Nahe Putins Wohnsitz

Fauxpas im Staats-TV: Russischer Sender offenbart geheime Militärinfos

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Das russische Staatsfernsehen präsentiert stolz Flugabwehrstellungen um Moskau – und liefert der Ukraine damit unfreiwillig wertvolle Informationen.

Moskau – Ein Propaganda-Beitrag eines russischen Staatssenders könnte für Wladimir Putins Truppen im Ukraine-Krieg gewaltig nach hinten losgehen: Rossija-1 berichtete ausführlich über den Ausbau der Luftabwehr rund um Moskau. Kiew dürfte sich freuen. Die Aufnahmen beinhalteten wertvolle Informationen über Russlands Flugabwehrstellungen.

Der russische Staatssender „Rossija 1“ präsentiert in Flugabwehrstellungen um Moskau – und liefert der Ukraine unfreiwillig wertvolle Informationen.

Peinlicher Fauxpas im TV: Staatssender offenbart geheime Militärinformationen

Die neu installierten Wehrtürme sollen offenbar als Maßnahme gegen die zunehmenden Angriffe ukrainischer Kamikaze-Drohnen auf die russische Hauptstadt dienen. Wolodymyr Selenskyjs Streitkräfte setzen Berichten zufolge inzwischen auch erfolgreich Pappkarton-Drohnen ein, um russische Kampfjets zu zerstören. Der Fernsehbericht zeigt nun: Zwei Geschütze vom Typ Pantsir S-1 wurden offenbar in einer seit Juni im Bau befindlichen Anlage westlich von Moskau in Stellung gebracht – der Beitrag liefert unfreiwillig sogar ziemlich genaue Ortsangaben, wie der Journalist Mark Krutow vom US-Angebot Radio Free Europe dokumentierte.

„Weniger als 120 Kilometer von Putins Wohnsitz entfernt“: TV-Beitrag enttarnt russische Abwehrstellungen

Die vordergründig Sicherheit suggeriende Sendung über die Flugabwehrtürme könnte sich für die Putin-Regierung damit als ausgesprochen unglücklicher Schachzug erweisen. Krutow, der die Entwicklungen im Ukraine-Krieg auf der Plattform X beleuchtet, hat auch die Luftabwehr in Moskau im Blick. Anhand der Aufnahmen von Rossija-1 konnte der Journalist die Anzahl und Position der Flugabwehrgeschütze offenbar recht genau bestimmen.

Besonders bemerkenswert: Die Position eines der Pantsir S-1 Geschütze westlich von Moskau. Der Journalist lokalisierte es anhand eines markanten Turms. „Diese Position liegt weniger als zehn Kilometer von Putins Wohnsitz in Nowo-Ogarjowo entfernt, kein Wunder also, dass sie sie für eine Propaganda-Show ausgewählt haben“, erklärte Krutow.

Ukraine-Krieg reicht jetzt bis nach Moskau: Fotos zeigen den Schaden durch Drohnen-Angriffe

Mehrere Wohngebäude werden geringfügig beschädigt, zwei Menschen leicht verletzt.
Am frühen Dienstagmorgen meldete die russische Hauptstadt verschiedene Drohnenangriffe. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück.
Russlands Verteidigungsministerium machte die Ukraine dafür verantwortlich und spricht von „Terror“. Die Führung in Kiew weist die Beschuldigungen zurück. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock.
Mitarbeiter des Rettungsdienstes nach einem gemeldeten Drohnenangriff in Moskau, Russland, vor einem Wohnblock. © IMAGO/Aleksey Nikolskyi/SNA
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.
„Heute Morgen hat das Kiewer Regime einen Terrorakt mit unbemannten Flugkörpern auf Objekte der Stadt Moskau verübt“, hieß es vom russischen Militär.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte die eigene Flugabwehr. Insgesamt seien acht Drohnen zerstört worden. © Tass/IMAGO/Vitaly Smolnikov
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab.
Nach den Drohnen-Angriffen sperrten Sicherheitskräfte die Gegend ab. © IMAGO/Denis Bocharov
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen.
In sozialen Netzwerken hingegen vermuten viele, dass in Wirklichkeit viel mehr der kleinen Apparate - die optisch etwas wie Mini-Flugzeuge aussehen - auf Moskau zuflogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.
Seit Wochen schon häufen sich Attacken auch in Russland - meist jedoch in der unmittelbaren Grenzregion zur Ukraine und nicht auf zivile Objekte.  © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen.
Es war aber nicht das erste Mal seit Beginn des Kriegs vor mehr als 15 Monaten, dass Drohnen bis in die Hauptstadt flogen. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder.
Erst Anfang Mai wurden zwei Flugkörper unmittelbar über dem Kreml abgefangen. Das brachte spektakuläre Bilder. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause.
Damals wurde aus Sicht der Moskauer aber nicht das Dach des eigenen Gebäudes getroffen, sondern der Amtssitz von Präsident Wladimir Putin - und der war zum besagten Zeitpunkt nicht zuhause. © IMAGO/Alexander Zemlianichenko Jr/Xinhua
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über.
Nun aber ist die Verunsicherung in der Riesenmetropole mit mehr als 13 Millionen Einwohnern groß. Die sozialen Netzwerke quellen über. © IMAGO/Vitaly Smolnikov/Tass

Pantsir-Geschütze dürften Russland helfen - der TV-Bericht darüber der Ukraine

In jüngster Zeit sieht sich Moskau regelmäßig den Angriffen von langsam und tief fliegenden Geschossen ausgesetzt. Auch mit der modifizierten Anti-Schiffsrakete Neptun soll die Ukraine Moskau im Visier haben. Die russische Flugabwehr hatte bislang wenig wirksame Mittel um diese Angriffen abzuwehren.

Trotz der unfreiwillig veröffentlichten strategischen Information werden die von Russland installierten konventionellen Abwehrtürme wohl ihre Wirkung zunächst nicht verfehlen. Pantsir-Geschütze können mit einem erweiterten Radar auch tiefer fliegende ukrainische Drohnen erkennen und abwehren, wie der Schweizer Militär-Blogger Bunkerhunter erklärte.

Am Dienstagmorgen (5. September) wurden bereits Drohnen im Südwesten, Westen und Nordwesten der Hauptstadt von russischen Luftabwehrsystemen abgefangen, wie unter anderen die dpa berichtete. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, dass die Luftabwehr „Drohnen zerstört hat, die versucht haben, Moskau anzugreifen“.

Rubriklistenbild: © Screenshot/Twitter/@GlasnostGone

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