Billiarden-Verluste drohen

Schock-Studie warnt: Putin-Sieg in der Ukraine treibt Europa in den Ruin

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Eine Studie zieht ein bitteres Fazit: Millionen Flüchtlinge und Tausende Panzer – eine militärische Niederlage der Ukraine würde die EU ruinieren.

Brüssel – „Die Instabilität nimmt zu, Putins hybrider Krieg in Europa verschärft sich, und aus Angst vor einer Eskalation haben wir die weltweite Verbreitung von Atomwaffen gefördert“, schreibt Timothy Garton Ash. Der Analyst hatte bereits Anfang 2025 die Frage gestellt, wie gefährdet die Europäische Union (EU) sei, wenn Wladimir Putin seinen völkerrechtswidrig angezettelten Ukraine-Krieg gewänne.

Bitteres Fazit einer neuen Studie aus Norwegen: Für einen Sieg der Ukraine wären fast 2.500 zusätzliche Panzer notwendig. Russlands Diktator Wladimir Putin scheint dem Wiederaufbau seiner Panzer-Armee allerdings schneller näher zu kommen als die NATO.

In seiner Analyse für den Thinktank „European Council on Foreign Relations“ hatte er den „Schatten eines düsteren Jahres 2025“ heraufziehen sehen. Dieser ist inzwischen deutlich tiefer geworden – Europa wird durch den Ukraine-Krieg finanziell bluten – mehr als bisher; allerdings scheint die Finanzierung eines Sieges der Ukrainer eher ein Schnäppchen zu werden im Vergleich dazu, wenn Russland das Feld überlassen werden würde.

Bei einem Sieg von Russland im Ukraine-Krieg steht die EU vor dem Ruin – so eine Studie

Timothy Garton Ash geht zunächst davon aus, dass ein Sieg Russlands ein diplomatisches Desaster bedeuten und einen Kollateralschaden in Donald Trumps neuer außenpolitischer Ausrichtung darstellen würde. Ash erinnert daran, dass Putin von einer neuen „globalen Mehrheit“ und der „Herstellung einer völlig neuen Weltordnung“ gesprochen habe – inklusive territorialer Verschiebungen zu Russlands Gunsten. Um das zu erreichen, seien ihm alle Mittel recht, so der Analyst: Der jetzt in der Ukraine angestrebte Landraub als vermeintlich legitimes politisches Instrument stehe für Putin gleichrangig „mit Vergiftung, Sabotage, Desinformation und Wahlbeeinflussung“, behauptet Garton Ash.

Ein Sieg Russlands in der Ukraine würde China ermutigen, den Druck auf Taiwan zu erhöhen, und Nordkorea würde seine Provokationen gegenüber Südkorea verstärken“, schreibt er – insofern irre US-Präsident Trump, wenn er die USA militärisch aus dem Ukraine-Krieg heraushalte, um sich auf den Konflikt mit China zu konzentrieren. Was er ohnehin kaum könne, weil auch ihn ein Sieg Russlands in der Ukraine mitsamt der NATO beziehungsweise der Europäischen Union finanziell an den Rand des Ruins führe – dessen jedenfalls sind sich norwegische Forscher sicher. In einer jetzt veröffentlichten Studie der Thinktanks „Corisk“ und „Norwegian Institute of International Affairs“ kommen sie zu einem erschütternden Ergebnis.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Ein russischer militärischer Erfolg der „Spezialoperation“ in der Ukraine koste Europa doppelt so viel wie ein ukrainischer Sieg: Gewinne Russland in der Ukraine, müsste die europäische Gemeinschaft über die kommenden vier Jahre hinweg insgesamt rund 1,8 Billionen Euro investieren – außerdem sei in Europa mit einem Zustrom von weiteren sechs bis elf Millionen Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet zu rechnen. Abgesehen davon hätten die Russen dann in der Ukraine dermaßen an Kampferfahrung gewonnen, dass sie zumindest moralisch einer wie auch immer zusammengestellten oder ausgerüsteten NATO-Armee haushoch überlegen wären.

Für die NATO bedeute ein Sieg Russlands, dass sie notfalls einen Kaltstart aufgenötigt bekäme durch einen Gegner, der seit Jahren taktisch geschult und moralisch ungemein aufmunitioniert in einen „Fortsetzungskrieg“ marschierte. „Krieg bedeutet einen permanenten Wechsel von Lernen und Anpassung, von Innovation und Adaption; und das mit einer sehr hohen Geschwindigkeit. Im nächsten Krieg wird dieser Kreislauf noch schneller verlaufen als in diesem“, sagt Martin Winkler. Der Faktor Mensch bliebe aber der entscheidende Unterschied, sowohl auf der Kommando-Ebene mit den Erfordernissen an die Führung, als auch im Trupp mit den Anforderungen an Moral und Kameradschaft, so der Oberstleutnant und Leiter des Sachgebietes „Auswertung“ im Kommando Heer im Bundeswehr-Podcast „Nachgefragt“.

Nach Ende vom Ukraine-Krieg: Russland ist schneller auf neuen Angriff vorbereitet als die Nato

Auch sein militärisches Material würde Russland als Sieger weit schneller wieder in Schuss bekommen als die Verlierer. Laut der Legal Tribune Online parke die Europäische Union aktuell 210 Milliarden Euro an Vermögenswerten der russischen Zentralbank. Möglicherweise würde Russlands nach einer Niederlage in der Ukraine insgesamt das Dreifache dessen in Rechnung gestellt werden, wie die Weltbank Anfang 2025 veröffentlicht hat: Die hat geschätzt, „dass die Gesamtkosten für den Wiederaufbau und die Erholung in der Ukraine zum 31. Dezember 2024 524 Milliarden US-Dollar (506 Milliarden Euro) über das nächste Jahrzehnt betragen werden“. Und diese Kosten haben die norwegischen Analysten sogar außen vor gelassen.

Ihre Analyse bezieht sich auf Kosten für die laufende Unterstützung der Ukraine, für die Versorgung der Flüchtlinge und für die militärische Rüstung im Vorgriff auf einen russischen Angriff auf das Baltikum – wann auch immer der drohe. Summa summarum 1,205 Billionen Euro auf die nächsten vier Jahre gestückelt – ganz vorsichtig gerechnet. Wenn Russland in der Ukraine den Sieg erringt. Im umgekehrten Fall würden die Kosten für die Verteidigung sinken, die Kosten für die Flüchtlinge würden statt in deren Versorgung als Asylsuchende in deren Rückkehr in ihre Heimat fließen. Allerdings blieben bis zum Erreichen dieses Status die Aufwendungen für die Rüstung hoch. Und die würden ohnehin jetzt fällig, so die Zusammenfassung des Kyiv Independent.

„Um den Sieg zu erringen, bräuchte die Ukraine einen raschen Zustrom an militärischer Ausrüstung. Dazu gehören 1.500 bis 2.500 Kampfpanzer und 2.000 bis 3.000 Artilleriesysteme innerhalb von ein bis zwei Jahren. (...) Die Ukraine wird außerdem bis zu acht Millionen Drohnen aller Art, Luftverteidigungssysteme und strategische Raketensysteme benötigen“, zitiert das Medium aus der Studie. Eine Menge, die Europa möglicherweise allein zu schultern hätte, wenn Donald Trump seinen Kurs der Verweigerung fortzusetzen gedenke – wenn die Europäer das denn wollten und könnten. „Die Ukraine könnte zwar weiterkämpfen, aber der Krieg würde sofort in eine weitaus verletzlichere und unberechenbare Phase eintreten“, schreiben aktuell Chris Sunday und Veronika Melkozerova.

Deutschland und Europa insgesamt werden Jahrzehnte brauchen, um mit der derzeitigen russischen Waffenproduktion Schritt zu halten. 

Guntram B. Wolff, Alexandr Burilkov, Katelyn Bushnell & Ivan Kharitonov, Bruegel

Sie verweisen zwar auf die Leistungsfähigkeit der ukrainischen Kriegswirtschaft: „Die Ukraine verfügt derzeit über eine der größten Rüstungsindustrien Europas und produziert eigene Drohnen, Mittel- und Langstreckenraketen, Artilleriesysteme und Munition“, so die Autoren des Magazins Politico. Allerdings gilt diese Wirtschaftskraft im Grunde auch für die europäische Wirtschaft – die allerdings diese Stärke lediglich gebündelt bieten kann: Einzelstaatliche Lösungen, wie bisher, helfen viel, aber lange nicht genug. Allein an Kampfpanzern kann Europa kaum den eigenen Bedarf decken. Bis zu 2.000 neue Kampfpanzer seien aktuell bestellt, schreibt Martin Rosenkranz. Der Autor des österreichischen Magazins Militär Aktuell schätzt Europas derzeitigen Bestand an Kampfpanzern auf rund 6.500 Stück.

Die meisten davon seien kaum einsatzfähig. Was sich in Zukunft nur leicht ändern werde, wie der britische Economist Mitte 2025 prophezeit hat – ihm zufolge verlaufe die Panzerproduktion schleppend: „Europa verfügt nur über eine aktive Produktionslinie für Kampfpanzer: die Leopard-2-Linie, die vom deutschen Teil von knds betrieben wird. Während des Kalten Krieges wurden dort 300 Panzer pro Jahr gefertigt. Heute sind es nur noch etwa 50“, so das Blatt. Die Briten beispielsweise tun sich ebenfalls schwer mit der Aufrüstung ihrer Panzerwaffe. Statt deren Challenger-Flotte durch die dritte Generation aufzustocken, werden die bestehenden Challenger 2 lediglich umgerüstet – ein Qualitäts-Gewinn ohne zahlenmäßigen Zuwachs.

Russland dagegen kratzt seine alten Sowjetpanzer zusammen und baut weiter fleißig. 2.500 (neue) Panzer für die Ukraine sind dagegen eher illusorisch. Was auch der belgische Thinktank „Bruegel“ behauptet, wie deren Autoren Guntram B. Wolff, Alexandr Burilkov, Katelyn Bushnell und Ivan Kharitonov verdeutlichen: „Deutschland und Europa insgesamt werden Jahrzehnte brauchen, um mit der derzeitigen russischen Waffenproduktion Schritt zu halten.“ (Quellen: Weltbank, European Council on Foreign Relations, Corisk, Norwegian Institute of International Affairs, Nachgefragt, Legal Tribune Online, Kyiv Independent, Politico, Militär Aktuell, Economist, Bruegel) (hz) 

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