„Schwierig und lang“

Erfolg der Gegenoffensive im Krieg: Ukraine räumt ein – Fortschritte langsamer „als wir wollen“

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Die Gegenoffensive wird aus Sicht der Ukraine „schwierig und lang“ – wegen des stark verminten Gebietes, aber auch wegen logistischer Probleme, etwa bei den Waffenlieferungen.

Kiew – Die Ukraine-Offensive ist in vollem Gange. Doch die Geländegewinne fallen bislang gering aus. Anfang Juni begannen die ukrainischen Truppen im Süden des Landes mit ihrer Offensive zur Rückeroberung. Der Westen beobachtet die ukrainische Gegenoffensive im Ukraine-Krieg genau.

Bereits vergangene Woche hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Am Mittwoch (19. Juli) äußerte sich der Berater des Chefs des Präsidialamtes der Ukraine ähnlich – und nannte auch logistische Probleme bei Waffenlieferungen als eine der Ursachen für das langsame Vorankommen.

Ukraine-Offensive „lang und schwierig“: Kiew dämpft im Krieg gegen Russland die Erwartungen

Der Westen ließ sich lange Zeit mit Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg. Allein über die Frage der Kampfpanzer diskutierte man über ein Jahr. Das gab Russland die Möglichkeit, Kampfstellungen zu befestigen und ein massives Bollwerk gegen die Offensive der Ukraine zu errichten. Auch der Berater des Chefs des Präsidialamtes der Ukraine, Michailo Podoljak, sieht die starke Verminung als einen der Gründe für die Verzögerung der Ukraine-Offensive, nennt aber auch logistische Probleme etwa bei der Lieferung von Waffen als Ursache.

„Natürlich brauchen wir zusätzliche Fahrzeuge - vor allem 200 bis 300 gepanzerte Fahrzeuge. Wir brauchen 60 bis 80 F-16-Kampfjets, um unseren Luftraum zu verteidigen, vor allem an der Front“, so der Berater am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Kiew geht zudem davon aus, dass die Befreiung der besetzten Gebiete anstrengend und zeitintensiv werde. „Natürlich wird diese Operation ziemlich schwierig und langwierig sein und viel Zeit in Anspruch nehmen“, so Podoljak und räumte ein, dass der Fortschritt langsamer sei, „als wir wollen“.

Finales Urteil über Ukraine-Offensive verfrüht: Gebietsgewinne für Kiews Truppen bei Bachmut

Zuletzt hatte der Sprecher des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte, Andrij Kowalow, bekannt gegeben, dass es gelungen sei, die russischen Truppen aus ihren Stellungen nordöstlich von Orichowo-Wasyliwka an der Bachmut-Front zu vertreiben. Am Mittwoch bescheinigte die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) den Kiews Truppen Erfolge an mindestens drei Frontabschnitten der Ukraine-Offensive, wie aus dem aktuellen Bericht der Kriegsexperten hervorgeht.

Bei den Offensivbewegungen der russischen Truppen, etwa im Bereich der Linie Kupjansk-Swatowe-Kreminna handelt es sich laut ISW-Experten um Entlastungsangriffe Russlands, die ukrainische Streitkräfte beschäftigen und von wichtigen Frontabschnitten abziehen sollen. Militärexperten geben zu bedenken, dass eine Beurteilung des Erfolgs der Ukraine-Offensive zum jetzigen Zeitpunkt aber verfrüht wäre.

Ein ukrainischer Polizist einer Spezialeinheit feuert eine D-30-Kanone auf russische Stellungen an der Frontlinie.

„Es wird lang, es wird hart, es wird blutig“: Ukraine-Offensive „alles andere als ein Misserfolg“

Der breiten Öffentlichkeit ist ein Urteil über die Offensive der Ukraine nicht möglich, da die operativen Ziele der ukrainischen Armee nicht öffentlich bekannt sind. Nur wenn man die Ziele kenne, könne ein Erfolg oder Misserfolg tatsächlich beurteilt werden, mahnt etwa der ehemalige Nato-General Erhard Bühler in seinem wöchentlichen Podcast „Was tun, Herr General?“. Der US-Generalstabschef Mark Milley wies am Dienstag ebenfalls darauf hin, dass es viel zu früh sei, um zu einem Schluss zu kommen, gab aber gleichzeitig an, durchaus Fortschritte in der Gegenoffensive in der Ukraine zu erkennen.

„Das ist alles andere als ein Misserfolg“, so der US-Militär zur aktuellen Situation der Ukraine-Offensive. „Die Ukrainer rücken stetig und zielstrebig vor.“ Das verminte Gebiet nannte der US-Generalstabschefs ebenfalls als einen der Gründe für das jetzige langsame Vorrücken. „Ich denke, es gibt noch viel zu kämpfen, und ich bleibe bei dem, was wir zuvor gesagt haben: Es wird lang, es wird hart, es wird blutig“, bestätigte der Militär die Einschätzung Kiews.

Rubriklistenbild: © dpa/AP | LIBKOS

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