Explosive Putin-Drohung beim Trump-Gesandten-Treffen: „Wenn Europa Krieg will, sind wir bereit“
VonMarcus Giebel
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In Moskau besprechen amerikanische Gesandte und Russen das Ende des Ukraine-Kriegs. Wladimir Putin greift derweil Europa mit scharfen Worten an.
Moskau – Für Europa blieb bei den Gesprächen über den Friedensplan zum Ukraine-Krieg in Moskau nur die Zuschauerrolle aus der Ferne. Wladimir Putin verdeutlichte dennoch, wie sehr die Position von Berlin, Paris und London für ihn von Bedeutung ist. Denn der Kreml-Chef ließ vor dem Treffen seiner Vertrauten mit einer US-Delegation verlauten, dass er keinen Krieg gegen Kiews Verbündete führen wolle.
„Wir haben nicht vor, mit Europa zu kämpfen, das habe ich schon 100 Mal gesagt“, wird er unter anderen von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zitiert. Direkt danach ließ er diese Drohung los: „Wenn Europa wiederum kämpfen will, dann sind wir dazu sofort bereit.“ In diesem Fall hätte Moskau aber niemanden mehr, mit dem es verhandeln könne.
Putin droht Europa mit Krieg: „Wird sehr schnell enden“
Seine verbale Attacke auf den Westen war damit aber noch lange nicht zu Ende. Denn Putin warf Europa laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass auch vor, sich von den Verhandlungen ausgeschlossen zu fühlen, doch „niemand hat sie ausgeschlossen, sie haben sich selbst ausgeschlossen“. Europa verfolge keine Friedensagenda, sondern stehe „auf der Seite des Krieges“.
Für sich selbst nimmt Putin dagegen in Anspruch, nach wie vor keinen Krieg in der Ukraine zu führen. Die Invasion wird in der Heimat seit dem ersten Tag als militärische Spezialoperation verkauft. Mit dem Ziel, das Nachbarland zum Schutz Russlands zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren. Nun sagte Moskaus Machthaber: „Sollte Europa plötzlich einen Krieg gegen uns beginnen, wird dieser sehr schnell enden. Das ist nicht die Ukraine. In der Ukraine gehen wir mit chirurgischer Präzision und großer Sorgfalt vor. Dies ist kein Krieg im direkten, modernen Sinne des Wortes.“
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
In Anspielung auf die seit Monaten anhaltenden Friedensbemühungen von US-Präsident Donald Trump fügte er über die Europäer an: „Sie verweigern Friedensgespräche und behindern Präsident Trump.“ Offenbar will Putin die sich ihm nun bietende Gelegenheit nutzen, um die USA und die europäischen NATO-Partner zu entzweien. Schon mehrmals schien er dabei auf dem besten Weg zu sein.
Friedensplan für die Ukraine: Putin nennt europäische Bedingungen „absolut inakzeptabel“
Jedenfalls unterstrich er noch einmal, was er von den europäischen Interventionen beim 28-Punkte-Plan hält. Die Europäer würden Bedingungen einbringen wollen, „die für Russland absolut inakzeptabel sind, und das wissen sie“. Ergo wäre der Westen Schuld daran, dass Putin seinen Feldzug und die Bombardierungen weiter fortsetzt. Frieden bekommen die Ukrainer augenscheinlich nur zu seinen Bedingungen. Und diese wiederum sind für Kiew und die Unterstützer nicht hinnehmbar.
Daher stellt sich Beobachtern einmal mehr die Frage, wie die verschiedenen Positionen zusammengeführt werden könnten. Putin scheint darauf zu pochen, noch nicht erobertes Gebiet kampflos einnehmen zu dürfen, zudem sollen für die Ukraine offenbar der Weg in die NATO versperrt und eine Obergrenze für Kiews Streitkräfte festgelegt werden. Aus Sicht der Ukraine hat sich der Aggressor dagegen wieder hinter die Grenzen zurückzuziehen, Sicherheitsgarantien sollen die Wiederholung eines solchen Überfalls deutlich erschweren und möglichst verhindern.
Gesprächsrunde im Kreml: Die US-Delegation wurde vom Sondergesandten Steve Witkoff (2.v.l.) angeführt, auf russischer Seite nahm neben Kreml-Chef Wladimir Putin (3.v.r.) auch dessen außenpolitischer Berater Juri Uschakow Platz.
Trump-Minister über Ukraine-Krieg: „Niemand gewinnt im herkömmlichen Sinne“
US-Außenminister Marco Rubio, der bei den Gesprächen mit Ukrainern in Genf Ende November dabei gewesen war, sagte in der Fox-Sendung „Hannity“ im Interview mit Moderator Sean Hannity, es handele sich um den „unlogischsten Krieg“. So seien Trumps Aussagen zu verstehen, der den Ukraine-Krieg nach eigenen Aussagen als eines der einfachsten Probleme angesehen hatte.
„Es ist der Krieg, den man logischerweise beenden sollte, weil niemand diesen Krieg im herkömmlichen Sinne wirklich gewinnt“, betonte Rubio, demzufolge Russland Woche für Woche 7000 gefallene Soldaten zu beklagen hat. Das seien mehr als die USA in manchem Krieg insgesamt verloren hätten. Der oberste US-Diplomat gibt zu bedenken: „Sie kämpfen buchstäblich um ein Gebiet von 30 bis 50 Kilometern und die übrigen 20 Prozent der Donezk-Region.“
Rubio deutete auch positive Entwicklungen bei den Verhandlungen an: „Was wir also versucht haben – und ich denke, wir haben dabei einige Fortschritte erzielt –, ist herauszufinden, womit die Ukrainer leben könnten, das ihnen Sicherheitsgarantien für die Zukunft gibt (…).“ Würde die Wirtschaft wieder angekurbelt, könnte das ukrainische Bruttoinlandsprodukt in zehn Jahren jenes von Russland übertreffen, mutmaßt er.
US-Friedensgespräche in Moskau: „Sehr nützlich, konstruktiv und sehr informativ“
Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sprach nach dem fünfstündigen Austausch mit der US-Delegation um Trumps Sondergesandten Steve Witkoff laut Tass von „sehr nützlichen, konstruktiven und sehr informativen“ Gesprächen. Es sei aber nicht um konkrete Formulierungen oder konkrete amerikanische Vorschläge gegangen. Ein Kompromissplan für die Ukraine bestehe noch nicht, einige US-Ideen seien für Russland akzeptabel, andere nicht.
Die Kontakte würden aufrechterhalten. Ob es zu einem weiteren Treffen zwischen Putin und Trump komme, „hängt von den Fortschritten auf diesem Weg ab: Wir werden mit Experten des Außenministeriums hart und beharrlich daran arbeiten.“ Uschakow geht davon aus, dass die US-Amerikaner nach Hause zurückkehren, dort weiter an einer Lösung arbeiten und sich dann wieder bei den Russen melden werden. (Quellen: dpa, Tass, Fox) (mg)