Parlamentswahl in Großbritannien

„AfD muss bei sich aufräumen“: „Mr. Brexit“ Farage kritisiert Versäumnisse

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Nigel Farage wirft der AfD vor, keine personellen Konsequenzen zu ziehen. Er selbst fiel in der Vergangenheit mit faschistischen Äußerungen auf.

Frinton-on-Sea – Die AfD hat nach der Ansicht des einstigen Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage jahrelang versäumt, hinsichtlich bedenklicher Ansichten in ihren Reihen aufzuräumen. Das sagte der Chef der rechtspopulistischen britischen Partei Reform UK auf die Frage nach seiner Reaktion zur umstrittenen SS-Äußerung des Ex-AfD-Spitzenkandidaten bei der Europawahl, Maximilian Krah. „Ich denke schon seit Jahren, dass die AfD bei sich aufräumen muss“, sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende im englischen Frinton-on-Sea. 

Krah hatte vor der Europawahl zu Reportern gesagt: „Ich werde nie sagen, dass jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher war“. Die ID-Fraktion im Europaparlament, der unter anderem der französische Rassemblement National von Marine Le Pen angehört, schloss darauf die AfD-Gruppe aus. Die AfD-Abgeordneten entschieden nach der Wahl, Krah nicht in ihre Delegation aufzunehmen. Auch Reform UK trennte sich kürzlich von einem Kandidaten, weil dieser in der Vergangenheit für die rechtsextremistische British National Party getrommelt hatte.

Der Vorsitzende der britischen Reformpartei Nigel Farage spricht bei der Vorstellung der Wirtschaftspolitik der Reform am Tag der Steuerfreiheit im Church House und skizziert Strategien für Wirtschaftswachstum und Aufschwung. (Archivfoto)

Farage war ein „Faschist“ – Er fiel mit Rassismus und antisemitischen Äußerungen auf

Während der Reform-UK-Chef der AfD Versäumnisse in der personellen Strukturierung vorhält, stünden seine früheren Äußerungen denen von Maximilian Krah in nichts nach, wie der Guardian berichtet. Eine Englischlehrerin von Farages ehemaligem College habe 1981 etwa verschriftlicht, dass ein Kollege den Jugendlichen als „Faschisten“ bezeichnete.

Ein anderer habe seine „öffentlich erklärten rassistischen und neofaschistischen Ansichten“ beschrieben. In Farages Biographie werde außerdem ein jüdischer Mitschüler zitiert, gegenüber dem er Shoah-rechtfertigende Kommentare gemacht haben soll. Ein weiterer habe ihn als Rassisten bezeichnet.

Er setzte sich für den Brexit ein: Jetzt will Nigel Farage ins britische Parlament

Farage saß jahrzehntelang für die UK Independence Partei im EU-Parlament und gilt als treibende Kraft hinter dem EU-Austritt Großbritanniens. Er wird daher auch als „Mr. Brexit“ bezeichnet. Er hatte Anfang des Monats überraschend seine Kandidatur für ein Mandat bei der Parlamentswahl in Großbritannien am 4. Juli angekündigt. Am Montag wollte er das Wahlprogramm seiner Partei vorstellen.

Umfragen zufolge liegt Reform UK nur wenige Prozentpunkte hinter den regierenden Konservativen von Premierminister Rishi Sunak. Eine Umfrage hatte sogar einen knappen Vorsprung für die Farage-Partei ergeben.

Wegen des reinen Mehrheitswahlrechts, bei dem in jedem Wahlkreis nur der Kandidat mit den meisten Stimmen ins Parlament einzieht, können Farage und seine Mitstreiter aber nur auf wenige Sitze im Unterhaus hoffen. Erwartet wird, dass die sozialdemokratische Labour-Partei mit ihrem Spitzendkandidaten Keir Starmer eine absolute Mehrheit gewinnen wird. 

Enge Beziehungen zu Donald Trump – Farage erhielt ein Jobangebot aus den USA

Farages erklärtes Ziel ist, die Konservativen durch eine konservative Bewegung unter seiner Führung zu ersetzen. Vorbild ist Ex-US-Präsident Donald Trump, mit dem Farage nach eigenen Angaben befreundet ist. Sollte er ein Mandat erringen, werde er angesichts der Streitereien bei den Konservativen de facto Oppositionsführer sein, sagte Farage im dpa-Gespräch. 

In fünf Jahren sei auch das Amt des Premierministers im Bereich des Möglichen, so Farage weiter. Ob er sich mit Trump abgestimmt hatte, wollte er nicht sagen. Zu privaten Gesprächen mit dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten äußere er sich stets nicht, sagte Farage. Er fügte aber hinzu: „Aber er scheint ziemlich wohlwollend zu sein.“

Farage hatte im Mai gegenüber dem britischen Sender Talk verlauten lassen, dass er sogar ein „festes Jobangebot“ aus den Vereinigten Staaten erhalten habe. Dieses hänge indirekt mit Donald Trumps Wiederwahl-Kampagne zusammen. Es sei relevant, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werde, sagte Farage im Interview mit der Moderatorin Julia Hartley-Brewer. Dabei bestritt er die Vermutung Hartley-Brewers, dass es sich um den Posten des britischen Botschafters in den Vereinigten Staaten handeln könnte. (dpa/ses)

Rubriklistenbild: © Thomas Krych/dpa/ZUMA Press Wire

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