Gegner in der Kirche

„Um Franziskus anzugreifen“: Papst-Vertrauter von „extremen Gruppen“ attackiert

  • schließen

Papst-Vetrauter im Vatikan in der Schusslinie: Nach dem Fall Georg Gänswein sorgt ein Buch über das Küssen für indirekte Angriffe auf Papst Franziskus.

Rom – Noch hat er sein Amt im Vatikan gar nicht offiziell angetreten. Und dennoch haben die Attacken auf den Vertrauten von Papst Franziskus und wohl bald zweitwichtigsten Mann hinter dem Pontifex in der katholischen Kirche längst begonnen. Denn der künftige Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Erzbischof Victor Manuel Fernández, sieht sich in Rom Angriffen ausgesetzt, die ihren Ursprung in einem Buch haben, das der Geistliche vor 30 Jahren als Jugendseelsorger verfasst hat.

Machtkampf im Vatikan: Buch bringt den Vertrauten von Papst Franziskus in die Schusslinie

Das Buch, um das es sich handelt, trägt den spanischen Titel „Sana me con tu boca“ (auf Deutsch: „Heile mich mit deinem Mund. Die Kunst des Kusses”) und sorgt bereits seit Jahren für Kritik an dem Theologen. Mit seiner Ernennung am 3. Juli zum Glaubenspräfekt durch Papst Franziskus schlägt sein Werk wieder hohe Wellen im Vatikan, aber vor allem in den USA. Dort werden die Zeilen des aus Argentinien stammenden Erzbischof mit kritischem Unterton zitiert.

Nur wenige Tage nach seiner Ernennung sah sich der Erzbischof genötigt, sein Buch zu verteidigen und, wie Kathpress berichtet, auf Facebook gegenüber der Kritik Stellung zu beziehen. Dort schreibt der 60-Jährige, dass Gegner von Papst Franziskus in der Kirche seinen Ruf als Theologe angreifen wollten, indem sie aus seinem Buch zitierten, das er vor 30 Jahren als Jugendseelsorger schrieb.

Machtkampf im Vatikan: „Extreme Gruppen“ attackieren Vertrauten von Papst Franziskus

Als junger Pfarrer habe er mit diesen Gedanken versucht, Jugendliche zu erreichen, erklärt Fernandez seine damalige Motivation in seinem Post. Auch einige der damaligen Ausführungen habe er direkt von den Jugendlichen übernommen, die er ermuntert habe, ihre Ideen zu dem Thema mit ihm zu teilen.

Weiter schreibt Fernandez, seit Jahren versuchten „extreme Gruppen“ in der Kirche, ihn mit Zitaten aus dem Buch zu demütigen und zu zeigen, dass er eine Theologie von geringer Qualität betreibe. Aber „eine Katechese für Heranwachsende ist kein theologisches Werk, das sind zwei unterschiedliche literarische Gattungen“, verteidigt der Geistliche sein Werk auf seiner Facebook-Seite.

„Um Franziskus anzugreifen“: Attacken auf Papst-Vertrauten im Vatikan

„Sie werden noch viele Dinge über mich sagen und alle möglichen Verbündeten suchen, um Franziskus anzugreifen, weil er mich ernannt hat. Aber wer mich kennt, weiß, wer ich bin“, zeigt sich der zukünftige Leiter des Dikasteriums für die Glaubenslehre, welches die Nachfolgebehörde der römischen Inquisition ist, kämpferisch.

Ein Vertrauter von Papst Franziskus wird im Vatikan von „extremen Gruppen“ attackiert.

Der argentinische Erzbischof tritt seine Position im wohl wichtigsten vatikanischen Ministerium ab Mitte September an und ist der oberste Wächter darüber, dass sich keine Irrlehren in der katholischen Kirche verbreiten. Ein Amt, das auch Joseph Ratzinger von 1981 bis zu seiner Wahl zu Papst Benedikt XVI innehatte.

Nach der Gänswein-Abschiebung durch Papst Franziskus bleibt es weiter unruhig im Vatikan

Bis dahin ist allerdings noch viel Zeit für weitere Attacken auf den Vertrauten von Papst Franziskus, der in seinem Heimatland den Spitznamen „Tucho“ trägt. Auch wenn Fernández in Zukunft darüber wachen wird, dass sich keine Irrlehren in der katholischen Kirche verbreiten, bietet der zweitwichtigste Mann im Vatikan hinter Papst Franziskus wegen seines Buches weiterhin einiges an Angriffsfläche. Seit der Veröffentlichung kursiert allein in seinem Heimatland der beliebte Scherz „Tucho bésame mucho“, (auf Deutsch: „Tucho, küss mich oft“ – in Anlehnung an ein bekanntes Liebeslied).

Durch die Kritik an Fernández könnte wohl auch in den kommenden Monaten wenig Ruhe im Vatikan einkehren. Schließlich hatten Diskussionen um die Abschiebung des Benedikt-Vertrauten Georg Gänswein, der wohl auch aufgrund seiner Buch-Enthüllungen von Papst Franziskus ohne Ämter zurück nach Deutschland geschickt wurde, in den vergangenen Monaten nicht nur die Kirche und die Medien in Italien beschäftigt. Gänswein ist in Freiburg angekommen, während der Autor eines anderen Buches dem Pontifex nach seiner Darm-Operation Bauchschmerzen bereiten könnte.

Rubriklistenbild: © Andrew Medichini/Michael Kappeler/dpa/Montage

Kommentare