VonFelix Busjaegerschließen
Mit dem Informationssystem „Buch der Folterer“ will die Ukraine russische Kriegsverbrechen dokumentieren. Präsident Selenskyj will alle Täter zur Rechenschaft ziehen.
Kiew – Butscha, Mariupol und jetzt Sjewjerodonezk: Der Krieg in der Ukraine hat bereits mehrmals seine schreckliche Seite gezeigt. Kriegsverbrechen in der Ukraine sind bei allen Konfliktparteien wohl an der Tagesordnung. Seitdem Russlands Präsident Wladimir Putin den Angriffskrieg auf die Ukraine startete, erreichte die Öffentlichkeit immer wieder Nachrichten von getöteten Zivilisten und dem Einsatz moderner Waffensysteme. Bei der Grausamkeit werden wohl die Ereignisse in Butscha vielen Menschen als Zäsur im Ukraine-Krieg in Erinnerung bleiben. Um künftig umfangreich russische Kriegsverbrechen dokumentieren zu können, hat die ukrainische Regierung jetzt das neue Informationssystem „Buch der Folterer“ angekündigt.
„Buch der Folterer“: Präsident Wolodymyr Selenskyj will Kriegsverbrechen von Putins Armee dokumentieren
Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte, werde es ab der kommenden Woche das „Buch der Folterer“ geben, in dem bestätigte Informationen über Kriegsverbrecher und Kriminelle der russischen Streitkräfte gesammelt werden sollen. Bisher dokumentieren überwiegend verschiedene Nicht-Regierungs-Organisationen die Kriegsverbrechen in dem Land. Wie tagesschau.de Ende Mai berichtete, sei in der Ukraine bereits „die komplette Bandbreite an Kriegsverbrechen“ bestätigt worden. Human Rights Watch zählte unter anderem Tötungen von Zivilisten, Folter, Vergewaltigungen und Verschleppungen, aber auch um den Einsatz von verbotenen Waffensystemen.
Mittlerweile wird gegen tausende Verdächtige ermittelt – auf der russischen, aber auch auf der ukrainischen Seite. Auch von staatlicher Seite werden die Kriegsverbrechen dokumentiert. In der Ukraine gab es vergangenen Monat bereits den ersten Kriegsverbrecherprozess, bei dem ein russischer Soldat zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. „Ich habe wiederholt betont, dass sie alle zur Rechenschaft gezogen werden. Und wir gehen das Schritt für Schritt an“, sagte Präsident Selenskyj bei der Ankündigung des „Buches der Folterer“. Bereits vor einigen Wochen hatte der Präsident Russland beschuldigt, 200.000 Kinder aus der Ukraine zu verschleppen.
Ukrainisches Informationssystem: „Buch der Folterer“ erfasst nur russische Kriegsverbrechen
Das „Buch der Folterer“ soll allerdings wohl nicht alle Kriegsverbrechen erfassen, die während des Ukraine-Kriegs passieren. Wie Selenskyj erklärt, gehe es bei den gesammelten Informationen um „spezifische Fakten über spezifische Menschen, die spezifische Gewaltverbrechen gegen Ukrainer begangen haben“. Es gehe darum, nicht nur die direkten Täter wie etwa die Soldaten zur Verantwortung zu ziehen, sondern auch deren Befehlshaber, die die Taten ermöglicht hätten.
