Zerstörung und Vertreibung

Mögliche Russland-Offensive bei Charkiw: Taktik-Wechsel Putins deutet sich an

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Die Angriffe auf Charkiw haben eine neue Intensität erreicht. Infrastruktur ist eins der Hauptziele. Ein Taktikwechsel Russlands im Ukraine-Krieg?

Charkiw – Neben der strategisch wichtigen Kleinstadt Tschassiw Jar ist Charkiw aktuell eines der Hauptziele des russischen Militärs. Die Millionenstadt war bereits zu Beginn des Ukraine-Kriegs ein wichtiges Ziel, dann wurde Russland an die russische Grenze zurückgedrängt. Der Kampf zieht sich und trotzdem blieb Charkiw unter Beschuss – seit ein paar Monaten wieder vermehrt.

Laut dem „Institute for the Study of War (ISW)“ hat der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview angedeutet, Russland wolle Charkiw im Rahmen einer Sommer-Offensive erobern, um eine entmilitarisierte Zone schaffen und die russische Grenze beschützen. Das Ziel dabei sei laut Lawrow, wie er vom ISW zitiert wird, der Schutz der russischen Siedlungen, die momentan noch in Schussweite seien.

Ein Feuerwehrmann löscht einen durch einen russischen Raketenangriff verursachten Brand.

Offensive der russischen Armee Nahe Charkiw: Gefahr für die Millionenstadt?

Erst am Freitagmorgen (10. Mai) ab 5 Uhr begann Russlands Armee laut einer Telegram-Meldung des Verteidigungsministeriums der Ukraine in der Grenzregion der Stadt Charkiw einen Großangriff. Die Angriffe um die ukrainische Stadt Wowtschansk (etwa 40 Kilometer nordöstlich von Charkiw) sind laut Informationen der dpa bislang abgewehrt worden.

„Die Streitkräfte der Ukraine halten ihre Stellungen: Es ist kein Meter Boden verloren gegangen“, schrieb der Gouverneur des Gebietes Charkiw, Ihor Synjehubow, auf Telegram. Synjehubow sehe vorerst keine Gefahr für die Stadt Charkiw selbst. Der russische Militärblogger Rybar sehe die Kämpfe nahe Charkiw zunächst als Strategie, um die Kampfzone auszuweiten und Aufklärung zu betreiben.

Frontlinien festigen, Vorbereitung auf Ukraine-Hilfen: Charkiw Ziel Russlands

In einer Vielzahl von Tagesberichten bestätigte das ISW anhand der russischen Vorgehensweise das offenbare Ziel, die Frontlinien zu festigen. Das Institut ging davon aus, dass dies eine Vorbereitung auf den Zeitpunkt von weiteren Militär-Lieferungen für die Ukraine aus dem Westen seien. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj identifizierte Charkiw als mögliches Hauptziel der russischen Sommeroffensive und bat um mehr Luftverteidigung.

Die Eroberung wäre ein „äußerst ehrgeiziges Unterfangen“, so schätzte es das ISW im Tagesbericht vom 19. April ein. Demnach würden die Anstrengungen in Charkiw die gesamte sogenannte „militärische Sonderoperation“ beeinträchtigen. Aufgrund dieser Schwierigkeit war die Vermutung in einer kürzlich beim ZDF publizierten Analyse zur Strategie Russlands in Charkiw eine völlig andere.

Unbewohnbar durch Zerstörung – Eroberung von Charkiw angeblich nicht mehr Hauptziel der Offensive

Laut der Analyse ginge es Russland vor allem um Unbewohnbarkeit. Demnach wolle Russland die Bevölkerung vertreiben und so die Fluchtsituation in der Ukraine und im Westen verschärfen. Ein Hinweis sei beispielsweise der starke Fokus des russischen Militärs auf Energieversorgung und Infrastruktur. Zu diesem Schluss kam bereits im April auch The Economist. Da Charkiw bereits 2022 verteidigt werden konnte, sei es nun mit besserer Technik ebenso möglich, eine russische Eroberung erneut zu verhindern. Stattdessen stehe die Zerstörung und Vertreibung im Vordergrund.

Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks

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Der Krieg begann Ende Februar mit Angriffen Russlands auf zahlreiche Städte der Ukraine. Die Truppen aus Moskau nahmen frühzeitig auch Kiew, die Haupstadt des Landes, unter Raketenbeschuss. Eine der russischen Raketen wurde als Teil einer Ausstellung vor dem Nationalmuseum für Militärgeschichte platziert. Kurator Pavlo Netesov wollte nach eigener Aussage mit der Ausstellung der zerstörten Ausrüstung die Bewohnerinnen und Bewohner Kiews an die Straßenkämpfe erinnern, die in anderen Städte der Ukraine tobten, von denen die Hauptstadt aber verschont blieb. © Sergei Supinsky/afp
Wolodymyr Selenskyi in Donezk
Eine dieser Städte war Donezk. Im Mai 2022 besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die einstige Millionenmetropole und hörte sich dort den Bericht von Frontsoldaten an. In Donezk tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bereits seit 2014. Seitdem herrscht dort ein von Moskau installiertes Regime, das sich selbst Volksrepublik Donezk nennt. Nach einigen vorübergehenden Waffenstillstandsabkommen ist die Stadt im Südosten nun wieder Ort erbitterterte Kämpfe. © Uncredited/dpa
Menschen suchen Deckung in Lyssytschansk
Es ist vor allem die Zivilbevölkerung, wie diese beiden Kinder und Seniorinnen in Lyssytschansk, die unter dem Ukraine-Krieg leiden. Die Großstadt liegt mitten im Donbass, die seit Kriegsausbruch am schwersten umkämpfte Region in der Ukraine. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht fliehen oder konnten, müssen nun regelmäßig Schutz vor Artilleriebeschuss suchen. © Aris Messinis/afp
Tschassiw Jar, Kleinstadt der Ukraine in der Nähe Lyssytschansk
Unweit von Lyssytschansk liegt die Kleinstadt Tschassiw Jar. Dort räumen Arbeiter die Trümmer eines Hauses von der Straße, das von einer russischen „Hurrikan“-Rakete getroffen wurde. Im Juli 2022 feierte Russland vor allem in der Donbass-Region militärische Erfolge. Zahlreiche Städte und Gemeinden wurden erobert. Die Truppen Wladimir Putins schienen die Ukraine im Sturm zu erobern. © Anatolii Stepanov/afp
brennendes Weizenfeld in der Region Saporischschja
Dieser Mann in Militäruniform ist in einem brennenden Weizenfeld in der Region Saporischschja, während russische Truppen Felder beschießen, um die örtlichen Landwirte an der Getreideernte zu hindern. Die Ukraine auszuhungern und die Ernte zu stehlen, war von Anfang an Teil der russischen Strategie © Uncredited/dpa
Das sechsmonatige Jubiläum im August war ein trauriger Abschnitt im russischen Angriffs-Krieg
Das sechsmonatige Jubiläum des UKraine-Kriegs im August war ein trauriger Abschnitt der russischen Invasion. Doch die ukrainischen Streitkräfte leisteten mit Herz und allen Mitteln weiter Widerstand und feierten ihre Nation, wie hier mit Drohne und ukrainischer Flagge über dem „Monument des Mutterlands“ in Kiew. © Dimitar Dilkoff/afp
Hier wurde im September in der Stadt Kupiansk in der Kharkiv Region eine Brücke bombadiert
Im September begannen die Truppen Wladimir Putins, die Infrastruktur der ukrainischen Städte unter Beschuss zu nehmen. In der Stadt Kupiansk in der Region Kharkiw bombardierte Moskau eine Brücke. An vielen anderen Städten versuchten die russischen Streitkräfte, die Energieversorgung zu stören. © Yasuyoshi Chiba/afp
Statt eines kurzen Angriffskriegs, den der russische Präsident Wladimir Putin geplant hatte, dauert der Krieg immer noch an.
Weil die Erfolge in der Ukraine ausblieben, benötigten die russischen Truppen immer mehr Rekruten für die Front. Präsident Wladimir Putin verkündete deshalb eine Teilmobilisierung im eigenen Land. Tausende junger Männer mussten sich wie dieser Mann in der Stadt Kineschma von ihren Müttern verabschieden und in den Ukraine-Krieg ziehen. © Vladimir Smirnov/imago
Hier sieht man Putin bei einer Ansprache auf einem großen Screen auf dem Roten Platz anlässlich der Annexion von vier Regionen der Ukraine, die von russischen Truppen im September besetzt waren
Im Osten der Ukraine schuf Wladimir Putin Ende September Tatsachen. Vier Regionen des Landes, die zuvor ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, wurden annektiert. Anlässlich der Gebietsgewinne richtete sich Putin in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung Russlands. Zumindest auf dem Roten Platz in Moskau wurde Putins Rede frenetisch bejubelt. © Alexander Nemenov/afp
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf
Nach der Explosion eines Lastwagens in der Nähe von Kertsch am 8. Oktober 2022 steigt schwarzer Rauch aus einem Feuer auf der Brücke von Kertsch auf. Sie ist die einzige Landverbindung zwischen Russland und der annektierten Krim-Halbinsel. Russland versprach, die Täter zu finden, ohne die Ukraine sofort zu beschuldigen. © Uncredited/afp
Ukrainische Artilleristen feuern eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk Ende Oktober während des russischen Einmarsches in die Ukraine
Ebenfalls im Oktober gelingt es der Ukraine, an vielen Frontabschnitten vorzurücken. Das gelingt den Streitkräften vor allem dank der Unterstützung aus dem Westen, die immer mehr schweres Gerät in den Konflikt liefert. Hier feuern ukrainische Artilleristen eine 152-mm-Schleppgeschütz-Haubitze (D20) auf eine Stellung an der Frontlinie in der Nähe der Stadt Bakhmut in der ostukrainischen Region Donezk ab. © Dimitar Dilkoff/afp
Ein Einwohner von Cherson hebt seinen Daumen zur Unterstützung der Ukraine auf dem Hauptplatz der Stadt nach der Befreiung von den russischen Besatzern
Mitte November gelingt den ukrainischen Truppen ein großer Erfolg. Sie können die Hafenstadt Cherson im Südosten des Landes zurückerobern. Die Millionenmetropole besitzt neben hohem strategischem auch symbolischen Wert im Kampf gegen Russland. Ein Bewohner feiert die Befreieung mit erhobenem Daumen im Zentrum der Stadt. © Celestino Arce Lavin/dpa
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden
An diesem Tag hielt die Welt den Atem an: Eine Luftaufnahme zeigt den Ort, an dem am 15. November 2022 zwei Männer im ostpolnischen Dorf Przewodow, nahe der Grenze zur kriegszerstörten Ukraine, durch einen Raketeneinschlag getötet wurden. Russland attackierte die Ukraine mit einem massiven Angriff auf die zivile Infrastruktur, wodurch Millionen von Haushalten ohne Strom blieben. Unmittelbar nach dem Vorfall gab es Befürchtungen, dass es sich um eine neue Eskalation des Konflikts handeln könnte, doch am 16. November 2022 gab Polen bekannt, dass das Geschoss wahrscheinlich von der ukrainischen Luftabwehr stammte. Diese Theorie wurde dann auch von Washington bestätigt. © Wojtek Radwanski/Damien Simonart/afp
ein Werk des britischen Straßenkünstlers Banksy auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion
Auch Banksy besuchte die Ukraine inmitten des Krieges. Ein am 17. November 2022 aufgenommenes Foto zeigt ein Werk des britischen Straßenkünstlers auf einer mit Schnee bedeckten Panzerabwehrkonstruktion auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Ukraine sich auf einen Winter des Krieges einstellen wird müssen. © Sergei Supinsky/afp
Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten
Weitere harte Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur. Sogar Kernkraftwerke werden zum Ziel russischer Raketen. Dmitri Schewtschenko, Mitarbeiter von Rosenergoatom, inspiziert einen Tank mit destilliertem Wasser, um den Betrieb des vierten Blocks des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten, der durch Beschuss im Zuge der russischen Militäroperation in der Ukraine in Enerhodar beschädigt wurde. © Alexey Kudenko/imago
Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022
Kleine Momente des Glücks im Wahnsinn des Krieges: Eine Frau spielt Gitarre in einer Kneipe während eines Stromausfalls in Lemberg am 2. Dezember 2022, als die Stadt nach den jüngsten massiven russischen Luftangriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur von einem geplanten Stromausfall betroffen ist. © Yuriy Dyachyshyn/afp
Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine
Für einen Augenblick darf dieses Mädchen einfach Kind sein. Hier trifft sie auf den Heiligen Mykola (Heiliger Nikolaus) am 19. Dezember 2022 in Cherson, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine © Dimitar Dilkoff/afp
Ukraine-Krieg - Jahrestag Kriegsbeginn- Kiew
Ukrainische Soldaten erinnern am 24. Februar 2023 an der Sophienkathedrale in Kiew an den Beginn des Ukraine-Kriegs ein Jahr zuvor. © Kay Nietfeld/dpa
Ukraine-Krieg - Orthodoxe Ostern in Saporischschja
Die kirchlichen Rituale werden in der Ukraine auch im April 2023 befolgt: Orthodoxe christliche Priester und Gläubige bei der Segnung der traditionellen Osterkörbe am Ostersonntag in der St. Nikolaus-Kirche in Saporischschja. © Andriy Andriyenko/dpa
Ukraine-Krieg - Ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes
Ukrainische Soldaten gestikulieren im September 2023 auf ihrem Bradley Fighting Vehicle (BFV) in der Frontstadt Orichiw. Aus ihrem amerikanischen Schützenpanzer berichten sie von schweren Gefechten. Seit Kriegsbeginn stand Orichiw unter ständigem Beschuss der russischen Armee. © Oliver Weiken/dpa
Ukraine-Krieg - Kupjansk
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) wird am 30. November 2023 während eines Besuchs in einem Gefechtsstand an der Front in Kupjansk über die Kriegssituation informiert. © dpa
Lwiw
Auch im Dezember 2023 feiern die Menschen in der Ukraine Weihnachten. In Lwiw besuchen sie den Gottesdienst an Heiligabend und bereiten sich darauf vor, den ersten Weihnachtsfeiertag am 25. Dezember zu feiern.  © Yuriy Dyachyshyn/AFP
Ukraine-Krieg - Charkiw
Ein großer Haufen Trümmer mit Resten von russischen Raketen liegt in der Stadt Charkiw. In den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2024 schlug eine russische Rakete in einem Wohngebiet von Chugugyv ein und tötete eine 67-jährige Frau. © Ximena Borrazas/dpa
Charkiw
Trotz Gesprächen über eine Waffenruhe dauert der Ukraine-Blick auch im Jahr 2025 weiter an. Charkiw steht mehrmals schwer unter russischem Beschuss. Das Kunstwerk „Kreuz des Friedens“ mit einem Kruzifix aus 20.000 Fragmenten russischer Artilleriegeschosse wurde vom amerikanisch-ukrainischen Künstler Sergey Melnikoff (besser bekannt als MFF) und dem ukrainischen Künstler Viktor Belchik geschaffen. © Sergey Bobok/AFP
Ukraine-Krieg - Sumy
Bei einem schweren russischen Luftschlag mit ballistischen Raketen gegen die Stadt Sumy kommen am Palmsonntag 2025 mehr als 30 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Zivilpersonen werden verletzt. Unter den Toten sind auch Kinder. © Evgeniy Maloletka/dpa

Zu dieser Taktik gehörte in der Vergangenheit unter anderem auch Falschnachrichten. So berichtete der staatliche Notfalldienst der Ukraine auf Telegram am 17. April, es hätte Falschmeldungen über eine Evakuierung der Stadt wegen einer „möglichen Einkreisung durch russische Invasoren“ gegeben. „Die Panik wird durch die Aktionen des Feindes absichtlich herbeigeführt, um die Lage im Land zu destabilisieren“, kommentierte Andrii Jusow, ein Vertreter der Hauptdirektion des Geheimdienstes, den Vorfall laut der ukrainischen Nachrichtenseite UNN.

Die Aussicht auf eine russische Vertreibung stößt auf verhältnismäßig wenig Aufregung. Der Bürgermeister von Charkiv, Ihor Terechow, sagte laut The Economist: „Wie kann man eine Stadt wie diese zu einer Grauzone machen? Die Leute werden nicht gehen, weil sie schon einmal gegangen und dann zurückgekehrt sind. Sie sind schon genug gequält worden.“ Seiner Einschätzung nach war die Situation am Anfang des Krieges schlimmer, als nur 300.000 Bewohner der rund zwei Millionen Einwohner blieben.

Anpassung der Bevölkerung in Charkiv: Widerstand schwer durch Russlands Armee zu brechen

Und tatsächlich scheint ein Teil der Bevölkerung in Charkiw sich an die Situation zu adaptieren. So berichtete die Tagesschau beispielsweise von dem ukrainischen Unternehmer Olekij Jewsijukow, der in Solarkraftwerke investierte, um trotz der beschädigten Infrastruktur weiter mit seinen zehn Schneiderinnen arbeiten zu können. Viele junge Menschen hätten sich laut Bericht aktiv dazu entschieden, zu bleiben und Widerstand zu leisten.

Ob das bei einer großen russischen Operation weiterhin so bleibt, ist fraglich. Gegenüber The Economist berichtete die ukrainische Journalistin und frühere Ärztin Iryna Woichuk: „Ich war froh, dort trotz der Gefahren zu leben, aber das änderte sich, als eine Rakete 100 Meter von meiner Wohnung entfernt einschlug.“ Zumindest ist sicher, dass nach der Einschätzung der Bevölkerungszahlen von Bürgermeister Terechow die Zerstörung in Charkiw wohl nur geringe Auswirkungen auf die Fluchtsituation im Westen hätte.

Aktuell ist durch den mittlerweile über zwei Jahre andauernden Ukraine-Krieg etwa ein Vierteil der Stadt zerstört. „Sie werden Charkiw nicht einnehmen können, aber zerstören – vielleicht“, sagte der ukrainische Kommandeur der Spezialaufklärungstruppen, Denys Yaroslawsky, laut The Economist. „Wir würden über etwas in der Größenordnung von Aleppo sprechen.“ (lismah)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ABACAPRESS

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