„Für Russen nicht zu verteidigen“

Ende im Ukraine-Kriegs: „Braucht kein Ende wie im Hollywood-Film“

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Ein russisches Munitionslager auf der Krim explodiert (Archivbild). Im Ukraine-Krieg haben Saboteure offenbar erneut Munitionsdepost der russischen Armee attackiert.
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Der Militärexperte Mölling rechnet mit guten Chancen für die Offensive der Ukraine. Er macht ein Ende des Ukraine-Kriegs an Waffenlieferungen fest.

Hamburg – Ist das Ende des Ukraine-Kriegs nahe? So weit will der Militärexperte Christian Mölling nicht gehen, aber der Analyst der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) verbreitet vorsichtigen Optimismus bei der Offensive gegen Russland. Während die Ukraine offenbar Russlands Verteidigungslinie im Süden durchbrochen hat, sagt Mölling Kiews Truppen bei den aktuellen Chancen im Ukraine-Krieg gute Chancen für die zukünftige Entwicklung voraus.

Nach Aussage des DGAP-Experten wäre ein Durchbruch somit nicht nötig, um ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs zu erwirken. Es würde reichen, sich so gut aufzustellen, dass es für die Russen nicht mehr möglich wäre, den Süden zu halten.

Ende des Ukraine-Kriegs: „Braucht kein Ende wie im Hollywood-Film“ – Russlands Verteidigungslinie durchbrechen

Auch, wenn Wladimir Putin jüngst mit der „Basis“ für ein Ende des Ukraine-Kriegs überraschte, bremste der Experte vor zu hohen Erwartungen, da seiner Ansicht nach eine Entscheidung im Ukraine-Krieg nicht unbedingt einer großen Schlacht mit ukrainischem Erfolg münden müsse. „Es braucht kein Ende wie in einem Hollywood-Film“, sagte Mölling der Funke Mediengruppe.

Stattdessen würde es dem Experten zufolge für eine erfolgreiche Offensive der Ukraine, dessen „Hauptphase“ erst noch kommt, reichen, „wenn die Ukrainer es schaffen, durch die erste russische Verteidigungslinie zu kommen“. Geografisch bezog sich der 50-jährige Politikwissenschaftler vor allem darauf, dass die Ukraine bis zu den quer verlaufenden Versorgungslinien auf Eisenbahn und Straße in Richtung Melitopol vorrückten.

Ende des Ukraine-Kriegs: Vorstoß bis Melitopol – Für Russland „wäre das Terrain nicht mehr zu verteidigen“

Dann könnte die ukrainische Armee das ganze Gebiet bis zum Asowschen Meer mit Artillerie und Raketenartillerie beschießen, analysiert der Experte weiter. „Das Terrain wäre dann für die Russen nicht mehr zu verteidigen.“ Die Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass die Ukraine mehr von allen bislang gelieferten Waffensystemen erhalte. Der Experte legte dabei das Hauptaugenmerk auf Minensuchräumer, Munition oder Flugabwehr.

Des Weiteren brauche das Land Raketen mit größerer Reichweite. Deutschland solle auch Taurus-Marschflugkörper an Kiew liefern, lautete die Forderung vonseiten Möllings. Dass dies eine Eskalation darstelle, ist seiner Einschätzung nach „Unsinn“ und fügte als Beispiel an, dass Briten und Franzosen bereits ähnliche Flugkörper geliefert hätten. „Da entsteht keine neue Qualität.“ Die Bundesregierung müsse auch einen Plan erstellen, was die Ukrainer in sechs Monaten benötigten. Den Deutschland sei „bislang immer zu spät gekommen.“

Ende des Ukraine-Kriegs: Ex-US-General fordert weitere Raketen für ukrainische Streitkräfte

Eine ähnliche Kritik äußerte auch der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, Ben Hodges. Der ehemalige US-General forderte ebenfalls die Lieferung von Raketen, damit Kiew eine Chance auf den Erfolg und ein mögliches positives Ende des Ukraine-Kriegs erzielen könne.

„Der Westen hat den Ukrainern nicht die Waffen geliefert, die sie brauchen.“ Sie müssen ohne nennenswerte Luftstreitkräfte und ohne Kurzstrecken-Präzisionswaffen wie etwa ATACMS kämpfen“, so Hodges im Interview mit der FAZ. „Ohne die würden wir niemals einen amerikanischen oder deutschen Soldaten in einen Kampf gegen solche Verteidigungsanlagen schicken.“

Ende des Ukraine-Kriegs: Hodges kritisiert Deutschland und die USA – Ukrainischer Sieg ein Ziel?

Gemäß seiner Einschätzung sei das Problem, „dass der Westen, angeführt von den USA und Deutschland, nie gesagt hat, dass unser Ziel ein ukrainischer Sieg ist“, so der Ex-Militär Hodges weiter, der zuvor die Krim als Schlüssel für ein Ende des Ukraine-Kriegs bezeichnet hatte. „Und weil wir uns nicht verpflichtet haben, der Ukraine zum Sieg zu verhelfen, haben wir zu wenig geliefert. Eben solche Kurzstreckenraketen, mit denen man Stützpunkte und logistische Knotenpunkte angreifen kann und die Krim unhaltbar machen kann für die russische Marine.“

Die Grundlage, um Russland und Wladimir Putin in Verhandlungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs zu zwingen, liegt es also nicht nur an den Fortschritten der ukrainischen Gegenoffensive, sondern auch an der Bereitschaft des Westens, diese mit Raketen und weiteren Waffen zu unterstützen.

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