
Direkt darunter ist ein Bild des Berliner Queer-Beauftragten Alfonso Pantisano zu sehen, das verschwommen und mit einer „Inhaltswarnung“ versehen ist: „Nicht jugendfreier Inhalt“. Unter diesem Bild ist deutlich kleiner ein Nius-Artikel mit Bezug zu Jurassica Parka verlinkt. Durch die Prominenz der Bildes im Kontext zum Textanfang ist die erste Assoziation, dass sich die geschriebenen Inhalte auf Pantisano beziehen – zumal völlig unklar bleibt, warum man für das Bild eine Altersfreigabe braucht.
Nur diejenigen, die auf „mehr anzeigen“ klicken, werden am Ende des Posts aufgeklärt: „Mich interessiert vor allem die Frage: Wusste Berlins ‚Queer-Beauftragter‘ Alfonso Pantisano von der Verurteilung von Jurassica Parka alias Mario O.?“ Spielt Reichelt hier bewusst mit der provozierten Täuschung, um Pantisano mit Kinderpornografie zu assoziieren? Liest man die Kommentare, scheint, sollte dies das Ansinnen gewesen sein, die Rechnung aufzugehen: „Epstein-Netzwerke gibt es überall“, heißt es an einer Stelle. An einer anderen: „Schwer vorstellbar, dass Pantisano das nicht wusste.“
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Post auf X von Reichelt: „schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts“
Der schaltete einen Anwalt ein, der an Reichelt herantrat mit der Forderung, den Post auf X zu löschen. Die Frist ließ dieser verstreichen, repostete vielmehr den Beitrag mit dem Zusatz, dass sich Pantisano „offenbar“ von seinem Post „angesprochen“ fühle, und verweist auf auf den „zitierten Beitrag“, also wohl den Nius-Artikel.
Mittlerweile hat das Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung gegen Reichelt ausgesprochen und untersagt, dass Bild von Pantisano zu verwenden. Betont wird eine Verletzung seines Persönlichkeitsrechts und die Dringlichkeit, weshalb die Entscheidung ohne mündliche Verhandlung getroffen wurde. Rechtsanwalt Jasper Prigge, der Pantisano im Verfahren vertreten hat, erläutert hierzu: „Mit Straftaten in Verbindung gebracht zu werden, mit denen man nichts zu tun hat, muss sich niemand gefallen lassen. Das gilt vor allem, wenn es um Sexualstraftaten geht. Der erweckte Eindruck verletzt das Persönlichkeitsrecht von Herrn Pantisano schwerwiegend.“ Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.
„Solche Fake News zielen darauf, Menschen öffentlich zu diskreditieren“
Doch was sagt der Betroffene zu Reichelts Social-Media-Aktivität? Die Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA hat mit ihm gesprochen.
Herr Pantisano, Julian Reichelt hat auf X einen Post abgesetzt, der die Vorwürfe gegen die Dragqueen Jurassica Parka zum Inhalt hat – aber mit Ihnen bebildert ist. Was sagen Sie dazu?
Julian Reichelt hat ein Foto, auf dem nur ich abgebildet bin, mit den Worten „Dieser Mann“ veröffentlicht und im selben Atemzug über eine Verurteilung wegen Kinderpornografie geschrieben. Damit hat er sicherlich bewusst den Eindruck erzeugt, ich sei der Straftäter. Parallel erwähnt er auch, „dieser Mann” werde von Berliner Regierung finanziert – was im Grunde bei meinem Amt der Fall ist. Das ist verantwortungslos, manipulativ und gefährlich. Solche Methoden, solche Fake News zielen darauf, Menschen öffentlich zu diskreditieren und sie als verdächtig oder gefährlich darzustellen. Ich wurde hier nicht zufällig in einen falschen Kontext gebracht – das war kalkuliert.
Zur Person
Alfonso Pantisano, im schwäbischen Waiblingen geboren, ist ein deutscher Aktivist der LGBTQ-Bewegung und Politiker der SPD. Er war persönlicher Referent der ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und zuvor Referent der Berliner Senatorin für Inneres Iris Spranger (SPD).
2023 wurde er als Referent des Berliner Senats zur ersten „Ansprechperson Queeres Berlin“ (Queer-Beauftragter) ernannt. Aufgrund seines Engagements ist er häufig Ziel von Hass und Drohungen, worüber er öffentlich spricht, um auf die Feindseligkeiten gegenüber queeren Personen aufmerksam zu machen.
Queer-Beauftragter zu Julian Reichelt: „Das ist kein Journalismus, das ist gefährliche Propaganda“
Können Sie sich vorstellen, warum er Ihr Bild mit einer Inhaltswarnung versehen hat?
Diese sogenannte „Inhaltswarnung“ könnte nichts anderes als ein weiterer manipulativer Trick sein. Sie wurde ganz offensichtlich nicht automatisch von der Plattform, sondern manuell gesetzt, denn auf meinem Foto ist nichts zu sehen, was irgendeine Zensur rechtfertigen würde. Damit lag die Entscheidung vermutlich beim User selbst und nicht bei einer KI. Diese bewusste Markierung soll wohl den Eindruck erwecken, ich selbst sei der „nicht jugendfreie Inhalt“. Das ist infam und zeigt, wie gezielt Reichelt arbeitet. Er manipuliert die Wahrheit bis an ihre Schmerzgrenzen, um Empörung zu erzeugen. Das ist kein Journalismus, das ist gefährliche Propaganda.
Wie haben Sie reagiert?
Ich habe gegen den ursprünglichen Post juristische Schritte eingeleitet, das Frankfurter Landgericht hat entsprechend reagiert.
Reichelt behauptet, sein Bezug sei ein weiter unten verlinkter Artikel von Nius gewesen. Gelöscht hat er den Post aber nicht. Ist durch diese „Klarstellung“ die Sache vom Tisch?
Nein, im Gegenteil. Diese sogenannte „Klarstellung“ ist eine Ausrede, kein Rückzug. Wer in einem Post mein Gesicht benutzt, darüber die Worte „Dieser Mann“ schreibt und im selben Atemzug über Kinderpornografie spricht, weiß ganz genau, was er tut. Dass er den Beitrag nicht löscht, zeigt: Er will den Schaden und er will das Gift, das solche Bilder in den Köpfen hinterlassen. Das ist kein Irrtum, das ist Methode „Reichelt”. Und wer so arbeitet, missbraucht die Öffentlichkeit, um unsere Demokratie anzugreifen. (Quellen: eigene Recherche) (ktho)