Handgranaten im Flugzeug?

„Eine Farce“: Russische Militärblogger verspotten Putins Kokain-Theorie zu Prigoschin-Tod

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Wladimir Putin spricht über Prigoschins Tod – doch seine Aussagen über Kokain und Handgranaten rufen Unverständnis hervor.

Moskau – Wie kam Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin zu Tode, was führte zu dem Flugzeugabsturz? Wladimir Putin überraschte zuletzt mit Theorien, wonach Kokain und Handgranaten hinter dem Absturz steckten. Prigoschin kam im August ums Leben. Russische Militärblogger haben Putin für dessen Aussagen nun scharf kritisiert. „Sogar der tote Prigoschin wird im Kreml gefürchtet“, schrieb ein Kommentator. Ein anderer nannte Putins Aussagen eine „Farce“ Dass ultranationalistische Blogger in Russland Macht besitzen, zeigte sich zuletzt: Sie stellten Offiziere an den Pranger.

Handgranaten und Kokain: Putin will Prigoschin verunglimpfen

In seiner Rede im Waldai Discussion Club am Donnerstag in Sotschi sprach Putin über den aktuellen Stand der Ermittlungen zum Tod von Prigoschin. Der Machthaber deutete dabei an, dass die Passagiere an Bord des Flugzeugs betrunken und berauscht waren und sich in die Luft sprengten. „In den Körpern der bei der Flugzeugkatastrophe Getöteten sind Fragmente von Handgranaten entdeckt worden“, so Putin. Seine zentrale Aussage war, dass das Flugzeug definitiv nicht auf seinen Befehl hin abgeschossen wurde. „Es gab keine äußeren Einwirkungen auf das Flugzeug“, betonte er. Putin kritisierte außerdem die Ermittelnden, dass sie bei Prigoschin und den neun anderen Opfern des Absturzes keine Alkohol- und Drogentests durchgeführt hätten. Des Weiteren behauptete er, dass nach dem kurzlebigen Aufstand der Söldnergruppe in den Wagner-Büros in St. Petersburg fünf Kilogramm Kokain gefunden worden seien.

Ein Porträt von Jewgeni Prigoschin und Blumen, die zu seinem Gedenken in einem ihm gehörenden Café am Universitetskaya Embankment in St. Petersburg niedergelegt wurden.

In einem Beitrag auf Grey Zone Telegram lautete eine Antwort darauf: „Die Geschichte über die Selbstdetonation [von Granaten] ist lächerlich und eine Farce.“ In dem Beitrag wurde Prigoschin als „Held Großrusslands“ beschrieben. Ein anderer Milblogger sagte, Putins gesamte Rede basiere „auf offenkundig falschen Tatsachen“. Die Äußerungen des russischen Präsidenten seien „das Ergebnis eines Kampfes innerhalb der Elite“.

Handgranaten auf zivilem Flugplatz - Putins Theorie infrage gestellt

Die Handgranaten-Theorie wird von Milbloggern ebenfalls infrage gestellt. „Sie flogen von einem zivilen Flugplatz weg – warum wurden keine Klagen gegen die Flughafenleitung und den Sicherheitsdienst erhoben?“, hieß es laut einem Bericht der Kyiv Post. Ein anderer Blogger beschrieb Putins Kommentare einfach als „absolut schrecklich“.

Das US-amerikanische Institut für Kriegsforschung analysierte, dass Putins Versuche, Prigoschin zu verunglimpfen, nach hinten losgegangen seien. Einige Elemente des russischen Informationsraums seien dazu gedrängt worden, Prigoschins Ruf zu wahren. Weiter hieß es: „Das offensichtliche Bedürfnis des Kremls, weiterhin über Prigoschins Tod zu diskutieren und ihn noch weiter zu verunglimpfen“ sei „bemerkenswert, was darauf hindeutet, dass der Kreml wahrscheinlich eine anhaltende Bedrohung durch Prigoschins Aussagen und seine Haltung zum Krieg wahrnimmt.“ Eine internationale Untersuchung zum Absturz von Prigoschins Privatflugzeug im russischen Gebiet Twer hat Russland abgelehnt. 

Im Krieg in der Ukraine spielte die Gruppe Wagner seit dem Tod ihres Anführers Prigoschin kaum eine Rolle mehr. Nun könnte sich das aber wieder ändern. (cgsc)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Artem Priakhin

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