„Hasta la Vista Baby“

Boris Johnson Nachfolger: Heiße Entscheidungsrunde zwischen Truss und Sunak

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Nach dem Rücktritt von Boris Johnson hat sich das Bewerberfeld auf seine Nachfolge verkleinert: Übrig bleiben Liz Truss und Rishi Sunak.

London – In Großbritanniens Politik sind die Zeiten unruhig. Der skandalträchtige Premierminister Boris Johnson hat seine letzte Fragerunde an den Premierminister abgehalten und sich mit den Worten „Hasta la Vista Baby“ verabschiedet. Noch ist er Regierungschef, doch seine Zeit läuft ab. Seit kurzem ist klar, wer in die Stichwahl um seine Nachfolge geht: Es sind die rechtskonservative Außenministerin Liz Truss und der zurückgetretene Finanzminister Rishi Sunak. Die Suche nach Boris Johnsons Nachfolgerin oder Nachfolger geht in die heiße Phase.

Boris Johnson Nachfolger: Rishi Sunak und Liz Truss in Stichwahl für Johnson-Nachfolge

Im Kampf um Boris Johnsons Nachfolge erwartete manch ein Beobachter ein regelrechtes „Blutbad“ – dieses ist bisher ausgeblieben, doch der Wahlkampf wird mit harten Bandagen geführt. Das Bewerberfeld hat sich nun reduziert, auf nunmehr zwei Kandidaten: Bei ihnen handelt es sich um den zurückgetretenen Finanzminister Rishi Sunak und die Außenministerin Liz Truss. Damit treten eine Rechtskonservative und ein Ex-Banker gegeneinander an. Beide hatten in der Parlamentsfraktion die meisten Stimmen erhalten, Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt schied damit aus dem knappen Rennen aus. Mordaunt erhielt lediglich acht Stimmen weniger als Truss. Wer als Gewinner aus dem Zweikampf zwischen Rishi Sunak und Liz Truss hervorgeht, entscheidet sich im September.

Rishi Sunak, ehemaliger Finanzminister, und Liz Truss, Außenministerin von Großbritannien gehen in die Stichwahl.

Truss und Sunak gehen in die Stichwahl. Im nächsten Schritt sollen die Parteimitglieder entscheiden, wen sie an der Tory-Spitze und somit im Amt der Premierministerin oder des Premierministers sehen wollen. Bis zum 05. September können die Mitglieder der Konservativen abstimmen. Einer von beiden wird damit das Erbe eines Regierungschefs antreten, der selbst in seinen letzten Wochen im Amt noch für erhebliche Unruhe sorgt: Erst vor kurzem hatte Boris Johnson für Aufsehen gesorgt, weil er ein Hitzewelle-Treffen geschwänzt hatte – um sich auf seine Abschiedsfeier vorzubereiten. Das klingt weniger schwerwiegend, als es war: Zuvor hatte die Regierung wegen eines vorausgesagten Hitzerekords den Katastrophenfall ausgerufen.

Wird sie Boris Johnsons Nachfolgerin? Rechtskonservative Außenministerin Liz Truss mit besseren Chancen

Truss vertritt ihrerseits den rechtskonservativen Flügel der Tories, der den Ex-Finanzminister Rishi Sunak unter anderem aufgrund der durch ihn durchgesetzten Steuererhöhungen scharf angreift. Truss hatte in den bisherigen Wahlgängen stets schlechter abgeschnitten, als die frühere Entwicklungshilfe- und Verteidigungsministerin Penny Mordaunt. Die Brexit-Verfechterin und Handels-Staatssekretärin Mordaunt galt bisher als Favoritin der Parteibasis.

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Als aussichtsreichste Anwärterin auf Boris Johnsons Nachfolge gilt mittlerweile dennoch die rechtskonservative Außenministerin Liz Truss. Sie ist die letzte Vertreterin des sehr rechten Flügels innerhalb der konservativen Partei. Die Außenministerin selbst war anders als viele ihrer ministerialen Kollegen nicht zurückgetreten und begründete dies mit Loyalität. Truss vereint die Gruppe der Johnson-Anhänger hinter sich. Insgesamt wird ihr größerer Zuspruch unter den Parteimitgliedern nachgesagt, als Sunak.

Boris Johnson Nachfolger: Ex-Finanzminister und Multimillionär Rishi Sunak zuletzt in der Kritik

Der Ex-Finanzminister Rishi Sunak hat wiederholt erklärt, er verteufele Boris Johnson nicht. Anders als Liz Truss war er jedoch in Protest gegen den inzwischen geschassten Premierminister zurückgetreten – allerdings recht spät. Der Ex-Finanzminister, Ex-Banker und Multimillionär hält daran fest, die Steuern, die auf einem 40-Jahres-Hoch sind, erst zu senken, wenn die Inflation überstanden ist. In Großbritannien droht derweil Millionen Menschen das Abrutschen in die Armut.

Auch Sunak steht nicht für den gänzlichen Bruch mit dem Vermächtnis der Johnson-Administration: Die Abschiebung von Geflüchteten nach Ruanda lehnt er ebenso wenig ab, wie das geplante Nordirland-Gesetz. Sunak gilt ebenfalls als Brexit Vertreter. Am 25. Juli treten Truss und Sunak in einem TV-Duell, das die BBC überträgt, gegeneinander an. Danach ist es an den 170.000 Konservativen zu entscheiden, wer Boris Johnsons Sukzessor oder Sukzessorin wird. Zwar sprach zuletzt einiges für Rishi Sunak als Johnson-Nachfolger, Favoritin ist mittlerweile jedoch Liz Truss. Der ganz große Bruch mit der Johnson-Vergangenheit wird wohl ausbleiben – egal, wer der beiden Bewerber am Ende Erfolg hat.

Rubriklistenbild: © Pa/PA Wire/dpa

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