Waffentechnologie

Killer aus der Kiste: Neue US-Rakete lauert dem Gegner auf – oder fliegt unbeschadet wieder heim

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Die Bombe kehrt künftig zurück, wenn sie nichts zum Zerstören findet: Ein Start-up aus Kalifornien setzt auf eine mehrfach nutzbare Flugabwehr-Rakete.

Costa Mesa – Das Ding ist ein Bumerang; ein Bumerang der kommenden Generation. Und offenbar nicht nur im Traum von Ingenieuren, sondern auch ganz real in Diensten von künftigen Kunden. Die Ukraine könnte einer werden – ein Käufer der mit Roadrunner betitelten Rakete. Diese Tierart aus Nordamerika wird im Deutschen „Großer Rennkuckuck“ genannt und ist flott unterwegs: 24 bis 30 km/h. Möglicherweise wird der Roadrunner Wladimir Putins Truppen im Ukraine-Krieg Beine machen.

Mehrweg-Killer für die Front: Roadrunner könnte Ukraine-Krieg revolutionieren

Der Auftrag des Roadrunner ist simpel – laut Unternehmensbeschreibung: „Starten, herumlungern und zur Basis zurückkehren“ – wenn der Himmel frei ist von Objekten, die ihm missfallen. Die amerikanischen Ingenieure wollen möglichst zügig diesen Mehrweg-Killer an die Front gegen Russland schicken. Bereits im kommenden Jahr soll das Produkt fronttauglich sein, verspricht zumindest der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg.

Palmer Luckey ist ein Gamer durch und durch. Erweckt den Eindruck eines pfiffigen Berufsjugendlichen – Bloomberg hat den Wirtschaftsboss jedenfalls fotografiert, als wäre er ein Pizzabote: Flipflops, locker sitzende Jeans, blaues Hawaii-Hemd – ein milliardenschwerer IT-Tüftler im selbstbewussten Casual Look. Luckey hat vorher ein Unternehmen für Virtual-Reality-Brillen geführt. Mit seiner jungen Firma Anduril Industries im südkalifornischen Costa Mesa setzt er auf Drohnen im Wasser und in der Luft – High-Tech-Militäranwendungen durch und durch. Das Unternehmen ist gerade mal sechs Jahre alt, die Liste offener Stellen umfasst an die 100 Einträge über die gesamten Vereinigten Staaten hinweg.

Roadrunner: Start-up bringt Senkrechtstarter auf den Markt

Auf dem Bloomberg-Foto lehnt Luckey lässig an einem schwarzen Etwas, das so groß ist, wie er selbst: an einer stummelflügeligen schwarzen Rakete, die auf einem vierbeinigen kurzen Stativ thront. Sie könnte der Stolz eines Hobby-Modellbauers sein. Laut dem US-Magazin Flight Global hat Start-up Anduril Industries aber mit dem Roadrunner die erste wiederverwendbare Waffe der Welt vorgestellt: einen autonomen, bodengestützten Abfangjäger, der unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen), Marschflugkörper und einige konventionelle Flugzeuge zerstören kann.

Eine Luftwaffe aus Plastik: Das ukrainische Militär stockt seine Drohnen-Armee massiv auf. Künftig werden Drohnen Drohnen jagen. (Archivfoto)

Der Roadrunner ist teils Flugzeug, teils gelenkte Munition und ein kleiner, zweimotoriger Jet, der vertikal startet, um Luftverteidigungs- oder Geheimdienst-, Überwachungs- und Aufklärungsmissionen zu erfüllen, aber auch zur Basis zurückkehren und vertikal zum Auftanken und Wiederverwenden landen kann. Senkrecht, wie er gestartet ist. Auf seinem kleinen Stativ. Aber davon, eine Rakete zu sein, ist er weit entfernt.

Letztendlich ist die Wahl der Waffen schließlich auch eine Kostenfrage. In diesem Winter werden beide Gegner im Ukraine-Krieg ihre Drohnen auf Widerstandsfähigkeit testen müssen. Gleichzeitig ist der Bedarf an FPV-Drohnen (First Person View – also per Bordkamera gesteuerte Drohnen) für die Streitkräfte der Ukraine enorm hoch. Die Mindestanzahl der für eine Brigade – ungefähr 1.500 Soldaten – erforderlichen Drohnen beträgt 1.000 Einheiten, während die Einsatztrupps zehn bis 15 FPV-Drohnen pro Einsatztag nutzen können, rechnet das Magazin Defense Express vor. Ohnehin schickt sich die Ukraine an, weltweit führender Hersteller von Drohnen zu werden, sogar eine „Drohnenarmee“ aufzustellen, wie der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Mykhailo Fedorow jüngst angekündigt hat. Er zeichnet auch für die digitale Transformation verantwortlich.

Putins Krieg stellt Luftverteidigung vor neue Aufgaben

Militär-Experten loben den Erfindungsgeist der Ukraine im Bau von Drohnen jeder Größe und Nutzungsart. Luckey ist überzeugt, dass das Roadrunner-Konzept insofern eine derzeit leere Nische in der militärischen Luftverteidigung füllen kann – eine Plattform, die in der Lage ist, zahlenmäßig dichte Bedrohungen aus der Luft abzuwehren, die kostengünstig ist und einfach in großen Mengen hergestellt werden kann.

„Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine nicht zu unterschätzende, große Rolle – sie haben gezeigt, dass die ursprüngliche Annahme, dass Drohnen in kleinen, asymmetrischen Kriegen eine große Rolle spielen können, falsch ist; sondern dass sie auch tatsächlich in großen Konflikten eine große Rolle spielen“, sagt der deutsche Oberstleutnant Rüdiger Rauch, Drohnenabwehrexperte im Verteidigungsministerium, im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt. Die Drohne ist die Zukunft. Ohne Frage. Und vor allem für das westliche Militärbündnis eine ungeahnte Herausforderung. Beispielsweise für die Luftverteidigung.

Laut Nato-Doktrin soll der Munitionsvorrat jedes einzelnen Mitglieds für eine Verteidigungsfähigkeit von 30 Tagen reichen – mindestens. Der Ukraine-Krieg zieht sich mittlerweile schon deutlich mehr als 600 Tage hin. Krieg wird neben allem anderen auch eine finanzielle Katastrophe, wie tagesschau.de am Beispiel der Patriot-Luftabwehrraketen berichtet hat. Das Patriot-System sei eines der verbreitetsten, zuverlässigsten und bewährtesten Raketensysteme zur Luftverteidigung, die es gibt, sagt Tom Karako, Experte für Raketenabwehr im Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS). Karako beziffert die aktuellen Kosten einer Patriot-Abfangrakete mit jeweils etwa vier Millionen Euro pro Schuss und jedes Abschussgerät mit ungefähr zehn Millionen Euro obendrauf.

Patriot: Nahezu unbezahlbare Raketenabwehr

Zudem kann das Bedienen und der Unterhalt einer Patriot-Batterie bis zu 90 Soldaten oder Soldatinnen erfordern, so Karako. „Das System ist komplex, und monatelang waren die USA abgeneigt, die Ukraine damit zu versorgen, weil es für die Regierung von US-Präsident Joe Biden außer Frage stand, amerikanische Kräfte zum Betrieb zu entsenden. Regierungsbeamten zufolge veranlassten die dringenden Bitten aus Kiew und die verheerenden Zerstörungen der zivilen Infrastruktur im Land die USA schließlich, ihre Bedenken beiseite zu schieben“, sagt er.

Palmer Luckey will all das revolutionieren – sein Killer kommt aus der Kiste. In einem Image-Film von Anduril Industries steht ein einsamer Metall-Container in einer kargen Landschaft, der Deckel surrt zur Seite wie von Geisterhand, und die Rakete kommt senkrecht herausgeschossen. Kein Soldat ist weit und breit zu sehen – keine monströsen Trägerfahrzeuge, die den Boden umpflügen. Von Preisen ist noch keine Rede, aber selbst für die Bundeswehr würde der Roadrunner ein Schnäppchen sein, egal, was er kosten wird. Verglichen mit dem, was die Bundeswehr aufzubringen hat, um den Nato-Standard von „Kriegstüchtigkeit“ zu erreichen.

„Zwischen 20 und 40 Milliarden Euro wird die Bundesregierung ausgeben müssen, um die Munitionsbestände auf den Standard zu bringen, der in der Nato vereinbart ist“, sagt Hans-Werner Bartels (SPD) in einer aktuellen Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks. Bartels war zwischen 2015 und 2020 Wehrbeauftragter, also der von der Bundesregierung eingesetzte „Anwalt“ der Truppe. Die momentane Dauer der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr beziffert Bartels auf höchstens zwei Tage.

Ukraine: In diesem Krieg lernen die Drohnen das Schwärmen

Die aktuelle Diskussion, in die Palmer Luckey mit seiner Entwicklung hineinplatzt, geht allerdings über die Frage des Bestands an Waffen hinaus und kritisiert die fehlende Möglichkeit der zügigen Produktion von Munition. Der Web-Auftritt von Anduril Industries suggeriert, dass die Gehäuse-Komponenten beispielsweise des Roadrunner im 3-D-Druckverfahren hergestellt werden. Palmer Luckey äußert gegenüber Flight Global seine Überzeugung, dass das Roadrunner-Konzept eine derzeit leere Nische in der militärischen Luftverteidigung füllen könne – „eine Plattform, die in der Lage ist, zahlenmäßig dichte Bedrohungen aus der Luft abzuwehren, die kostengünstig ist und einfach in großen Mengen hergestellt werden kann“, wie er sagt.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Gerade die Fähigkeit von Drohnen in Schwärmen an- und auf unterschiedliche Ziele zuzufliegen, scheint der Ansporn der Amerikaner gewesen zu sein: „Es gab einfach keine zuverlässige Fähigkeit, diese Art von Bedrohungen abzuwehren“, sagt Christian Brose, Chef-Stratege von Anduril. Bedrohungen dieser neuen Waffen vor allem durch die von den Russen genutzten iranischen Shahed-Drohnen und deren Folge-Generationen könnten also anstelle von Nuklearwaffen die neue primäre Bedrohung in der zweiten Hälfte dieses Jahrtausends darstellen.

Sollte die Bundeswehr in einem nächsten Krieg, statt nur das Bundesgebiet zu verteidigen und einen Angriff zu verzögern, auf Rückeroberungs-Operationen gegen dichte Stellungssysteme umschalten, wie sie das gerade in der Ukraine demonstriert bekommt, gelangt die Einsatzfähigkeit der deutschen Armee an ihre Grenzen und realisiert den Bumerang-Effekt der Sparpolitik.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirill Chubotin / Avalon

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