26 Missbrauchsvorwürfe gegen Donald Trump - doch nur einer landet jetzt vor Gericht
VonStephanie Munk
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Hat Donald Trump vor 30 Jahren eine Frau in einer Umkleide vergewaltigt? In New York wird der Fall jetzt verhandelt. Der Prozess ist ein Signal an andere Opfer.
New York City - Insgesamt 26 Frauen werfen Ex-US-Präsident Donald Trump sexuelle Belästigung vor. Der Republikaner wies sämtliche Anschuldigungen zurück und drohte seinerseits, die Frauen zu verklagen. Doch eine schaffte es mit ihrer Klage vors Gericht: Es ist die US-Autorin E. Jean Carroll. Sie wirft Trump vor, dass er sie vor beinahe 30 Jahren in einer Umkleidekabine vergewaltigt hat.
Am Dienstag (25. April) startete der Prozess im New York - ohne Beisein von Trump. Dass der 76-Jährige nach dem Prozess im Gefängnis landet, ist aber ausgeschlossen. Denn der Fall wird nicht vor einem Strafgericht, sondern einem Zivilgericht verhandelt, und das bedeutet nicht nur in den USA, dass es bestenfalls um Schadensersatzzahlungen geht. Welche Summe Carroll fordert, ist nicht bekannt.
Trump vergewaltigte Carroll angeblich in einem Kaufhaus
Trump habe sie Mitte der 90er Jahre in der Umkleidekabine eines Luxus-Kaufhauses in New York vergewaltigt, behauptet Carroll. Der damals Mitte Vierzigjährige sei mit dem Vorwand auf sie zugekommen, dass er Rat beim Kauf von Damenunterwäsche brauche. „In dem Moment, in dem sie in der Umkleidekabine waren, änderte sich alles“, sagte Carrolls Anwalt Shawn Crowley vor Gericht. Laut einem Bericht von CNN habe Trump sich auf die Frau gestürzt, sie gegen die Wand gedrückt und ihr die Strumpfhose heruntergezogen, um sie dann zu vergewaltigen.
Trumps Anwalt Joe Tacopina hielt dagegen, dass es keine Beweise für den Übergriff gebe. Carroll, die lange Jahre für das Magazin Elle arbeite und früher auch Fernsehmoderatorin war, missbrauche „das System für Geld, aus politischen Gründen und für ihren Status“. Trump hatte versucht, den Prozess in letzter Sekunde zu verhindern, indem er Bereitschaft zeigte, eine DNA-Probe von ihm mit Proben des Kleids abzugleichen, das Carroll damals getragen hatte - erfolglos.
Vergewaltigng durch Trump? Erst mit der #MeToo-Bewegung brach E. Jean Carroll ihr Schweigen
Carroll hatte damals laut CNN lediglich zwei Freundinnen davon erzählt, war aber nicht zur Polizei gegangen. Erst im Zuge der #MeToo-Bewegung, als zahlreiche Frauen über die sozialen Medien Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung schilderten, schrieb die Kolumnistin über den angeblichen Vorfall im New York Magazine. Trump wies den Vorwurf von sich - mit dem Hinweis, Carroll sei „nicht sein Typ“.
Auch wenn Trump keine Haftstrafe erwarte, sei der Fall überaus bedeutsam, erklärte die US-amerikanische Jura-Professorin Deborah Tuerkheimer dem US-Magazin Vice. Der Prozess sei eine Art Test: Schafft es eine Frau, vor Gericht zu beweisen, dass sie von einem der mächtigsten Männer der Welt vergewaltigt wurde? Oder scheitert sie damit - und ihr Ruf ist für immer dahin? Beide Varianten könnten mächtige Signale an andere Opfer sexueller Gewalt aussenden, so die Professorin: Schweigen sie oder wagen sie ebenfalls den Schritt in die Öffentlichkeit?
Eine Aktivistin für Opfer sexueller Übergriffe sagte Vice, es sei eine Schlammschlacht gegen E. Jean Carroll während des Prozesses zu erwarten. „Die Leute werden schädliche, giftige, ekelhafte Dinge über E. Jean sagen“, wird sie zitiert.
Gerichtsprozess gegen Trump wegen „Adult Survivors Act“ möglich
Carrolls Anzeige kann nach all den Jahren nur vor Gericht verhandelt werden, weil der Staat New York 2022 den sogenannten „Adult Survivors Act“ verabschiedete. Er schafft die Möglichkeit für Opfer sexuellen Missbrauchs, die Täter innerhalb eines Zeitfensters von einem Jahr zu verklagen. Auch, wenn der Fall eigentlich schon verjährt ist.
Trump war bereits im Oktober von Carrolls Anwältin unter Eid befragt worden. Dabei unterlief dem 76-Jährigen ein peinlicher Fehler: Als Trump ein Foto von Carroll aus den 1990er Jahren gezeigt wurde, dachte er, es handle sich um seine Ex-Frau Marla Maples.
Carrolls Anwältin könnte das vor Gericht verwenden, um Trumps frühere Aussage in Zweifel zu ziehen, die Kolumnistin sei nicht sein „Typ“ - schließlich hatte er sie mit einer Frau verwechselt, mit der er zwischen 1993 und 1999 verheiratet war.
Donald Trumps Skandale, Fehltritte und Eklats in der Übersicht
Trump muss sich wegen diverser Vorwürfe vor Gericht verantworten
Der jetzt verhandelte Fall ist nicht die erste Klage gegen Trump: Erst vor knapp einem Monat war er wegen einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels als erster Ex-US-Präsident der Geschichte angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan wirft ihm zudem eine Fälschung von Geschäftsunterlagen in 34 Fällen vor.
Die Liste der Vorwürfe geht noch weiter: Ermittlungen gegen Trump gibt es auch wegen der Kapitol-Erstürmung durch radikale Trump-Anhänger am 6. Januar 2021, wegen der Mitnahme von Geheimdokumenten aus dem Weißen Haus zum Ende seiner Amtszeit und wegen der mutmaßlichen Einflussnahme auf Wahlverantwortliche im Bundesstaat Georgia nach der Präsidentschaftswahl 2020.
Neben all seiner juristischen Probleme findet Trump aber noch Zeit, sich zur Entlassung des berühmten Fox News-Moderators Tucker Carlson zu äußern. „Er ist ein sehr guter Mensch und ein sehr guter Mann“, sagte er über Carlson, der oft rassistische und frauenverachtende Kommentare verbreitete. (smu mit Material von dpa)