Experten-Einschätzung

Verhandlungen im Ukraine-Krieg: „Putin hat wahrscheinlich bereits verloren“

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Militäranalyst Sean Bell sieht Putins Zukunft als zunehmend „unhaltbar“. Er skizziert ein Szenario für Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs.

Moskau – Ein Ende im Ukraine-Krieg? Derzeit nicht absehbar. Dennoch steht Russlands Präsident Wladimir Putin gewaltig unter Druck. Die russische Wirtschaft schwächelt. Der Rubel fällt und auch der Wagner-Aufstand der Söldner von Jewgeni Prigoschin schwirrt noch in den Hinterköpfen herum. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten gewinnt auch die Offensive der Ukraine an Durchschlagskraft.

Das alles hat Spuren in Russland hinterlassen. Und die Probleme türmen sich weiter. So gehen Putins Streitkräften die Raketenwerfer im Krieg in der Ukraine aus. Auch seine „Super-Panzer“ fangen auf dem Schlachtfeld Feuer. Die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg scheint kritisch zu sein. So kritisch, dass die Ukraine über eine neue Mobilisierungswelle in Russland spekuliert. Der britische Militärexperte Sean Bell glaubt, dass sich die Schlinge um Putin zuzieht.

Keine Zukunft im Ukraine-Krieg: „Putin hat diesen Krieg wahrscheinlich bereits verloren“

Hat Russlands Machthaber aufgrund des Ukraine-Kriegs überhaupt noch eine Zukunft? „Putin hat diesen Krieg wahrscheinlich bereits verloren“, erklärte der Ex-Militär bei Sky News. Immerhin mehrten sich die Anzeichen, dass die Machtbasis des russischen Präsidenten ins Wanken gerät, Risse im Fundament seiner Herrschaft kämen ans Licht. Allein deshalb ist es laut Bell wichtiger denn je, den internationalen Druck auf Regime von Putin aufrechtzuerhalten und die Unterstützung für den ukrainischen Kampf gegen die russischen Invasoren fortzuführen.

Hat den Krieg in der Ukraine angefangen: Moskau-Machthaber Wladimir Putin.

Weil die Offensive der Ukraine zur Rückeroberung der besetzten Gebiete nur langsam in Rollen kommt, mag aus westlicher Sicht der bisherige Mangel an Fortschritten auf dem Schlachtfeld in der Ukraine besorgniserregend sein. Allerdings muss der strategische Sieg der Ukraine nach Ansicht des Experten nicht unbedingt auf militärischen Erfolgen fußen.

Waffenstillstand im Ukraine-Krieg: Putins „Zukunft sieht zunehmend unhaltbar aus“

Putins „Zukunft sieht zunehmend unhaltbar aus“, lautet Bells Diagnose. Noch zu Beginn des Ukraine-Kriegs sei Putin davon ausgegangen, dass die Zeit auf seiner Seite stehe. Aber mit zunehmender Dauer des Krieges spiele nach Einschätzung des Experten die Zeit eher für die Ukraine. Schließlich verliere Russland nachweislich an Boden, während Kiew bei der südlichen Gegenoffensive im Ukraine-Krieg frische Truppen an die Front schickt.

Der ehemalige US-General Ben Hodges betonte bereits im Februar in einem mit Interview mit Peter Salmajew, Direktor der Eurasia Democracy Initiative, und dem ukrainischen Militärblogger Taras Berezovets, dass „die Krim der Schlüssel“ für ein Ende des Ukraine-Kriegs ist. Weitere Vorstöße, auf die von Russland besetzte Halbinsel, könnten laut seinr Einschätzung Putin in die Bredouille bringen. Diese Position der Schwäche wäre auch nach Ansicht von Bell die Grundlage dafür, dass der russische Präsident sich proaktiv auf einen Waffenstillstand einlassen würde.

Wenn die internationale Gemeinschaft ihn an den Verhandlungstisch mit der Ukraine zwingen würde, könnte der Kreml-Herrscher jedoch die Gelegenheit nutzen, ein Ende des Ukraine-Kriegs zumindest in Teilen zu seinen Bedingungen herbeizuführen und womöglich die Krim und einige Gebiete des Donbass als Kriegsbeute einzubehalten.

Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine: Putin überrascht mit „Basis“ für Ende des Ukraine-Kriegs

Dies wäre zumindest ein Teilerfolg für die „militärische Spezialoperation“, den Putin der Bevölkerung in Russland verkaufen könnte. Doch aufgrund der hohen Verluste im Ukraine-Krieg, der geschädigten Wirtschaft und der unsicheren Lage im Land könnten nach Bells Einschätzung Putins Tage als russischer Präsident gezählt sein.

Nichtsdestotrotz sorgte Russlands Präsident zum Abschluss des Russland-Afrika-Gipfels in St. Petersburg für eine Überraschung. Vor Vertretern der Presse beschrieb Putin eine „Basis“ für Verhandlungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zwischen Moskau und Kiew.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alexander Kazakov

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