Der ehemalige US-Präsident Donald Trump am 1. Juni 2023 in Des Moines. Eine weitere Anklage gegen Trump scheint Medienberichten zufolge näherzurücken (Archivbild).
Trump ist bereits der erste Ex-Präsident in der Geschichte der USA, gegen den Anklage erhoben wurde. In Kürze könnte eine weitere Klage in der Affäre um Geheimdokumente hinzukommen.
Washington, DC - Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat zahlreiche juristische Probleme. Wegen der im vergangenen Jahr in seinem Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida beschlagnahmten Geheimdokumente könnte ihm nun eine weitere Anklage drohen. Die New York Times und andere US-Medien berichteten übereinstimmend, Sonderermittler Jack Smith habe Trumps Anwaltsteam wissen lassen, dass der Ex-Präsident persönlich Ziel ihrer Ermittlungen sei. Dies gilt Beobachtern als mögliche Vorstufe einer Anklageerhebung.
Ermittlungen gegen Trump in Geheimunterlagen-Affäre: Anklage könnte folgen
Eine FBI-Razzia bei einem ehemaligen US-Präsidenten war bislang einmalig in der Geschichte der USA. Die vergangenes Jahr in Trumps Privatanwesen gefundenen Geheimunterlagen enthielten unter anderem Informationen über China und zu Irans Raketenprogramm. Nach dem Presidential Records Act genannten US-Gesetz müssen alle Dokumente, die von einem Präsidenten erstellt oder an ihn geschickt werden, im Nationalarchiv aufbewahrt werden. Für Geheimunterlagen gilt zudem ein Spionagegesetz.
Im November setzte Justizminister Merrick Garland Jack Smith als Sonderermittler ein. Smith prüft auch die Vorwürfe gegen Trump bezüglich des Sturms auf das US-Kapitol im Januar 2021. Wann genau das Büro des Sonderermittlers Trumps Anwälte darüber unterrichteten, dass der republikanische Politiker Ziel strafrechtlicher Ermittlungen ist, war zunächst nicht bekannt. Die Zeitung New York Times berichtete am Mittwochabend (7. Juni) erstmals darüber. Eine solche Benachrichtigung gehe häufig einer Anklageerhebung voraus, hieß es in dem Bericht weiter.
Steuerbetrug, sexueller Missbrauch, Wahlmanipulation: Trumps zahlreiche juristische Probleme
Die erste FBI-Durchsuchung bei einem Ex-Präsidenten ist nicht das einzige Novum in der US-Geschichte in Verbindung mit Trump. Der Republikaner ist auch der erste ehemalige Präsident in der Geschichte des Landes, gegen den eine Anklage erhoben wurde. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan klagte den Politiker wegen einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels vor der Präsidentschaftswahl 2016 an. Der Prozessauftakt ist für das Frühjahr des kommenden Jahres vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der ehemalige US-Präsident mitten im Vorwahlkampf der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur 2024.
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Es ist nicht das einzige juristische Problem des Ex-Präsidenten. In einem anderen Prozess in New York befand eine Jury Trumps Immobilienkonzern Ende vergangenen Jahres wegen Steuerbetrugs für schuldig. Der Richter verhängte die Höchststrafe. Weitere Ermittlungen in anderer Sache laufen gegen den erneuten Präsidentschaftskandidaten im Bundesstaat Georgia. Im Zivilprozess wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung der Journalistin E. Jean Carroll verurteilten die Richter Trump im Mai zu fünf Millionen Dollar Schmerzensgeld und Schadenersatz.
Der jüngsten Umfrage zufolge liegt Trump mit 49 Prozent weit vor seinem stärksten innerparteilichen Konkurrenten Ron DeSantis (19 Prozent). Der ehemalige republikanische Vize-Präsident Mike Pence, zu dem Trump mittlerweile ein angespanntes Verhältnis hat, kommt lediglich auf fünf Prozent, wie die Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos und der Nachrichtenagentur Reuters im Mai ergab. Im direkten Rennen Trump gegen Joe Biden hätte der amtierende demokratische Präsident einen leichten Vorsprung von vier Prozentpunkten vor dem Republikaner. (Bettina Menzel)