Krieg auf der Krim

Wie bei Jules Verne – Ukraine bringt autonome U-Boote gegen Putin in Stellung

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Russisches Kriegsschiff auf der Halbinsel Krim.
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Ohne Marine mischt die Ukraine mit im Seekrieg um die Krim – Drohnen schleichen sich an die Schwarzmeer-Flotte; und bald wohl auch bemannte U-Boote.

Sewastopol – Sie heißen „Fury“, „Orca“ oder „Kronos“ und sollen den Unterwasser-Krieg revolutionieren. Die Ukraine plant einen Feldzug autonomer Unterseeboote gegen die Schwarzmeer-Flotte von Wladimir Putin und will Russland damit von der Krim vertreiben. Inzwischen existiert auch ein Tarnkappen-U-Boot ukrainischer Ingenieure. Und auch der Flugzeugbauer Boing hat mittlerweile fünf unbemannte U-Boote an die US-Marine ausgeliefert; die könnten ebenfalls für die Ukraine interessant werden; allerdings setzen die verstärkt auf Eigenbau, um sich auch gegenüber ihren bisherigen Unterstützern zu emanzipieren.

Die Drohne „Seababy“ hat beispielsweise bereits im vergangenen August Schaden an der russischen Schwarzmeer-Flotte und der Krim-Brücke verursacht. „Drohnen dieser Art, die an der Meeresoberfläche operieren, sind eine einheimische Innovation“, sagte Vasyl Maliuk, der Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU), gegenüber dem Sender CNN.

Ukraine setzt im Krieg gegen Russland auf Unterwasserwaffen der Marke Eigenbau

Science-Fiction scheint also von Tag zu Tag realistischer zu werden im Ukraine-Krieg: Die Verteidiger basteln neben einer Armee von Drohnen inzwischen wohl auch an unbemannten U-Booten, um die Schwarzmeer-Flotte Russlands das Fürchten zu lehren. Konventionelle Kriegführung ist auf Dauer schlichtweg unbezahlbar. Jetzt startet die Ukraine Ende Januar sogar eine neue Offensive im eigenen Land: einen Hackathon unter der Überschrift „Offensive der Maschinen“ – das Verteidigungsministerium will damit kreative Köpfe versammeln, um die besten technologischen Lösungen zur Verbesserung unbemannter Systeme an der Front zu finden. Der Hackathon „Offensive der Maschinen“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des Verteidigungsministeriums der Ukraine, des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine, des Ministeriums für strategische Industrien und des Verteidigungstechnologie-Clusters Brave1.

Mit dabei das Projekt „Fury“ – die Kurzform für „First Ukrainian Robotic Navy“, wie das Magazin NavalNews berichtet. Der Seekrieg im Schwarzen Meer ist der erste in der Geschichte, der von unbemannten Plattformen geprägt wird. Die Ukraine war mit unbemannten Booten (USV) schnell innovativ und schien der russischen Marine bisher einen Schritt voraus zu sein. Das vermutlich erste Opfer der ukrainischen Kreativität war die „Admiral Makarov“, das Flagschiff der russischen Schwarzmeer-Flotte – sie war beschädigt worden von einer unbemannten Überwasserdrohne, der „Magura 5“.

Expertin: Ukraine wird nach dem Krieg wichtigstes Drohnenherstellerland in Europa sein

Von „Hunderten von Drohnen“, über die die Ukraine jetzt verfügen soll, spricht das Online-Miltär-Magazin Defense Express und beruft sich auf Aussagen des HerstellersJede einzelne allerdings würde der Ukraine schon Hoffnung geben. Die Magura 5 ist 5,5 Meter lang, 1,5 Meter breit. Sie ist ein ukrainischer Eigenbau, vorgestellt auf der Internationalen Messe der Rüstungsindustrie in der Türkei im Juli 2023. Eigentlich heißt sie „Maritime Autonomous Guard Unmanned Robotic Apparatus“ und ist in ihrer jetzigen Ausführung die fünfte Generation. „Die Ukraine ist in den letzten Jahren und insbesondere seit Beginn des Krieges zu einer Drohnenmacht geworden“, lobte Ulrike Franke, vom European Council on Foreign Relations gegenüber dem ZDF. Und sie ist sich ziemlich sicher: „Es ist wahrscheinlich, dass die Ukraine aus diesem Krieg als wichtiges Drohnenherstellerland hervorgehen wird.“

Die „Magura 5“ als Do-It-Yourself-Lösung für die eigene Marine ist scheinbar ein wahrer Tausendsassa – und ihre Möglichkeit, Sprengstoff über das Schwarze Meer zu tragen offenbar nur ein Nebenaspekt ihrer eigentlichen BestimmungNach Angaben des ukrainischen Herstellers „SpetsTekhnoEksport“ soll sie vor allem aufklären und überwachen können. Ihre Nutzlast wird mit 320 Kilogramm angegeben; die soll sie dann mit einem Tempo von 40 bis maximal 75 Kilometern pro Stunde über eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern katapultieren können. Die Bedienung gehe laut Herstellerangaben so leicht von der Hand wie bei einem ferngesteuerten Spielzeugboot. In sicherer Entfernung. Von Land aus. Sie ist der Prototyp der ukrainischen Drohnen-Entwicklung für den Einsatz auf dem Wasser. Alle weiteren Modelle sind ihr in den Spezifikationen überlegen.

Nach diesem erfolgreichen Probelauf geht die Ukraine jetzt nämlich einen Schritt weiter. Laut Defense Express wäre die ukrainische „Fury“ kein völlig neues Schiff, sondern als Innovation eine bestehende Plattform, die mit Minen, Torpedos oder sogar von U-Booten abgefeuerten Raketen bewaffnet wäre. Obwohl die Herstellung einer solchen Waffe nicht billig sein wäre, machte sie die Wiederverwendbarkeit lohnenswert. „Fury“ soll während des Hackatons Ende Februar erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Krim: Die „Raserei“ sät Hoffnung auf den Abzug der Schwarzmeer-Flotte

„Fury“ – zu Deutsch „Raserei“ hat auch eine große Aufgabe zur erfüllen: Die ukrainischen Verteidiger wollen mit ihren Attacken gegen die russische Marine nicht nur Material zerstören und die Operationsfähigkeit der Schwarzmeer-Flotte schwächen, sondern Russlands Präsident Wladimir Putin stürzen: Die Krim wurde bereits 2014 von Russland besetzt und bildet den Brückenkopf von Putins Fantasien, die Ukraine in die Russische Föderation einzugliedern – und genauso von seinem Vorhaben, international wieder als Seemacht aufzutrumpfen. Viele Experten sehen in der Krim den Schlüssel zum Erfolg im gesamten Ukraine-Krieg. Sollte Russlands Diktator die Krim verlieren, wäre der gesamte Krieg wahrscheinlich schnell vorbei.

Der Militär-Journalist Hi Sutton vermutet aber, dass die Ukraine ihren technologischen Vorsprung einzubüßen droht: „Der Erfolg der USV war zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Russland ihnen nur langsam entgegentrat. Aber das ändert sich, Russland setzt mehr Verteidigungsmaßnahmen ein und wird immer besser darin, ihnen entgegenzuwirken. Verteidigungsmaßnahmen gegen kleine Schnellboote gibt es seit dem 20. Jahrhundert und waren aufgrund der Bedrohungen aus dem Nahen Osten seit einigen Jahren ein Schwerpunkt der Marine westlicher Staaten. Ohne weitere Innovationen auf ukrainischer Seite könnte Russland seine Überlegenheit im Schwarzen Meer wiedererlangen. Zumal der Krieg voraussichtlich noch Jahre andauern wird.

„Orca“: US-Vorbild für eine autonome ukrainische Rüstungsindustrie

„SeaBaby“ könnte der Ukraine weitere Hoffnung geben: Neben „Magura 5“ ist „SeaBaby“ einer der beiden Arten von Seedrohnen, die vom ukrainischen Geheimdienst SSU betrieben werden. Wie Defense Express berichtete, handelt es sich bei „SeaBaby“ im Gegensatz zu den anderen beiden nicht nur um eine Kamikaze-Drohne, sondern bereits ebenfalls um eine Mehrzweckplattform, wie sie auch „Fury“ darstellen soll – die Aufgaben werden einfach komplexer. Das Boot „Orca“ beispielsweise, vom US-Flugzeugbauer Boing, ist jetzt mit fünf Exemplaren an die US-Marine ausgeliefert worden mit dem Auftrag unterschiedlichen Missionsanforderungen gerecht zu werden. Sein Kernfahrzeug bietet „Führung und Kontrolle, Navigation, Autonomie, Situationsbewusstsein, Kernkommunikation, Energieverteilung, Antrieb und Manövrieren sowie Missionssensoren“ – das Boot ist sozusagen mit allen Wassern gewaschen.

Von den einfacheren schwimmfähigen Drohen unterscheiden sich die „AUV“ (Autonomous Underwater Vehicle), dass sie autonomer als ihre Vorgänger handeln können, besser zu navigieren sind – beispielsweise durch ihre Fähigkeit mit Satelliten zu kommunizieren, und dass sie eine größere Nutzlast transportieren. Die aktuell ausgelieferten „Orca“ sind so groß wie ein Pottwal und wiegen rund 80 Tonnen.

Das Boot „Kronos“ ähnelt dagegen einem Manta-Rochen und entspringt wiederum ukrainischem Erfindergeist 2023 ist das Boot erstmals vorgestellt worden und erinnert stark an die „Nautilus“ aus Jule Vernes Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“. Der Hersteller bietet ein futuristisches Konzept eines U-Bootes, das für eine Vielzahl von Aufgaben konzipiert ist – laut DefenceExpress „das neue Konzept eines U-Bootes, das eine vollwertige Kampfeinheit sein kann“. Unter Wasser kann ein solches Boot bis zu 3,5 Tonnen Nutzlast oder bis zu zehn Menschen transportieren – und das bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde getaucht oder 80 über Wasser; beides wahlweise gesteuert oder ferngelenkt – und das immerhin bis zu 250 Kilometern Entfernung.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Die Entwicklung einer eigenen Rüstungsindustrie gehört derzeit zu den Prioritäten der ukrainischen Regierung – gerade mit Blick auf den Präsidentschaftswahlkampf in den USA: Ein Sieg von Donald Trump muss die Ukraine befürchten lassen, dass die Lieferkette aus den USA abreißt. Außerdem entwickelt sich der Krieg am Boden zu einem zähen Ringen – die Unterwasser-Welt bietet der Ukraine noch Raum für Dynamik und Erfolge einer Gegenoffensive; das sieht auch Technik-Journalist Hi Sutton so: „Die Unterwasserlösungen könnten der Schlüssel dazu sein, den Russen wieder zwei Schritte voraus zu sein. Autonome Unterwasserfahrzeuge können Überraschung, Tarnung und Überlebensfähigkeit bieten.“

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