Gespräche in Ungarn

Skepsis in EU zu Trump-Putin-Treffen: Lassen sich die USA von Russland einlullen?

Trump will Putin in Budapest treffen. In der EU gibt es wohl Sorge, dass der Kreml den US-Präsidenten erneut „verspottet“. Das zeigen anonyme Gespräche.

Brüssel – Nach Recherchen des Kyiv Independent herrscht in der EU Skepsis über das geplante Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin in Budapest. Die ukrainische Zeitung beruft sich dabei auf Gespräche mit namentlich nicht genannten EU-Beamten und Diplomaten. Sie beschreiben, wie die Beziehungen zwischen den USA und Russland scheinbar einem wiederkehrendem Muster folgen. Zwar unterstützte die EU jede Bemühung um einen Frieden im Ukraine-Krieg. Dennoch äußerten viele der Befragten Zweifel daran, dass Trump die Interessen der Ukraine wirksam vertritt.

Donald Trump hat ein Treffen mit Wladimir Putin angekündigt

Die USA versuchten offenbar, von den jüngsten diplomatischen Erfolgen im Nahen Osten zu profitieren. „Die Trump-Regierung spürt nach dem Friedensabkommen im Nahen Osten eindeutig einen Aufschwung. Ein echtes Friedensabkommen in der Ukraine wäre für ihn ein sehr großes Ergebnis“, erklärte ein Diplomat in Brüssel.

Trump-Putin Treffen: EU fordert gerechten Frieden im Ukraine-Krieg

Die Position der EU für das Treffen ist klar. „Europa hat sich bereit gezeigt, der Ukraine beizustehen und deutlich zu machen, dass wir keinen ungerechten Frieden akzeptieren können. Daher besteht der einzige Weg darin, Russland zu einem Kompromiss zu drängen – und ich denke, Washington ist sich dessen bewusst“, so eine der Quellen. Laut dem Kyiv Independent sind die Diplomaten in Brüssel der Meinung, dass die Ukraine derzeit eine stärkere Position bei Trump innehat als noch zu Beginn des Jahres.

Die Ukraine zeigt sich zunehmend sicher, der russischen Aggression standzuhalten und mit Drohnen tief in die russische Ölinfrastruktur eindringen zu können. Die Aussicht, dass Trump das genauso sehe und die Ukraine beispielsweise mit Tomahawks unterstützen könnte, übt Druck auf Putin aus. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nur deswegen suche dieser jetzt das Gespräch mit Trump.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Treffen in Budapest: EU-Beamter sagt, Putin „verspottet Trump und die USA“

Einige EU-Beamte stimmte die Meldung über das geplante Gespräche deswegen pessimistisch. „Aus Sicht des Kremls muss das ein Vergnügen sein: Immer wenn der Druck steigt, ruft Putin als Freund an, um die Lage zu beruhigen – zweifellos wird das wieder funktionieren“, sagte ein EU-Beamter dem Kyiv Independent. „Aber am nächsten Tag wird er die Ukraine wie nie zuvor bombardieren und weiterhin seine Drohnen schicken, um seinen Krieg gegen uns zu führen – er verspottet Trump und die USA immer wieder aufs Neue.“

In der EU verweisen viele auf das Treffen in Alaska zwischen den USA und Russland, das keine greifbaren Ergebnisse für den Frieden im Ukraine-Krieg brachte. Außerdem sorgen sich einige Diplomaten um Trumps Unberechenbarkeit. „Das fühlt sich an wie in ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ – ein einziger Anruf, und all die mühsame Arbeit, Präsident Trump wieder auf die richtige Seite zu bringen, scheint schon wieder ins Wanken zu geraten“, stellte ein anderer Beamter fest.

Donald Trump will Putin in Budapest treffen, EU erfuhr erst auf Social Media davon

Der US-Präsident kündigte das Treffen zwischen ihm und Putin am Donnerstagabend (16. Oktober) über seine Social-Media-Plattform Truth Social an. Ziel des Treffens sei es zu besprechen, „ob wir diesen unrühmlichen Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden können“. Zuvor hatte Trump mit dem russischen Präsidenten telefoniert. Dabei ist es laut der Tagesschau auch um die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Russland nach dem Ende des Ukraine-Krieges gegangen. Außerdem hat Trump Putin gefragt, was er von einer Lieferung von Tomahawks halte. Das Treffen soll wohl in der ungarischen Hauptstadt Budapest stattfinden.

Am Freitag, 17. Oktober, traf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Washington ein. Er reagierte auf diese Ankündigung der Plattform X: „Wir sehen bereits, dass Moskau sich beeilte, den Dialog zu erneuern, sobald es von den ‚Tomahawk‘ hörte“. Selenskyj und seine Gesandten haben zuvor versucht, die USA zur Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörpern zu bewegen. Die Marschflugkörper haben eine hohe Reichweite und würden die Ukraine in die Lage versetzten, empfindliche russische Infrastruktur weit im Landesinneren zu treffen.

Eine Quelle aus dem Büro des ukrainischen Präsidenten berichtete dem Kyiv Independent, dass Brüssel erst aus den sozialen Medien von dem Treffen zwischen Trump und Putin auf EU-Gebiet erfuhr. „Trump fragt (offensichtlich) nicht nach der Meinung (Brüssels)“, sagte die Quelle.

Ist das Treffen zwischen Putin und Trump in Ungarn rechtlich möglich?

Sollte das Treffen zwischen Trump und Putin tatsächlich auf ungarischem Staatsgebiet stattfinden, könnte das rechtliche Probleme nach sich ziehen. Gegen Putin liegt ein internationaler Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen Kriegsverbrechen vor. Auch Ungarn erkennt die Gerichtsbarkeit des IStGH an, hat aber im Juni der UN offiziell seine Absicht mitgeteilt, bis Mitte 2026 aus dem Vertrag des IStGH auszutreten. Sollte das Treffen in diesem Jahr stattfinden, wäre Ungarn weiterhin an den Haftbefehl gebunden, was Budapest in Konflikt mit seinen Verpflichtungen bringen und die Wirksamkeit des IStGH als Institution infrage stellen würde, schreibt der Kyiv Independent. (Quellen: Kyiv Independent, Tagesschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung) (cdz)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Jae C. Hong

Kommentare