Treffen in Moskau

Trumps Verhandler-Team bei Putin verwundert: Zwei Amateure sollen Ukraine-Krieg beenden

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Zum Gespräch mit Putin heute in Moskau entsendet Donald Trump ein unkonventionelles Team: Amateur-Diplomat Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner.

Moskau – US-Präsident Donald Trump setzt in der Politik auf ungewöhnliche Methoden – auch bei den aktuell laufenden Verhandlungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Heute schickt Trump ein außergewöhnliches Verhandler-Team zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau. Es sind keine top ausgebildeten Diplomaten mit politischer Erfahrung und Regierungsämtern, sondern: ein alter Geschäftspartner Trumps und sein Schwiegersohn.

Trumps unkonventionelles Verhandlungsteam bei einem Treffen mit Putin in Moskau am Dienstag (2. Dezember) sind sein Schwiegersohn Jared Kushner (r.) und sein Geschäftsfreund Steve Witkoff (M.). Mit im Bild ist Trump-Tochter Ivanka Trump.

Trumps langjähriger Geschäftspartner Steve Witkoff (68) und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (44) werden am Dienstag (2. Dezember) von Putin im Kreml empfangen. Beide haben kein offizielles Mandat des US-Parlaments und keine offiziellen Funktionen. „Ihre Ernennung zur Bewältigung zweier der komplexesten Krisen der Welt sorgte in Washington und international für Verwunderung“, heißt es bei CNN. Doch das sei typisch für Trump, wie ein hochrangiger Beamte des US-Außenministeriums dem Sender sagte: Trump habe sich „stets davor gescheut, sich der Bürokratie zu unterwerfen“ und stattdessen auf „persönliche Diplomatie“ gesetzt.

Witkoff hat heute Treffen mit Putin zum Ukraine-Krieg – Amateur-Diplomat soll Ukraine-Krieg lösen

Steve Witkoff kennt Donald Trump seit 40 Jahren. Er ist Stammgast in Trumps vielen Golfclubs, wie das US-Blatt The Atlantic schreibt. Zuerst war er Trumps Anwalt, dann folgte er ihm ins New Yorker Immobiliengeschäft und wurde – genau wie Trump – schwerreich. Witkoff stand Trump in vielen Krisen zur Seite, heißt es: als er insolvent war, als er sich scheiden ließ, während seiner Amtsenthebungsverfahren, bei zwei Attentatsversuchen. 

Trump hat seinen Freund gebeten, viele der gefährlichsten Probleme der Welt zu lösen

Thomas Barrack, Freund von Donald Trump

„Steve war in den schlimmsten Stunden seines Lebens für ihn da“, wird Trump-Freund Thomas Barrack in einem Witkoff-Porträt von The Atlantic zitiert. Nun habe „Trump seinen Freund gebeten, viele der gefährlichsten Probleme der Welt zu lösen – Probleme, an denen Generationen amerikanischer Präsidenten und Diplomaten gescheitert sind“, heißt es weiter.

Witkoff verlässt sich bei Ukraine-Verhandlungen auf Intuition – „Nimmt Putins Wort für bare Münze“

Witkoff sagte in einem Interview mit The Atlantic über sich selbst. „Ich bin der Amateur-Diplomat.“ Gesprächspartner wie Putin sehe er nach einer Analyse des Blatts nicht als skrupellose Autokraten, sondern als geschickte Verhandler. Da er über keine diplomatische Ausbildung verfüge, verlasse Witkoff sich stark auf seine Intuition.

Sein Wissen über internationale Konflikte habe er aus Büchern und Netflix-Dokus, erzählte Witkoff ganz offen. Diesen Mangel an Fachwissen sehe er sogar als Vorteil: Er könne dort erfolgreich sein, wo Profis scheiterten. Kritiker sind skeptisch: „Witkoff scheint Putins Wort für bare Münze zu nehmen“, sagte zum Beispiel William Taylor, ehemaliger US-Botschafter in Kiew, zu dem US-Blatt.

Jared Kushner trifft Putin mit Witkoff – Trump vertraut seinem Schwiegersohn zu 100 Prozent

Und Jared Kushner? Er ist Immobilienentwickler, Medienunternehmer, Finanzinvestor und verheiratet mit Trumps Tochter Ivanka Trump. Er soll ebenfalls einer der wenigen Menschen sein, denen Trump zu 100 Prozent vertraut. Wann immer man einen Deal machen wolle, „holen wir Jared dazu“, sagte der US-Präsident im Oktober in einer Rede vor dem israelischen Parlament.

Trumps Schwiegersohn Kushner gilt wegen seiner vielen persönlichen und geschäftlichen Beziehungen eigentlich als Experte für den Nahen Osten und verhandelte auch das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas – gemeinsam mit Witkoff. Die beiden hatten dort durchaus Erfolg. Dieser soll sich jetzt bei der Beendigung des Ukraine-Kriegs wiederholen.

Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“

Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, zehn Enkelkinder: Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor.
Drei Ehefrauen, vier Geschwister, fünf Kinder, elf Enkelkinder … © Imago
Von links: Donald Trump Jr., Tiffany Trump, Donald Trump, Melania Trump und Barron Trump im Weißen Haus im August 2020
… Donald Trumps Familie wächst und wächst. Wir stellen Donalds Lieblingskinder, die Ex-Frauen und den Rest des Trump-Clans vor. © Imago
Donald Trump, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten.
Er ist wohl der kontroverseste Amtsinhaber der Vereinigten Staaten: Donald Trump. Von 2017 bis 2021 residierte der Multimilliardär aus New York das erste Mal im Weißen Haus in Washington, DC. Bei der US-Wahl 2024 wurde er dann erneut zum US-Präsidenten gewählt. © Angela Piazza/Imago
Ivana Trump, ehemalige Ehefrau von Donald Trump und Mutter von Ivanka, Eric und Don, starb in diesem Jahr.
Von 1977 bis 1990 war Donald Trump mit seiner ersten Ehefrau Ivana Trump verheiratet. Die Scheidung von Ivana und Donald Trump zählt bis heute zu den berühmtesten Trennungen der USA. © Kristin Callahan/Imago
Ivana Trump auf dem roten Teppich zu einer Feier der Grammy-Gala im Januar 2018 in New York
Ivana behauptete, Donald Trump habe sie während ihrer Ehe 1989 vergewaltigt. Später gab sie zu, diese Anschuldigungen auf Anraten ihrer Anwälte erfunden zu haben. © John Angelillo/Imago
Ivana Trump bei der Vorstellung ihres Buches „Raising Trump“ in einem Hotel in Zagreb in Kroatien im April 2018.
Ivana Trump starb am 14. Juli 2022 im Alter von 73 Jahren in ihrer Wohnung in New York an den Folgen eines Treppensturzes. © Marko Lukunic/Imago
Donald Trump Jr. bei einer Pressekonferenz zum Gerichtsverfahren gegen seinen Vater im Mai 2024 in New York
Donald Trump Jr. ist das älteste der drei Kinder von Donald Trump und dessen erster Ehefrau Ivana. Er ist als lautstarker Unterstützer der Politik seines Vaters bekannt und nimmt teilweise noch extremere Positionen als dieser ein. © Carlos Chiossone/Imago
Donald Trump Jr. und seine Ex-Ehefrau Vanessa Trump.
Im Jahr 2003 lernte Trump Jr. Vanessa Haydon kennen. Sie heirateten 2005. Zusammen haben sie fünf Kinder, die zwischen 2007 und 2014 geboren wurden.  © John Angelillo/dpa
Parteitag der Republikaner in Milwaukee: Donald Trump Jr. und seine Tochter Kai Madison Trump
Das älteste Kind von Vanessa Haydon und Donald Trump Jr. ist Kai Madison Trump (im Bild), die im Mai 2007 geboren wurde. Haydon und Trump ließen sich Ende 2018 scheiden. © Jasper Colt/Imago
Donald Trump Jr. und seine neue Freundin Kimberly Guilfoyle.
Von 2018 bis 2024 stand diese Frau an der Seite von Donald Trump Jr.: Kimberly Guilfoyle, Juristin und ehemalige Moderatorin des US-Nachrichtensender Fox News. Sie ist neun Jahre älter als er und war vor der Beziehung zu Trump Jr. bereits zweimal verheiratet.  © Peter Foley/Imago
Ivanka Trump und Jared Kushner mit ihren drei Kindern.
Auch Donald Trumps älteste Tochter Ivanka Trump hat ihre eigene Familie gegründet: Verheiratet ist sie mit dem Unternehmer Jared Kushner.  © Imago
Ivanka Trump bei einem Spiel der New York Mets im August 2023 in New York
Ivanka gilt als heimliches Lieblingskind Trumps. Der nahm seine Tochter und ihren Ehemann mit nach Washington, DC. Im Weißen Haus waren beide in Trumps erster Amtszeit als Beraterin und Berater des US-Präsidenten tätig. Das Ehepaar nahm so Schlüsselrollen im Stab des US-Präsidenten ein.  © Imago
Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner bei einer Zeremomnie in Prag am 28. Oktober 2022
Ivanka Trump und Jared Kushner haben zusammen drei Kinder: Arabella Rose, Joseph Frederick und Theodore James. © Imago
Mittlerer Sohn von Donald Trump: Eric Trump mit seiner Frau Lara.
Und dann wäre da noch Eric Trump: Seit 2014 ist der zweite Sohn von Donald Trump mit seiner Frau Lara verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. © Mark Hertzberg/Imago
Eric Trump und Donald Trump beim Parteitag der Republikaner im Juli 2024 in Milwaukee, Wisconsin
Wie seine älteren Geschwister stieg auch Eric in die Familienfirma ein. Im Februar 2024 wurde er – ebenso wie sein Bruder Donald Jr. – in einem Betrugsprozess in New York dazu verurteilt, rund vier Millionen Dollar Strafe zu zahlen. Zudem darf er zwei Jahre lang kein Unternehmen im Bundesstaat New York leiten. © Imago
CPAC-Konferenz in Washington: Lara Trump
Eric Trumps Ehefrau Lara Trump wiederum soll Gerüchten zufolge den Fußstapfen ihres Schwiegervaters folgen wollen und eine politische Karriere anstreben. © Niyi Fote/dpa
Donald Trump und Marla Maples im Jahr 1991
Auf Ivana folgte an der Seite Donald Trumps Marla Maples. Die US-amerikanische Schauspielerin war von 1993 bis 1999 mit Trump verheiratet.  © Adam Scull/Imago
Marla Maples, Tiffany Trump und Donald Trump (v.l.) am 29. März 1994 in New York
1993 kam Tiffany, die Tochter von Marla Maples und Donald Trump, zur Welt.  © Imago
Ex-Frau von Donald Trump und Mutter von Tiffany Trump Marla Maples.
Berichten zufolge könnte die Trennung von Trump im Zusammenhang mit einer Affäre von Maples stehen. Ein Polizist griff Maples und einen Bodyguard Trumps im April 1996 auf. Nachdem Trump den Bodyguard gefeuert hatte, plauderte dieser von einer Liaison. © Vincenzo Landi/Imago
Tiffany Trump, Tochter von Donald Trump und Marla Maples.
Tiffany Trump wurde nach dem Unternehmen Tiffany & Co. benannt, dessen Hauptgeschäft neben dem Trump Tower in New York lag. Nach der Scheidung der Eltern 1999 wurde Tiffany von ihrer Mutter in Kalifornien großgezogen, wo sie bis zu ihrem Highschool-Abschluss lebte. Sie galt lange als schwarzes Schaf der Dynastie.  © Andrew Dolph/Imago
Tiffany Trump (l.) streichelt an Thanksgiving 2017 im Rosengarten des Weißen Hauses einen Truthahn, nehmen ihr Ivanka Trump mit ihrer Tochter Arabella
Anders als Ivanka, Eric und Don Jr. erhielt sie bisher keine wichtige Funktion im millionenschweren Familienunternehmen. Auch im Wahlkampf war sie selten zu sehen. Im November heiratete sie in Mar-a-Lago den libanesisch-amerikanischen Geschäftsmann Michael Boulos. © Imago
Tiffany Trump Boulos
Am 15. Mai 2025 gab Tiffany Trump (hier mit ihrem Ehemann bei der Amtseinführung ihres Vaters) auf Instagram die Geburt ihres ersten Kindes bekannt, eines Sohnes namens Alexander Trump Boulos. © Jack Gruber/Imago
Donald Trump mit seiner aktuellen Ehefrau Melania Trump.
Melania Trump ist die aktuelle Ehefrau Donald Trumps. Das Model ist seit 2005 mit dem ehemaligen Präsidenten verheiratet. Die beliebteste First Lady ist Melania Trump nicht.  © Imago
Melania Trump am Rednerpult einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner im Oktober 2024 in New York
Die First Lady wurde als Melanija Knavs in Slowenien geboren. Damiot ist sie nach Louisa Adams in den Jahren 1825 bis 1829 erst die zweite Präsidentengattin, die nicht in den USA zur Welt kam. © Imago
Trump and Vance Swearing-In at the US Capitol
2006 bekamen Melanie und Donald Trump einen Sohn. Barron Trumps öffentliche Auftritte sind allerdings rar. Hier ist er während der Amtseinführung seines Vaters am 20. Januar 2025 zu sehen. Zum Erstaunen der Öffentlichkeit: Der jüngste Sohn von Donald Trump ist mittlerweile über zwei Meter groß. © Kevin Lamarque/Imago

Witkoff gilt als Putin-Bewunderer und gab Kreml-Berater Tipps zur Beeinflussung von Trump

Die Frage ist nur: Wie neutral sind die beiden Trump-Freunde? Witkoff wird schon lange große Nähe zu Russland und Bewunderung für Wladimir Putin nachgesagt. Dieser Verdacht gipfelte kürzlich in einem geleakten Telefonat, an das Bloomberg gelangte: Witkoff soll Putins Berater Juri Uschakow darin konkrete Tipps gegeben haben, wie Putin Trump beeinflussen könne.

Von Witkoff soll unter anderem der Tipp stammen, dass Putin Trump kurz vor einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj anrufen solle. Das Ergebnis sprach Bände: Dachte Trump vor dem Telefonat noch laut darüber nach, Tomahawk-Raketen an die Ukraine zu liefern, wollte er danach nichts mehr davon wissen – und behandelte Selenskyj stattdessen im Oval Office verärgert und emotional. „Mit einem einzigen Anruf“, sagte ein Insider dazu gegenüber Politico, „scheint Putin Präsident Trumps Meinung zur Ukraine erneut geändert zu haben.“ Das war offenbar auch Witkoffs Erfolg.

Warum Witkoff Putin so zugetan zu sein scheint, ist nicht genau bekannt. The Atlantic mutmaßt, dass es vielleicht an den vielen Geschäften liegen könne, die Witkoff während seiner New Yorker Immobilienzeit mit Russen gemacht habe. Womöglich liege es auch an seinem „tiefen Respekt vor Putin“, oder an aktuellen geschäftlichen Interessen in Russland.

Jared Kushner hat enge Russland-Verbindungen und verhandelt jetzt mit Putin über Ukraine

Auch Jared Kushner machte mit Russland bereits Geschäfte. Zu Putins Sondergesandten für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitriew, scheint er eine enge Verbindung zu haben. Während der Corona-Pandemie koordinierte Kushner mit Dmitriew die Lieferung von Beatmungsgeräten von Russland in die USA, schreibt The Atlantic.

Jared Kushner soll es laut dem unabhängigen russischen Medium Meduza auch gewesen sein, der Witkoff mit Kreml-Berater Dmitriew bekannt machte. Laut Recherchen des Wall Street Journal versuchen Witkoff und Kushner offenbar gemeinsam mit Dmitriew die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Washington und Moskau zu intensivieren.

Witkoff trifft Putin heute erstmals gemeinsam mit einem zweiten Verhandler von Trump

Nun reisen die beiden Geschäftsmänner nach Moskau und treffen Putin. Es ist das erste Mal, dass Witkoff nicht alleine mit Putin spricht, sondern gemeinsam mit einem weiteren Verhandler der USA. Einen Interessenskonflikt durch ihre Vorgeschichte und Russland-Connections sehen die beiden nicht: Laut FAZ verteidigte Kushner sich jüngst in einem Interview im Beisein von Witkoff. Was andere als Interessenkonflikt bezeichneten, „nennen Steve und ich vertrauensvolle Beziehungen, die wir auf der ganzen Welt haben“.

Ukraine misstraut Trump-Gesandten Witkoff – „Schande für Friedenverhandlungen“

Die Ukraine hat große Vorbehalte gegenüber Trumps Verhandler Witkoff. Die ukrainische Abgeordnete  Halyna Yanchenko sagte in einem Interview mit CNN: „Es liegt auf der Hand, dass die Ukrainer Steve Witkoff nicht vertrauen, vor allem nach diesem sogenannten 28-Punkte-Plan, von dem bewiesen ist, dass er teilweise aus dem Kreml stammt“. Es sei eine „Schande für die internationale Diplomatie und jede Art von Friedensverhandlungen“, dass US-Präsident Trump auf Witkoff als Verhandler setze. (Quellen: CNN, The Atlantic, Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Politico, Wall Street Journal, Bloomberg. Meduza) (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mostafa Alkharouf

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