VonUlrike Hagenschließen
Das russische Staatsfernsehen präsentiert stolz Flugabwehrstellungen um Moskau – und liefert der Ukraine damit unfreiwillig wertvolle Informationen.
Moskau – Ein Propaganda-Beitrag eines russischen Staatssenders könnte für Wladimir Putins Truppen im Ukraine-Krieg gewaltig nach hinten losgehen: Rossija-1 berichtete ausführlich über den Ausbau der Luftabwehr rund um Moskau. Kiew dürfte sich freuen. Die Aufnahmen beinhalteten wertvolle Informationen über Russlands Flugabwehrstellungen.
Peinlicher Fauxpas im TV: Staatssender offenbart geheime Militärinformationen
Die neu installierten Wehrtürme sollen offenbar als Maßnahme gegen die zunehmenden Angriffe ukrainischer Kamikaze-Drohnen auf die russische Hauptstadt dienen. Wolodymyr Selenskyjs Streitkräfte setzen Berichten zufolge inzwischen auch erfolgreich Pappkarton-Drohnen ein, um russische Kampfjets zu zerstören. Der Fernsehbericht zeigt nun: Zwei Geschütze vom Typ Pantsir S-1 wurden offenbar in einer seit Juni im Bau befindlichen Anlage westlich von Moskau in Stellung gebracht – der Beitrag liefert unfreiwillig sogar ziemlich genaue Ortsangaben, wie der Journalist Mark Krutow vom US-Angebot Radio Free Europe dokumentierte.
Quick 🧵Together with @pustota we geolocated 'Pantsir S-1' AD systems, shown on Sunday by еру Russian state TV. It's actually a position known since January, but now they 'improved' it. 55.719641, 37.055295 @GeoConfirmed Reference image: https://t.co/ABkC48Tfqn pic.twitter.com/pQ9rjWGoYN
— Mark Krutov (@kromark) September 4, 2023
„Weniger als 120 Kilometer von Putins Wohnsitz entfernt“: TV-Beitrag enttarnt russische Abwehrstellungen
Die vordergründig Sicherheit suggeriende Sendung über die Flugabwehrtürme könnte sich für die Putin-Regierung damit als ausgesprochen unglücklicher Schachzug erweisen. Krutow, der die Entwicklungen im Ukraine-Krieg auf der Plattform X beleuchtet, hat auch die Luftabwehr in Moskau im Blick. Anhand der Aufnahmen von Rossija-1 konnte der Journalist die Anzahl und Position der Flugabwehrgeschütze offenbar recht genau bestimmen.
Besonders bemerkenswert: Die Position eines der Pantsir S-1 Geschütze westlich von Moskau. Der Journalist lokalisierte es anhand eines markanten Turms. „Diese Position liegt weniger als zehn Kilometer von Putins Wohnsitz in Nowo-Ogarjowo entfernt, kein Wunder also, dass sie sie für eine Propaganda-Show ausgewählt haben“, erklärte Krutow.
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Pantsir-Geschütze dürften Russland helfen - der TV-Bericht darüber der Ukraine
In jüngster Zeit sieht sich Moskau regelmäßig den Angriffen von langsam und tief fliegenden Geschossen ausgesetzt. Auch mit der modifizierten Anti-Schiffsrakete Neptun soll die Ukraine Moskau im Visier haben. Die russische Flugabwehr hatte bislang wenig wirksame Mittel um diese Angriffen abzuwehren.
Trotz der unfreiwillig veröffentlichten strategischen Information werden die von Russland installierten konventionellen Abwehrtürme wohl ihre Wirkung zunächst nicht verfehlen. Pantsir-Geschütze können mit einem erweiterten Radar auch tiefer fliegende ukrainische Drohnen erkennen und abwehren, wie der Schweizer Militär-Blogger Bunkerhunter erklärte.
Am Dienstagmorgen (5. September) wurden bereits Drohnen im Südwesten, Westen und Nordwesten der Hauptstadt von russischen Luftabwehrsystemen abgefangen, wie unter anderen die dpa berichtete. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, dass die Luftabwehr „Drohnen zerstört hat, die versucht haben, Moskau anzugreifen“.
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