VonFriederike Hilzschließen
SpaceX wird von einer ehemaligen Mitarbeiterin verklagt, weil sie weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen erhielt. Das ist immer noch kein Einzelfall.
Frauen und Männer sind auf dem Arbeitsmarkt längst gleichberechtigt – oder? Von wegen. Nur wenige Unternehmen bieten längeren Sonderurlaub für Väter an und Frauen bekommen bei gleicher Tätigkeit immer noch weniger Geld. Zwar schreiben sich viele Firmen Gleichberechtigung auf die Fahne, doch ob sich das auch in der Bezahlung widerspiegelt, ist eine andere Frage. Bereits 2016 versprach Elon Musk in seinem Unternehmen SpaceX beispielsweise die sogenannte Gender Pay Gap zu eliminieren. Erfolgreich war dieses Vorhaben anscheinend nicht.
Eine ehemalige Mitarbeiterin hat am 3. Oktober 2023 bei einem kalifornischen Gericht eine Klage wegen unfairer Bezahlung eingereicht. Sie und andere Angestellte werfen Musk vor, angeblich Frauen und Minderheiten schlechter zu bezahlen als ihre männlichen und weißen Kollegen.
Laut der Ingenieurin habe sie 92.000 Dollar (etwa 87.200 Euro) im Jahr erhalten, während männliche Kollegen mit gleicher Qualifikation und Aufgaben bis zu 115.000 Dollar (etwa 110.000 Euro) bekommen würden. Aufgefallen sei ihr der Unterschied in Stellenanzeigen des Unternehmens, in denen für ihre Position eine Gehaltsspanne von 95.000 bis 115.000 Dollar angegeben wurde.
Das ist nur einer von vielen Momenten, die Frauen zeigen, dass die Gender Pay Gap auch heute noch real ist.
Journalistin erfährt live, dass ihr männlicher Kollege für seinen Auftritt bezahlt wurde – sie aber nicht
„Es ist für mich ermüdend, immer und immer wieder über Frauenfeindlichkeit diskutieren zu müssen“, sagt die Journalistin Moya Lothian-McLean im Oktober 2023 in einer TV-Debatte mit dem konservativen, britischen Journalisten Connor Tomlinson (siehe Video unten). Die beiden wurden vom Sender Sky News eingeladen, um über Meinungsfreiheit und Sexismus zu diskutieren.
Was dann passiert, hätten die besten Hollywood-Autor:innen sich nicht ausdenken können. Tomlinson antwortet auf Lothian-McLeans Aussage: „Es tut mir wirklich leid, dass Sie es ermüdend finden, dafür bezahlt zu werden, im Fernsehen aufzutreten.“ Nur dass die Journalistin gar nicht für ihren Auftritt bezahlt wurde, ganz im Gegensatz zu ihrem männlichen Gegenüber. „Ich werde nicht dafür bezahlt! Werden Sie bezahlt?“ fragt sie ungläubig.
Ursprünglich wurden ihr von Sky News laut eigener Aussage 75 britische Pfund (etwa 86 Euro) geboten. Mittlerweile hat sich der Sender bei der Journalistin entschuldigt und ihr 200 britische Pfund (etwa 230 Euro) für ihren Auftritt gezahlt.
@novaramedia The media’s ingrained misogyny was exposed when Moya Lothian McLean appeared on Sky News…to talk about misogyny. Moya appeared on Sky News on Wednesday evening to discuss comments made by Laurence Fox on GB News where he asked what “self-respecting man” would “climb into bed” with Politics Joe reporter Ava Evans. Fox has been suspended by the channel alongside Dan Wootton, who was interviewing him. On Novara Live on Thursday, Moya explained how the debate in the media highlighted structural misogyny. #politics #ukpolitics #media #sexism #uk ♬ original sound - Novara Media
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Gleiche Qualifikationen, gleiche Arbeit und trotzdem kein gleiches Gehalt
Seit 1957 schreibt die Europäische Union vor, dass Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen objektiv gerechtfertigt werden müssen. Deutschland hinkt allerdings in vielerlei Hinsicht beim Thema Equal Pay noch hinterher. Auch deshalb musste Susanne Dumas erst vor Gericht gehen, um genauso viel Gehalt zu bekommen, wie ein männlicher Kollege.
Während der Probezeit und auch später erhielt die Diplom-Kauffrau weniger Lohn, als ihr männlicher Kollege, der kurz vor ihr eingestellt worden war. Ganze 1000 Euro mehr bekam der Mann pro Monat. Das Bundesarbeitsgericht entschied im Februar 2023: Das ist gesetzeswidrig. Nun hat sie Anspruch auf eine Lohnrückzahlung von 15.000 Euro, sowie 2.000 Euro Entschädigung.
Bürgermeisterin muss für gleiches Gehalt vor Gericht ziehen
Beamt:innen haben es beim Thema Gehalt einfach, oder? Schließlich entscheiden die Besoldungsgruppen über das Gehalt, unabhängig von äußeren Einflüssen. Na ja, schön wäre das schon. Die ehemalige Bürgermeisterin von Mülllheim in Baden-Württemberg musste, genau wie Susanne Dumas, erst vor Gericht ziehen, um den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen. Deshalb findet unsere Autorin: Wir müssen mehr über Geld reden.
Ganze acht Jahre war die Frau Bürgermeisterin der Gemeinde und wurde dabei in eine niedrigere Besoldungsgruppe eingestuft, als ihre Vorgänger – zu Unrecht, wie das Verwaltungsgericht Freiburg im März 2023 entschied. Die Stadt ist nun verpflichtet, ihr die Differenz zwischen den Besoldungsgruppen, etwa 50.000 Euro, zu zahlen.
Viel Care-Arbeit und kein Geld
Die Care-Arbeit in Deutschland wird größtenteils von Frauen erledigt, wie auch in den meisten anderen Ländern. Das sorgt unter anderem dafür, dass Frauen bei der Rente benachteiligt sind. Schließlich haben sie offiziell nicht gearbeitet. Neben der Gender Pay Gap gibt es also auch noch eine Gender Pension Gap.
Ein spanisches Gericht legte deshalb fest, dass ein Mann seiner Ex-Frau nach der Scheidung 200.000 Euro für die von ihr geleistete Arbeit zahlen muss. Während der Ehe war die Klägerin finanziell von ihrem Ehemann abhängig, obwohl sie neben der Hausarbeit und Kinderbetreuung auch noch in seinem Unternehmen mitarbeitete – alles natürlich ohne dafür bezahlt zu werden.
Sie hielt ihrem Mann mit ihrer kostenlosen Arbeit den Rücken frei, sodass er Vermögen anhäufen konnte. Obwohl also beide etwas geleistet hatten, bekam die Klägerin erst durch ein Gerichtsurteil die gerechte Bezahlung dafür.
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