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Folgt auf den Ukraine-Krieg eine Hungerkrise? Wladimir Putin blockiert die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine. Doch es gibt mehrere Auswege aus der Lage.
Kiew – Bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs galt das Land von Präsident Wolodymyr Selenskyj als Getreidespeicher des europäischen Kontinents, doch seit Wladimir Putin das Land vor mehr als drei Monaten überfallen hat, ist alles anders. Nicht nur in Deutschland sind die Auswirkungen auf die Getreidepreise spürbar: Weltweit klettern die Mehlpreise in die Höhe und sorgen für eine Verschärfung auf dem Weltmarkt. Während hierzulande die Preise zwar ärgerlich für die Verbraucher sind, droht beispielsweise in Afrika eine Zuspitzung der humanitären Katastrophe. Doch es gibt auch Auswege aus der Situation in der Ukraine.
Hungerkrise durch Wladimir Putin: Getreide-Exporte aus der Ukraine stocken
Seit Jahren ist insbesondere Ostafrika von Dürren geplagt und Millionen Menschen leiden akut an Mangelernährungen. Wenn nun sich die Verfügbarkeit bei Getreide weiter zuspitzt, sind ärmere Länder besonders betroffen. Die Folge könnten eine Ausweitung der Hungerkrise oder eine weitere Fluchtbewegung sein. Gegenwärtig wird durch die fehlenden Exporte aus der Ukraine eine verschärfte Lage auch in Asien befürchtet. Die Welt ist in einem Dilemma: Zwar gibt es in der Ukraine trotz des Kriegs weiter viel Getreide, allerdings können die Güter wegen der Blockade der Häfen durch russische Soldaten nicht mehr ausgeführt werden: Wladimir Putin kontrolliert also die ukrainischen Exporte.
Angesichts der drohenden Lage weltweit ist die Ukraine derzeit auf andere Exportwege angewiesen und sucht Ausweichrouten. Eine Möglichkeit könnte die Ausfuhr per Zug sein. Seit Beginn des Krieges sind die Weltmarktpreise etwa für Weizen stark gestiegen. Das an sich wäre schon Problem genug, doch Lebensmittel würden auch knapp, sagte David Beasley, der Chef des UN-Welternährungsprogramms, laut Deutscher Presse-Agentur. Um die knapp 25 Millionen Tonnen Getreide, die derzeit nach Schätzungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in der Ukraine verfügbar sind, außer Landes zu schaffen, will nun auch die Deutsche Bahn helfen. Das berichtete auch die Deutsche Welle.
Getreide aus der Ukraine: DB Cargo will Export über Landweg ermöglichen
Demnach will das Tochterunternehmen DB-Cargo die Exporte aus der Ukraine per Schiene ausweiten. Sigrid Nikutta, Chefin der Gütertochterfirma, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wir tun alles, was wir als Unternehmen aus sozialer Verantwortung heraus tun können.“ Angesichts der drohenden Hungersnot in Teilen der Welt und des enormen Bedarfs, Millionen von Tonnen ukrainisches Getreide in die Welt zu exportieren, werde ihr Unternehmen in Abstimmung mit dem Bund weitere Aufträge und Zugfahrten organisieren. Ziel seien tragfähige Verbindungen bis an die Seehäfen der Nordsee und des Schwarz- und Mittelmeeres.
Getreide aus der Ukraine versorgt 400 Millionen Menschen – Ukraine-Krieg führt zu humanitärer Katastrophe
Das Engagement der DB-Tochter könnte dazu beitragen, dass sich die humanitäre Katastrophe noch abwenden lassen könnte. Wie Beasley erklärte, würde das Getreide der Ukraine alleine dazu beitragen, dass 400 Millionen Menschen versorgt werden können. Die jetzigen Verzögerungen fallen indes in eine denkbar ungünstige Zeit, da andere Länder, die den weltweiten Getreidebedarf decken, selbst Probleme haben. Wegen starker Regenfälle verzögerte sich die Aussaat in China. Das Land gilt als größter Weizenproduzent der Welt.
Doch auch in anderen Ländern stockt der Weizenanbau. In Indien herrscht eine Hitzewelle. Im amerikanischen Korngürtel hat es zu wenig geregnet. Auch in Vietnam mache der Klimawandel durch steigende Meeresspiegel Probleme. Das Getreide-Thema wird derzeit auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert. Die drohende Hungerkrise war unter anderem auch Thema auf Olaf Scholz‘ ersten Afrika-Reise.
Getreide aus der Ukraine: Exporte gehen in die ganze Welt – Ukraine-Krieg hat deutliche Auswirkungen
Während ein Großteil des ukrainischen Getreides traditionell über die Schwarzmeerhäfen des Landes verschifft wird und von dort im vergangenen Jahr etwa nach Ägypten, Tunesien und Marokko, nach Äthiopien, in den Jemen und den Libanon, nach Indonesien, Pakistan und Bangladesch gebracht wurde, erklärt die russische Regierung jüngst, die Getreidelieferungen nicht zu blockieren. Das Problem, auf das die Weltgemeinschaft aktuell zusteuert, sei von Westen selbst gemacht und werde von den Sanktionen hervorgerufen.
Russland hindere die Ukraine nicht daran, Getreide etwa mit der Bahn in Richtung Polen auszufahren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Und was den Transport auf dem Seeweg betrifft, so sind wir nicht die Ursache des Problems.“ Die Führung des Kremls um Präsident Wladimir Putin, auf den wohl ein Attentat verübt wurde, pocht dennoch weiter auf eine Lockerung der westlichen Sanktionen, die unter anderem auch Putins Oligarchen seit Monaten schwer treffen. Vize-Außenminister Andrej Rudenko forderte am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge eine Aufhebung der Strafmaßnahmen. Zudem müsse die Ukraine alle Häfen entminen, forderte er. Russland sei dann bereit, eine „humanitäre Durchfahrt“ zu sichern.
Wladimir Putin zur drohenden Hungerkrise: Russland sei bereit, Lieferungen zu ermöglichen
Und auch Putin selbst hat sich zu der drohenden Hungerkrise geäußert. Russland sei bereit, durch den Transport von Getreide und Dünger einen großen Beitrag zu leisten für die Überwindung der Lebensmittelkrise – „unter der Bedingung eines Endes der politisch motivierten Beschränkungen seitens des Westens“. Das sagte Russlands Präsident am Donnerstag in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi. Seit Wochen wird indes vermutet, dass Putin an Krebs erkrankt sein könnte.
Zuvor hatte die Ukraine Russland Erpressung vorgeworfen und den Westen aufgefordert, die wegen Moskaus Angriffskrieg erlassenen Sanktionen unter keinen Umständen aufzuheben. Kiew wirft Russland vor, die Schwarzmeer-Häfen mit Kriegsschiffen zu blockieren und so die für die Welternährung wichtige Weizenausfuhr zu verhindern. Derweil wird weiterhin ausgeschlossen, dass Putin im Ukraine-Krieg Atomwaffen einsetzen könnte. (Mit Material der dpa)
