Kampfbereit nach dem Frieden?

Putin rüstet, Deutschland streitet: Heeres-General optimistisch



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Wachstum, Innovation, konventionelle Waffen – darin erkennt Christian Freuding die Zukunft der Bundeswehr; in allem, was der Armee seit Jahren fehlt.

Berlin – „Jeder Tag zählt, und wir haben wenig Zeit“, sagt Christian Freuding. Gegenüber der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) hat der Generalleutnant der Bundeswehr gewarnt, dass Wladimir Putin kaum „auf unsere Fertigmeldung“ warten würde, so der neue Inspekteur des Heeres. Freuding ist seit Oktober der oberste Soldat der aus 63.000 männlichen und weiblichen Soldaten bestehenden Teilstreitkraft – die mit Sicherheit die Hauptlast eines militärischen Konflikts zwischen der NATO und Russland zu tragen hätte. Wie der Ukraine-Krieg beweist. „Vielleicht ist dieser Sommer der letzte Sommer, den wir noch im Frieden erleben“, hatte vor wenigen Wochen ein Experte gewarnt.

„Wir sind bereit für den Fight tonight“, hat Generalleutnant Dr. Christian Freuding der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Block zitiert. Sein Vorgänger als Inspekteur des Heeres der Bundeswehr war da deutlich skeptischer.

Sönke Neitzel unterstrich diese Warnung in einem Interview mit der Bild. Deutschlands profiliertestem Militärhistoriker zufolge sei in Litauen die Angst umgegangen, das russische Herbstmanöver Sapat-2025 zusammen mit Belarus habe für die Russen die Blaupause für eine Offensive auf das Baltikum bedeutet. Demnach habe sich Wladimir Putins Invasionsarmee nach dem völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine womöglich auf ihren nächsten Einsatz eingeschossen. Für Freuding hat neben der Einsatzbereitschaft der bestehenden Kampftruppen vor allem die Mobilisierung der wehrfähigen Bevölkerung Priorität, wie er gegenüber der F.A.Z. klargestellt hat: „Wir müssen wachsen, dafür schafft der Gesetzgeber mit dem neuen Wehrdienstgesetz Voraussetzungen“, so der promovierte Offizier.

NATO glaubt, „dass russische Streitkräfte Tallinn und Riga innerhalb von 36 bis 60 Stunden erreichen würden“

Verschiedenen Experten zufolge blieben der nordatlantischen Verteidigungsallianz noch fünf bis zehn Jahre. Die ersten Prognosen einer wahrscheinlichen Attacke Russlands auf die westliche Wertegemeinschaft waren schon vor mehr als einem Jahr laut geworden – seitdem agiert die NATO hektisch: Um die Nachrüstung mit Drohnen balgen sich verschiedene ins Kraut geschossene Start-ups; um den Dienst an der Waffe streiten sich erbittert die ältere Generation, beispielsweise die eines Markus Söder (CSU), Jahrgang 1967, und die betroffene Generation, beispielsweise die eines Otto Ellerbrock, der mit seinen 16 Jahren Kreisschülersprecher des Landkreises Lüneburg ist und ebenso SPD-Delegierter. In der ZDF-Talkshow von Markus Lanz Anfang September trafen deren Ansichten frontal aufeinander.

„Wir sind bereit für den Fight tonight“

Generalleutnant Dr. Christian Freuding, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der bayerische Ministerpräsident vertritt die Meinung, die jungen Menschen müssten sich für ihr Land einsetzen, Ellerbrock ficht vehement für die Position, das Land müsse erstmal etwas für die Heranwachsenden bieten. Außenstehende schütteln über solcherlei Debatten die Köpfe: „Moskaus Planung für künftige militärische Konflikte wird im Westen nur unzureichend verstanden“, schreiben Florence Glaub und Andrew Monaghan. Auf dem politischen Blog Engelsberg Ideas erläutert die Analystin des NATO Defense College und der Wissenschaftler des britischen Thinktanks „Royal United Services Institute“ (RUSI) ihre Ansicht darüber, dass der Westen aus dem Ukraine-Krieg lernen könnte, mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Den genauen Zeitpunkt vorherzusagen, ist nach wie vor die größte Herausforderung strategischer Vorausschau, und die Art, den Verlauf und die Dauer des nächsten Krieges korrekt einzuschätzen, ist noch schwieriger“, schreiben sie. Nicht zuletzt aufgrund des technologischen Fortschritts, der sich schneller durch den aktuellen Kriegsverlauf fräst als in den beiden vorherigen Großkriegen. Der kommende Krieg würde durch Rasanz geprägt – was die NATO auch bereits mindestens seit der Annexion der Krim 2014 ins Kalkül zieht: „Einflussreiche Planspiele legten nahe, dass russische Streitkräfte Tallinn und Riga innerhalb von 36 bis 60 Stunden erreichen würden“, so die Autoren. Für Freuding bedingt das die dritte Säule eines Widerstands, der Russland von vornherein von einer Offensive abhielte.

Lehre aus Ukraine-Krieg: „Innovation hat eine völlig neue Bedeutung für Landstreitkräfte gewonnen“

„Innovation hat eine völlig neue Bedeutung für Landstreitkräfte gewonnen. Ich will, dass wir diese Innovation von unten leben“, donnert der oberste Heeressoldat gegenüber der F.A.Z. Markige Töne angesichts des Desasters mit den digitalen Funkgeräten für das Heer, dem von Pannen befallenen Puma-Schützenpanzer oder den dilettantischen Ergebnissen der Drohnen-Tests der hochgelobten deutschen Innovations-Unternehmen. Von den Katastrophen-Korvetten der Marine oder dem chronischen Clinch mit Frankreich wegen eines gemeinsamen Zukunfts-Kampfjets ganz abgesehen. „Innovationen entstehen nach meiner Überzeugung immer da, wo taktische Führer – also Zugführer, Kompaniechefs – ein taktisches Problem zu lösen haben und dann die Lösung dafür finden“, so Freuding in der F.A.Z..

Böse formuliert: Freuding setzt auf die Improvisationstalente seines Unteroffiziers- und Offiziers-Korps. „Wir sind bereit für den Fight tonight“, betiteln die F.A.Z.-Autoren Peter Carstens und Konrad Schuller das Interview mit dem Heeres-Inspekteur getreu des Credos des Befragten. In Anbetracht dessen, was die NATO für einen Gegner zu gewärtigen hat, eine mutige, wenn nicht überhebliche Aussage. Bundeswehr-Soldaten haben lernen müssen, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen, wie der damalige Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) 2002 vollmundig verlangt hat. Das hat dazu geführt, dass beispielsweise der Panzertruppe ihre während des Kalten Krieges erprobte Wehrhaftigkeit aberzogen worden ist. Das Heer stehe „mehr oder weniger blank da“, hatte zu Beginn des Ukraine-Krieges Alfons Mais gesagt.

Kritik an Bundeswehr: „Wenn wir bei den Artilleriesystemen so weitermachen, dauert das über 100 Jahre“

Den Generalleutnant und Vorgänger Freudings als Inspekteur des Heeres stellte die Süddeutsche Zeitung noch Ende 2024 in den Schatten mit der Aussage einer anderen anonymen hochrangigen Quelle aus der Bundeswehr: „Wir sind blanker als blank.“ Laut dem Parlament opponierte der damalige stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Johann Wadephul (CDU) und aktuelle Außenminister schärfer gegen die lahmende Zunahme der „Kriegstüchtigkeit“ – er zitierte aus einer Studie des „Instituts für Weltwirtschaft“ in Kiel: „Wenn wir bei den Artilleriesystemen so weitermachen, dauert das über 100 Jahre“. Sollte sich Kiew jetzt den Forderungen von US-Präsident Donald Trump beugen und das Ende des Krieges durch eine teilweise Kapitulation provozieren – wie wollte der Westen reagieren?

Vor allem deshalb, weil Freuding gegenüber der F.A.Z. berichtet, dass die russische Rüstungsindustrie weiter unter Volllast laufe –ungeachtet der militärischen oder der diplomatischen Lage. Vor allem auch unter der offensichtlichen Annahme der militärischen NATO-Führung, dass ein kommender Krieg konventioneller als der in der Ukraine geführt würde: Panzer, Schützenpanzer oder Haubitzen „würden eine grö­ßere Rolle spielen, weil sie in der Kriegsführung, auf die wir uns vorbereiten, von Luftwaffe und Luftverteidigung geschützt würden. So wären wir zu beweglicher Kriegsführung fähig“ – also dem Gefecht der verbundenen Waffen; auf das sich die Bundeswehr seit Jahrzehnten vorbereitet; aber in dem sie sich bisher lediglich im Manöver hat schlagen müssen.

Florence Glaub und Andrew Monaghan halten den Horizont der Möglichkeiten für breiter, als Freuding nach außen darstellt. Die zwei bestimmenden Szenarien sehen Russland einen begrenzten militärischen Konflikt im Baltikum entfachen oder in NATO-Territorium vorrücken durch die Suwałki-Lücke – die schmale Landzunge, die die beiden NATO-Partner Litauen und Polen verbindet – flankiert von russischem und belarussischem Territorium. 65 Kilometer Luftlinie trennen die russische Exklave in Kaliningrad von Moskaus Partner Belarus. Laut dem US-Magazin Politico ist dieser Landstrich derzeit der „gefährlichste Ort der Welt“. Glaub und Monaghan warnen ausdrücklich vor der „realen Gefahr“, dass der sich als ein Konsens einschleife in die Planungen gegenüber dem, was Russland vermeintlich vorhat. Russlands Handstreich im Baltikum könnte sich als kolossaler Irrtum herausstellen.

Für die beiden Analysten führe Engstirnigkeit schnurstracks in eine Orthodoxie, „die alle anderen möglichen Szenarien eines Krieges mit Russland außer Acht lässt“, wie sie schreiben. Mit Rückgriff auf Leo Tolstois Epos „Krieg und Frieden“ könne das in eine Situation münden, in der „nichts für den Krieg vorbereitet ist, den alle erwartet haben“. (Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bild, ZDF, Engelsberg Ideas, Süddeutsche Zeitung, Politico) (hz)

Rubriklistenbild: © RUSSIAN PRESIDENTIAL PRESS OFFICE/AFP; dpa/Kay Nietfeld

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