Vor Landtagswahl im Herbst

AfD legt auch in Bayern zu: Neue Umfrage zeigt enges Rennen mit den Freien Wählern

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Die Freien Wähler holen in einer aktuellen Umfrage die Grünen ein und könnten zweitstärkste Kraft in Bayern werden. Die AfD folgt knapp dahinter. Der Wahlkampf geht in die heiße Phase.

München – Es sind noch rund zwei Monate, bis in Bayern die Landtagswahl stattfindet. Am 8. Oktober entscheidet sich, wer in den 19. Landtag einziehen wird. In den Wochen bis dahin läuft die Hochphase des Wahlkampfs. Es gilt, Unentschlossene von den eigenen politischen Inhalten zu überzeugen. Für alle Parteien kann sich also noch einiges nach oben tun – gleichzeitig aber natürlich auch nach unten.

Umfragen sind im Vorfeld mit Vorsicht zu genießen, immer wieder gibt es am Wahlabend große Überraschungen, mit denen wenige gerechnet haben. Doch je näher das Wahldatum rückt, umso aussagekräftiger werden die Prognosen auch. Das Wahlforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Süddeutschen Zeitung eine Umfrage durchgeführt. Demnach ist die CSU weiter mit Abstand stärkste Kraft in Bayern, sie kommt auf 39 Prozent, verliert damit aber zwei Prozentpunkte im Vergleich mit der Erhebung aus dem April.

Umfrage vor Landtagswahl in Bayern: AfD und Freie Wähler legen deutlich zu

Die Grünen und der Koalitionspartner der CSU, die Freien Wähler, kommen jeweils auf 14 Prozent. Dabei verlieren die Grünen einen Prozentpunkt, die Freien Wähler gewinnen deutlich und legen vier Prozentpunkte zu. Eine Koalition aus CSU und Freien Wählern könnte dementsprechend komfortabel weiterregieren. Ebenfalls zulegen konnte die AfD, die Rechtspopulisten kommen auf 13 Prozent (plus drei). Wer zweitstärkste Kraft hinter der CSU werden wird, ist also noch offen.

Die FDP mit vier Prozent und die Linke mit zwei Prozent würden nicht in den bayerischen Landtag einziehen. Die SPD kommt auf neun Prozent, verliert damit einen Prozentpunkt. Sonstige Parteien kommen gesammelt auf fünf Prozent.

ParteiProzent (Vergleich zu April)
CSU39 (-2)
Freie Wähler14 (+4)
Grüne14 (-1)
AfD13 (+3)
SPD9 (-1)
FDP4
Die Linke2
Sonstige5 (-3)
Quelle: Forsa im Auftrag der Süddeutschen Zeitung

Landtagswahl in Bayern: Freie Wähler im Umfragen gleichauf mit Grünen

Die Alternative für Deutschland erreichte mit den 13 Prozent einen ihrer bisherigen Höchstwerte in Umfragen in Bayern. Bei der Landtagswahl 2018 erreichte sie zehn Prozent. Der Bundestrend geht für die AfD seit Wochen nach oben, im Osten lag die Partei ohnehin schon in einigen Bundesländern jenseits der 20 Prozent, nun werden auch in manchen westdeutschen Ländern Umfragewerte in Richtung der 20-Prozent-Marke registriert.

Ein blaues AfD-Logo, im Vordergrund die Delegierten der Partei auf dem Bundesparteitag in Magdeburg. Laut Umfragen gewinnt die AfD auch in Bayern an Zustimmung.

Die bayerische AfD verweist häufig auf die Freien Wähler, die in Bayern anders als in anderen Bundesländern zahlreiche Wähler auf sich vereinen kann. Die Partei des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger ist in der Forsa-Umfrage klarer Gewinner. Aiwangers Äußerungen bei der Anti-Heizgesetz-Demo in Erding und weitere Aussagen der vergangenen Wochen wurden von Beobachtern teils als rechtspopulistisch gewertet, scheinen den Freien Wählern aber nicht zu schaden.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Für die Grünen ist die aktuelle Umfrage als Dämpfer zu werten. 2018 landete die Partei mit 17,6 Prozent der Stimmen auf dem unangefochtenen zweiten Rang, seitdem sind sie Oppositionsführer im Landtag. Die 14 Prozent in der Forsa-Erhebung passen dabei zum negativen Bundestrend, die Kampagne mit Fokus auf Klimapolitik und soziale Themen scheint bislang nicht recht zu fruchten. Noch vor rund acht Monaten standen die Grünen im Freistaat bei 18 Prozent. Damals kündigte Aiwanger an, dass seine Freien Wähler, die bei rund zehn Prozent standen, die Grünen überholen werden. Vor rund acht Monaten noch ein eher unrealistisches Szenario, das jetzt – zumindest laut dieser Umfrage – gelingen könnte. (fmü)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Imago

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