VonStephanie Munkschließen
Zum Gespräch mit Putin heute in Moskau entsendet Donald Trump ein unkonventionelles Team: Amateur-Diplomat Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner.
Moskau – US-Präsident Donald Trump setzt in der Politik auf ungewöhnliche Methoden – auch bei den aktuell laufenden Verhandlungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Heute schickt Trump ein außergewöhnliches Verhandler-Team zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau. Es sind keine top ausgebildeten Diplomaten mit politischer Erfahrung und Regierungsämtern, sondern: ein alter Geschäftspartner Trumps und sein Schwiegersohn.
Trumps langjähriger Geschäftspartner Steve Witkoff (68) und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (44) werden am Dienstag (2. Dezember) von Putin im Kreml empfangen. Beide haben kein offizielles Mandat des US-Parlaments und keine offiziellen Funktionen. „Ihre Ernennung zur Bewältigung zweier der komplexesten Krisen der Welt sorgte in Washington und international für Verwunderung“, heißt es bei CNN. Doch das sei typisch für Trump, wie ein hochrangiger Beamte des US-Außenministeriums dem Sender sagte: Trump habe sich „stets davor gescheut, sich der Bürokratie zu unterwerfen“ und stattdessen auf „persönliche Diplomatie“ gesetzt.
Witkoff hat heute Treffen mit Putin zum Ukraine-Krieg – Amateur-Diplomat soll Ukraine-Krieg lösen
Steve Witkoff kennt Donald Trump seit 40 Jahren. Er ist Stammgast in Trumps vielen Golfclubs, wie das US-Blatt The Atlantic schreibt. Zuerst war er Trumps Anwalt, dann folgte er ihm ins New Yorker Immobiliengeschäft und wurde – genau wie Trump – schwerreich. Witkoff stand Trump in vielen Krisen zur Seite, heißt es: als er insolvent war, als er sich scheiden ließ, während seiner Amtsenthebungsverfahren, bei zwei Attentatsversuchen.
Trump hat seinen Freund gebeten, viele der gefährlichsten Probleme der Welt zu lösen
„Steve war in den schlimmsten Stunden seines Lebens für ihn da“, wird Trump-Freund Thomas Barrack in einem Witkoff-Porträt von The Atlantic zitiert. Nun habe „Trump seinen Freund gebeten, viele der gefährlichsten Probleme der Welt zu lösen – Probleme, an denen Generationen amerikanischer Präsidenten und Diplomaten gescheitert sind“, heißt es weiter.
Witkoff verlässt sich bei Ukraine-Verhandlungen auf Intuition – „Nimmt Putins Wort für bare Münze“
Witkoff sagte in einem Interview mit The Atlantic über sich selbst. „Ich bin der Amateur-Diplomat.“ Gesprächspartner wie Putin sehe er nach einer Analyse des Blatts nicht als skrupellose Autokraten, sondern als geschickte Verhandler. Da er über keine diplomatische Ausbildung verfüge, verlasse Witkoff sich stark auf seine Intuition.
Sein Wissen über internationale Konflikte habe er aus Büchern und Netflix-Dokus, erzählte Witkoff ganz offen. Diesen Mangel an Fachwissen sehe er sogar als Vorteil: Er könne dort erfolgreich sein, wo Profis scheiterten. Kritiker sind skeptisch: „Witkoff scheint Putins Wort für bare Münze zu nehmen“, sagte zum Beispiel William Taylor, ehemaliger US-Botschafter in Kiew, zu dem US-Blatt.
Jared Kushner trifft Putin mit Witkoff – Trump vertraut seinem Schwiegersohn zu 100 Prozent
Und Jared Kushner? Er ist Immobilienentwickler, Medienunternehmer, Finanzinvestor und verheiratet mit Trumps Tochter Ivanka Trump. Er soll ebenfalls einer der wenigen Menschen sein, denen Trump zu 100 Prozent vertraut. Wann immer man einen Deal machen wolle, „holen wir Jared dazu“, sagte der US-Präsident im Oktober in einer Rede vor dem israelischen Parlament.
Trumps Schwiegersohn Kushner gilt wegen seiner vielen persönlichen und geschäftlichen Beziehungen eigentlich als Experte für den Nahen Osten und verhandelte auch das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas – gemeinsam mit Witkoff. Die beiden hatten dort durchaus Erfolg. Dieser soll sich jetzt bei der Beendigung des Ukraine-Kriegs wiederholen.
Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“




Witkoff gilt als Putin-Bewunderer und gab Kreml-Berater Tipps zur Beeinflussung von Trump
Die Frage ist nur: Wie neutral sind die beiden Trump-Freunde? Witkoff wird schon lange große Nähe zu Russland und Bewunderung für Wladimir Putin nachgesagt. Dieser Verdacht gipfelte kürzlich in einem geleakten Telefonat, an das Bloomberg gelangte: Witkoff soll Putins Berater Juri Uschakow darin konkrete Tipps gegeben haben, wie Putin Trump beeinflussen könne.
Von Witkoff soll unter anderem der Tipp stammen, dass Putin Trump kurz vor einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj anrufen solle. Das Ergebnis sprach Bände: Dachte Trump vor dem Telefonat noch laut darüber nach, Tomahawk-Raketen an die Ukraine zu liefern, wollte er danach nichts mehr davon wissen – und behandelte Selenskyj stattdessen im Oval Office verärgert und emotional. „Mit einem einzigen Anruf“, sagte ein Insider dazu gegenüber Politico, „scheint Putin Präsident Trumps Meinung zur Ukraine erneut geändert zu haben.“ Das war offenbar auch Witkoffs Erfolg.
Warum Witkoff Putin so zugetan zu sein scheint, ist nicht genau bekannt. The Atlantic mutmaßt, dass es vielleicht an den vielen Geschäften liegen könne, die Witkoff während seiner New Yorker Immobilienzeit mit Russen gemacht habe. Womöglich liege es auch an seinem „tiefen Respekt vor Putin“, oder an aktuellen geschäftlichen Interessen in Russland.
Jared Kushner hat enge Russland-Verbindungen und verhandelt jetzt mit Putin über Ukraine
Auch Jared Kushner machte mit Russland bereits Geschäfte. Zu Putins Sondergesandten für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitriew, scheint er eine enge Verbindung zu haben. Während der Corona-Pandemie koordinierte Kushner mit Dmitriew die Lieferung von Beatmungsgeräten von Russland in die USA, schreibt The Atlantic.
Jared Kushner soll es laut dem unabhängigen russischen Medium Meduza auch gewesen sein, der Witkoff mit Kreml-Berater Dmitriew bekannt machte. Laut Recherchen des Wall Street Journal versuchen Witkoff und Kushner offenbar gemeinsam mit Dmitriew die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Washington und Moskau zu intensivieren.
Witkoff trifft Putin heute erstmals gemeinsam mit einem zweiten Verhandler von Trump
Nun reisen die beiden Geschäftsmänner nach Moskau und treffen Putin. Es ist das erste Mal, dass Witkoff nicht alleine mit Putin spricht, sondern gemeinsam mit einem weiteren Verhandler der USA. Einen Interessenskonflikt durch ihre Vorgeschichte und Russland-Connections sehen die beiden nicht: Laut FAZ verteidigte Kushner sich jüngst in einem Interview im Beisein von Witkoff. Was andere als Interessenkonflikt bezeichneten, „nennen Steve und ich vertrauensvolle Beziehungen, die wir auf der ganzen Welt haben“.
Ukraine misstraut Trump-Gesandten Witkoff – „Schande für Friedenverhandlungen“
Die Ukraine hat große Vorbehalte gegenüber Trumps Verhandler Witkoff. Die ukrainische Abgeordnete Halyna Yanchenko sagte in einem Interview mit CNN: „Es liegt auf der Hand, dass die Ukrainer Steve Witkoff nicht vertrauen, vor allem nach diesem sogenannten 28-Punkte-Plan, von dem bewiesen ist, dass er teilweise aus dem Kreml stammt“. Es sei eine „Schande für die internationale Diplomatie und jede Art von Friedensverhandlungen“, dass US-Präsident Trump auf Witkoff als Verhandler setze. (Quellen: CNN, The Atlantic, Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Politico, Wall Street Journal, Bloomberg. Meduza) (smu)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Mostafa Alkharouf

