„Wir müssen uns schützen“

„Situation ist wirklich dramatisch“: Moldau wirft russischen Söldnern versuchten Staatsstreich vor

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Russland griff die Ukraine an - und auch die Republik Moldau fürchtet den Einfluss des Kremls. Moldaus Präsidentin spricht von einem versuchten Wagner-Staatstreich.

Chișinău – Plante die russische Söldnertruppe Wagner einen Staatsstreich in Moldau? Die Regierung der osteuropäischen Republik berichtet über ein entsprechendes Vorhaben. Der Plan habe darin bestanden, Wähler:innen zu bestechen und Proteste gegen die Regierung in Gewalt ausarten zu lassen. Das sagte die moldauische Präsidentin Maia Sandu in einem am Freitag (6. Oktober 2023) erschienenen Interview mit der Financial Times. „Die Situation ist wirklich dramatisch, und wir müssen uns schützen“, sagte Sandu.

„Russland versucht, mit Geld massiv in unsere Wahlen einzugreifen“

„Die Informationen, die wir haben, besagen, dass es sich um einen Plan handelte, der von [Prigozhins] Team ausgearbeitet wurde“, sagte Sandu und fügte hinzu, dass sie regierungsfeindliche Proteste dazu ermutigen wollten, „gewalttätig“ zu werden. So sei Geld von Russland in die zwischen der Ukraine und Rumänien liegende Ex-Sowjetrepublik geschmuggelt worden, teilweise mit Geldkurieren, teils über Bankkonten und -karten aus Dubai. Unklar ist, wann der Staatsstreich geplant war.

Maia Sandu, Präsidentin der Republik Moldau, spricht über Umsturzversuche durch die Wagner-Truppe aus Russland.

Warnungen über einen bevorstehenden Coup hatte es Anfang des Jahres gegeben. Im März hatte die Regierung in Chișinău zudem eigenen Angaben nach einen Wagner-Söldner festnehmen lassen. Sandu mutmaßt, Russland werde „seinen Druck auf Moldau erhöhen. Sie haben es mit Energie versucht und sind gescheitert. Sie versuchten, die Regierung zu stürzen, aber sie scheiterten. Und jetzt versuchen sie, mit viel Geld massiv in unsere Wahlen einzugreifen.“ Die Geheimdienste der Republik Moldau hätten festgestellt, dass mindestens 20 Millionen Euro an russischen Finanzmitteln zu politischen Zwecken ins Land gelangten, und die tatsächliche Zahl liege wahrscheinlich höher, sagte Sandu.

Moldau: EU verhängte Sanktionen gegen prorussischen Oligarchen

Der russische Einfluss in Moldau ist weitreichend. Die EU verhängte im Mai Sanktionen gegen den prorussischen Oligarchen Ilan Shor wegen „Destabilisierung, Untergrabung oder Bedrohung der Souveränität und Unabhängigkeit der Republik Moldau“. Das moldauische Verfassungsgericht hat auch die Shor-Partei für verfassungswidrig erklärt. Sandu bat in dieser Woche die EU, Sanktionen gegen Unternehmen zu verhängen, die mit Shor in Verbindung stehen, mit denen er nach Angaben der Regierung weiterhin Geld in das Land schleust. „Wir können nicht mit den Russen Schach spielen, wenn sie Boxhandschuhe tragen“, begründete Sandu die Maßnahmen. In Moldawien finden nächsten Monat Kommunalwahlen statt, wobei Sandus Regierungspartei in einigen Gebieten unter Druck steht, darunter auch in der Hauptstadt Chișinău. Moldau wurde im Jahr 2022 offizieller Kandidat für die EU, und die Mitgliedsstaaten der Union werden voraussichtlich bis Ende dieses Jahres darüber entscheiden, ob sie formelle Beitrittsverhandlungen aufnehmen.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Die Wagner-Gruppe des verstorbenen Jewgeni Prigoschin hat lange an der Seite der regulären russischen Truppen in der Ukraine gekämpft. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Prigoschin posthum verunglimpft, als er von Granaten und Kokain im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz sprach, was Militärblogger aus Russland als „Farce“ bezeichneten. Der Kreml steht bei Beobachtern im Verdacht, selbst hinter dem Flugzeugabsturz zu stecken.

Rubriklistenbild: © Aurel Obreja/dpa

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