„Cannabis-Konsum zurückdrängen“: Lauterbach plant neue Risiko-Kampagne
VonAndreas Apetz
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Gesundheitsminister Lauterbach hat eine Kampagne über die Risiken von Cannabis angekündigt. An seinem Gesetzentwurf werde es noch „kleinere Änderungen“ geben.
Berlin – Die Cannabis-Legalisierung als Genussmittel ist ein umstrittenes Thema in Deutschland. Wenn nicht über die Legalisierung an sich diskutiert wird, dann über die Art und Weise, wie die Ampel das Cannabis für die Allgemeinheit zugänglich machen möchte. Im Oktober 2022 hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Eckpunkte eines möglichen Cannabis-Gesetzes festgelegt. Vor der geplanten weitgehenden Legalisierung will Lauterbach die Bevölkerung über dessen Gefahren aufklären. „Wir werden parallel zur Gesetzgebung eine große Kampagne fahren, um auf die Risiken des Cannabis-Konsums hinzuweisen“, sagte der SPD-Politiker in der Rheinischen Post vom Mittwoch (9. August).
Lauterbach plant Risiko-Kampagne, um „Cannabis-Konsum bei Jugendlichen zurückzudrängen“
Cannabis schade besonders dem noch wachsenden Gehirn. „Bis zum 25. Lebensjahr wird das Gehirn noch umgebaut. Wer in dieser Altersphase konsumiert, der schadet sich besonders“, sagte Lauterbach. Er wolle „den Cannabis-Konsum bei Jugendlichen zurückdrängen und ihn für die, die konsumieren wollen, sicherer machen“. Der Gesundheitsminister rechnet nach eigener Aussage damit, dass sich das Bundeskabinett in der kommenden Woche mit dem Gesetzentwurf seines Ministeriums zur Cannabis-Freigabe befassen wird. Es werde „noch kleine Änderungen“ geben. Details nannte Lauterbach nicht.
Gesundheitsminister Lauterbach (SPD) hat eine Kampagne zu den Risiken von Cannabis-Konsum angekündigt und plant „kleine Änderungen“ an seinem Gesetzesentwurf. (Archivfoto)
Wenige Tage vor der Ankündigung der Risiko-Kampagne hatten Jugendärzte ihre Befürchtung bekräftigt, die geplante Cannabis-Legalisierung könne zu Gesundheitsschäden bei Minderjährigen führen. „Dass der Jugendschutz zentrales Element des Gesetzes sei, erscheint uns angesichts eines deutlich ausgeweiteten Marktes und der Normalisierung von Cannabiskonsum in aller Öffentlichkeit wie eine Alibi-Aussage“, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Jugendärzte bekräftigen Sorge wegen Cannabis-Legalisierung
„Der Gefahr, dass junge Menschen, deren Gehirne noch nicht ausgereift sind, durch Cannabis-Konsum Gesundheitsschäden erleiden, wird nicht hinreichend begegnet. Herr Lauterbach muss konkret beantworten, wie er die jungen Menschen schützen will. Das steht noch aus“, sagte der BVKJ Ende Juli. Fachverbände von Jugendärzten und -Psychiatern hatten in einer gemeinsamen Erklärung Nachbesserungen beim Jugendschutz angemahnt.
Grundsätzlich seien die Jugendärzte nicht dagegen, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen, stellte BVKJ-Präsident Fischbach klar. Und Jugendliche, die konsumieren, sollten ohnehin nicht bestraft werden, sondern mit geeigneten Frühinterventionsprogrammen geholfen werden. „Aber wir sehen den Jugendschutz in Gefahr, allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz.“ Auch von deutschen Psychotherapeuten war zu hören, dass sie die Cannabis-Pläne befürworten.
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Cannabis-Konsum bei Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren angestiegen
Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben rund 8,8 Prozent der deutschen Erwachsenen im Jahr 2021 mindestens einmal Cannabis konsumiert. Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass der Anteil Jugendlicher im Alter von 12 bis 17 Jahren, die in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis konsumiert haben, von 4,6 Prozent im Jahr 2011 auf 7,6 Prozent im Jahr 2021 angestiegen ist. Die Ergebnisse der Studie zeigten außer, dass bei jedem vierten regelmäßigen Cannabis-Konsumenten ein „problematischer“ Konsum besteht.
Lauterbach will mit dem Gesetz den Anbau und die Abgabe von Cannabis innerhalb spezieller Vereine, sogenannter Cannabis-Clubs, unter womöglich strengen Regeln erlauben. Zudem sollen Erwachsene 25 Gramm des Rauschmittels besitzen sowie maximal drei Pflanzen für den Eigenbedarf anbauen dürfen. Mit ihrem Vorhaben steht die Ampel vor einem Mammut-Projekt. „Wir haben mehr als 80 Millionen Einwohner, das wird der größte legale Cannabismarkt weltweit werden“, erklärte Cannabis-Experte Niklas Kouparanis im Gespräch mit IPPEN.MEDIA und wies auf dabei auf drohende Probleme hin. Außerdem könnte ein UN-Abkommen der Cannabis-Legalisierung in Deutschland im Weg stehen. (aa/dpa)