VonJan Knötzschschließen
Die Diskussion, die AKW-Laufzeit in der Gaskrise zu verlängern, ist nicht neu. Zudem gibt‘s einen neuen Vorschlag: Gehen abgeschaltete AKWs wieder ans Netz?
Berlin – Die Gaskrise in Deutschland ist und bleibt ein Thema – seit Monaten schon. Die Ampelkoalition in Berlin um Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat gerade nach ihrer Tagung in Meseberg erst das 3. Entlastungspaket angekündigt, von dem wohl auch Rentner und Geringverdiener profitieren sollen, damit die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nicht noch mehr unter der Energiekrise leiden müssen. Ebenso wie die Entlastungspakete ist in Zeiten der Gaskrise auch ein anderes Thema schon seit längerem akut: Die Frage nämlich, ob Deutschland die drei noch verbliebenen Atomkraftwerke (AKWs) in der Bundesrepublik über das Ende des Jahres 2022 hinaus betreiben soll.
Die FDP will nach wie vor eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten bis 2024, während die Grünen noch wanken. In Niedersachsen warnen die Grünen und die SPD vorm Wiedereinstieg in die Atomkraft. Die Haltung zur Frage, ob es in der Gaskrise Sinn macht, auf Atomkraft zu setzen, sorgt für einen Stresstest in der Ampelkoalition. Aus der Politik kommen weiterhin Stimmen, dass Atomkraft das Allheilmittel in der Gaskrise sein könnte – von der FDP.
Gaskrise in Deutschland: FDP will nicht nur AKW-Laufzeit verlängern, sondern stillgelegte AKWs wieder ans Netz bringen
Denn geht es nach dem FDP-Politiker Ulrich Lechte, der seit dem Jahr 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags ist, soll sich Deutschland in der Energiekrise auf ein mögliches Wiederanfahren der drei zuletzt abgeschalteten Atomkraftwerke im Land vorbereiten. „Es kann die Situation kommen, wo das hilfreich und nötig ist“, sagte Lechte gegenüber den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Der FDP-Politiker hält es in der Atomkraft-Debatte, in der Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schon weich wurde und von einem „Sonderszenario“ sprach, das Wiederhochfahren der AKWs für eine Option halte.
So könne man den Strompreis drücken und die Versorgung sicherstellen, sagte Lechte den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Neben der FDP pocht auch die CDU darauf, die Laufzeit der drei verbleibenden deutschen Atomkraftwerke, die nach aktueller Gesetzeslage Ende des Jahres abgeschaltet werden müssen, zu verlängern. So hatte CDU-Chef Friedrich Merz von Wirtschaftsminister Habeck gefordert, in der AKW-Debatte gefordert, dass sich umgehend um neue Brennstäbe bemüht werden müsse, statt in den drei Atomkraftwerken Emsland (Niedersachsen), Neckarwestheim 2 (Baden-Württemberg) und Isar 2 (Bayern) auf den sogenannten Streckbetrieb zu setzen.
In der Gaskrise auf Atomkraft setzen? TÜV-Geschäftsführer hält es für möglich, stillgelegte AKW binnen kurzer Zeit hochzufahren
In den Diskussionen um die Atomkraft in der Gaskrise in Deutschland - derzeit läuft der Stresstest, mit dem die Bundesregierung überprüfen lässt, ob es im Winter zu einem Stromengpass kommen könnte - wurden zuletzt auch die bereits stillgelegten Atomkraftwerke Brokdorf (Schleswig-Holstein), Grohnde (Niedersachsen) und Gundremmingen C (Bayern) immer wieder zum Thema, deren Wiederhochfahren FDP-Politiker Lechte nun anspricht und als Option sieht.
Zuvor hatte der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler, angesichts der Gaskrise mit Blick auf die drei AKWs gesagt, dass er eine Wiederinbetriebnahme dieser drei AKW innerhalb weniger Monate oder Wochen durchaus für möglich halte.
