Regierungskrise Großbritannien

Boris Johnson schwänzt Hitzewelle-Treffen zum Feiern – Nachfolgersuche hält an

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Selbst jetzt, wo sein Abgang besiegelt ist, sorgt Englands Noch-Premier Boris Johnson für Skandale. Dabei bleibt er sich treu: Erneut geht es um eine Feier.

London – Boris Johnsons Rücktritt ist besiegelt und trotzdem sorgt seine Person weiter für Aufruhr – und das nicht in Bezug auf die Nachfolger-Suche. Erneut geht es, wie sollte es anders sein, um eine Feier. Der hochumstrittene und geschasste Noch-Premierminister soll eine Sitzung des nationalen Krisenstabs ausfallen lassen haben, um sich auf eine Abschiedsfeier vorzubereiten. Die Feierlichkeiten auf dem luxuriösen Landsitz Chequers lassen nicht das erste Mal Fragen nach „BoJos“ Prioritätensetzung laut werden. Die Suche nach seinem Sukzessor oder seiner Sukzessorin spitzt sich derweil weiter zu. Einige Beobachter erwarten im Kampf um Boris Johnsons Nachfolge ein sprichwörtliches „Blutbad“.

Boris Johnsons Rücktritt schützt nicht vor erneuter Kritik: Premier schwänzt Hitzewelle-Treffen

In der Opposition will man den Noch-Premier sofort loswerden, doch Labour scheiterte mit einem erneuten Misstrauensvotum gegen Johnson. In der Partei fühlt man sich im ursprünglichen Ansinnen jetzt erneut bestätigt: Der amtierende britische Regierungschef gerät abermals wegen einer Feier in die Kritik. Johnson hatte eine Sitzung des nationalen Krisenstabs zum Thema Hitzewelle geschwänzt. Grund dafür war, dass der Premier sich auf seine Abschiedsfeier auf dem luxuriöses Landsitz Chequers vorbereiten wollte. Boris Johnsons Rücktritt schützt nicht vor erneuter Kritik – bei erneut kritikwürdigem Verhalten.

Kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht raus: Boris Johnson.

Die Regierung hatte kürzlich wegen des in der nächsten Woche vorausgesagten Hitzerekords den Katastrophenfall ausgerufen. In der Opposition spricht man nach Johnsons Fernbleiben von einer „Zombie-Regierung“, so zumindest nennt es Angela Rayner, stellvertretende Labour-Chefin. Rayner sagte, der Regierungschef müsse seinen Platz räumen, „wenn er immer noch nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen“. Die Chancen, dass der Premier das tatsächlich tun sollte, gehen gen Null.

Boris Johnsons Stellvertreter Dominic Raab rät bei Hitzewelle „den Sonnenschein“ zu „genießen“

Auch Boris Johnsons Stellvertreter Dominic Raab geriet im Kontext der Hitzewelle in die Kritik: Während große Teile der Politik vor einer erheblichen Hitzewelle und deren Folgen warnen, erklärte er, natürlich gebe es „Ratschläge für den Umgang mit der Hitze, wie die Vermeidung von Sonne in den heißesten Stunden und die Nutzung von Sonnencreme.“ Raab führte an: „Wir sollten den Sonnenschein genießen“. Während offiziell der Katastrophenfall ausgerufen wurde, drängt sich einigen Beobachtern der Eindruck auf, Johnson und Raab würden die Lage nicht ausreichend ernst nehmen.

Boris Johnson: Nachfolger-Feld reduziert sich auf fünf – Sunak erntet scharfe Kritik

Noch immer gibt es einige Bewerber auf die Nachfolge von Boris Johnson. Mittlerweile sind es noch fünf Kandidatinnen und Kandidaten, bis Mitte der Woche soll sich das Bewerberfeld auf zwei Mitglieder verkleinert werden. Anschließend bestimmen die Tory-Mitglieder über die Nachfolge. Als einer der Favoriten-Kandidaten auf Boris Johnsons Nachfolge galt Experten bisher unter anderem der zurückgetretene Finanzminister Rishi Sunak. Einiges spricht für Sunak als Johnson-Nachfolger, anderes wiederum weniger – zuletzt erntete der Ex-Minister von mehreren Seiten scharfe Kritik.

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In einer TV-Debatte erklärte Außenministerin Liz Truss, Sunak habe Großbritannien durch Steuererhöhungen in seiner Amtszeit in die Rezession geführt. Auch die frühere Verteidigungsministerin Penny Mordaunt kritisierte Sunak wegen Entscheidungen als Finanzminister deutlich. In einer nicht repräsentativen Umfrage unter Parteimitgliedern der Tories gibt es an der Basis derweil offenbar eine neue Favoritin auf die Nachfolge von Boris Johnson: die frühere Gleichberechtigungsministerin Kemi Badenoch. Sie galt bisher eher als Außenseiterin.

Rubriklistenbild: © Dominic Lipinski/PA/dpa

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