Palmer-Knall in Baden-Württemberg? Özdemirs Kabinett beunruhigt Grünen-Spitze – „Würde er nicht tun“
VonGregor-José Moser
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Cem Özdemir muss nach dem Sieg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sein Kabinett bilden. Ein Name fällt dabei immer häufiger: Boris Palmer.
Nach der Landtagswahl Baden-Württemberg liegt der Auftrag zur Regierungsbildung bei den Grünen – das hatte am Wahlabend sogar die konkurrierende CDU eingeräumt. Längst sind Spekulationen darüber entbrannt, wen der wahrscheinlich künftige Ministerpräsident Cem Özdemir in sein Kabinett berufen könnte. Im Rennen ist kurioserweise auch der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der 2023 aus der Partei ausgetreten war.
Palmer selbst, der in der Vergangenheit unter anderem mit rassistischen Äußerungen aufgefallen war, heizt die Gerüchte über einen möglichen Wechsel in die Landespolitik weiter an. Für die Grünen gehe es jetzt in erster Linie darum, Vertrauen zur „tief verletzten“ CDU aufzubauen, um eine Fortsetzung der Koalition zu organisieren, sagte der parteilose Politiker der Südwest Presse. Dabei könne er helfen, fügte er hinzu.
Nach BW-Landtagswahl 2026: Palmer offen für Ministerposten – Özdemir zurückhaltend
„Von den prominenten politischen Personen im Land bin ich sicherlich jemand, der an der Schnittstelle von Grünen und Schwarzen mit die größten Kompetenzwerte hat“, so Palmer. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, nochmal etwas anderes zu machen, sagte Palmer: „Wenn Sie mich so offen fragen: Ja, ich bin 53 und kann mir durchaus vorstellen, beruflich auch noch andere Aufgaben zu übernehmen“, so Palmer, der seit 2007 Rathauschef in Tübingen ist.
Palmer und Özdemir sind befreundet. Im Wahlkampf traten sie teilweise zusammen auf – unter anderem, als Palmer den Grünen-Politiker und seine Frau im Tübinger Rathaus traute. Die Spekulationen über einen möglichen Ministerposten für Palmer kommentierte Özdemir mit den Worten, aktuell verteile man keine Ämter. Vor der Wahl hatte Özdemir allerdings betont, wer sich selbst ins Spiel bringe, werde unter ihm kein Ministeramt bekommen.
Boris Palmer: Der polarisierende Oberbürgermeister der Stadt Tübingen
Die Grüne Jugend hatte Özdemir dazu aufgerufen, sich von Palmer zu distanzieren. Berichten nach sollen Mitglieder der Grünen Jugend den Tübinger Oberbürgermeister auf der Wahlparty zum Gehen aufgefordert haben, da er Özdemir schaden würde.
Grünen-Fraktionschefin Dröge glaubt nach BW-Landtagswahl 2026 nicht an Ministerposten für Palmer
Wird Özdemir Palmer nun in sein Kabinett holen? Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, geht nicht davon aus. „Ich glaube, das würde er nicht tun“, sagte Dröge dem Nachrichtenportal t-online. Sie sei sich sicher, dass Özdemir sein Kabinett vielfältig aufstelle. „Dazu gehört aber auch, dass das Kabinett breit von der Partei unterstützt und getragen ist.“ Özdemir werde da einen Weg finden, so Dröge.
Während Dröge zum linken Flügel der Grünen zählt, gilt Özdemir als Realo. Schon vor, aber besonders im Wahlkampf vertrat er teils konservative Standpunkte – etwa in der Migrationspolitik. Dennoch lobt Dröge Özdemir in den höchsten Tönen. Dieser habe einen Stil geprägt, der für alle Grünen vorbildlich sei.
„Er ist mit einer gewissen Leichtigkeit und Optimismus in diesen Wahlkampf gegangen. Er konnte den Leuten glaubhaft vermitteln, sich in erster Linie für sie und nicht für seine Partei zu interessieren. Daraus können wir auch auf Bundesebene lernen“, findet Dröge. (Quellen: dpa, t-online, Südwest Presse) (grmo)