FR-üh dran: Champagner-Gala in New York – wenn die AfD bei Trump-Fans feiert
VonJens Kiffmeier
schließen
Samstag der Gegensätze: AfD-Politiker reisen nach New York zur rechten Gala. Parallel tagt die CSU mit Kanzler Merz. In „Früh dran – die Lage am Morgen“ fassen wir zusammen, was für Sie als FR-Leser:in heute wichtig wird und liefern Argumente für die Kaffeeküche. Eine Kolumne.
FR-üh dran – die Lage am Morgen: Schwarze Fliegen, Ballkleider und viele MAGA-Kappen – so darf man sich die Szenerie vorstellen, die heute Abend im New Yorker Edel-Restaurant Cipriani Wall Street herrschen wird. Dort steigt die 113. Gala der Jugendorganisation der Republikaner (NYYRC) – und 20 AfD-Abgeordnete haben sich dafür – auf deutsche Steuerzahlerkosten –über den großen Teich fliegen lassen.
Mitglieder der New York Young Republican Club bei ihrer Gala im vergangenen Jahr 2024. Bei der Neuauflage 2025 wird die AfD bei den Trump-Fans zu Gast sein. (Archivbild)
Wir erklären Ihnen, wie es dazu kam: Der New York Young Republican Club hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Plattform für Trump-Hardliner entwickelt. Wie Correctiv berichtet, veröffentlichte die Organisation bereits im August 2025 ein Positionspapier, in dem sie eine „neue Gesellschaftsordnung in Deutschland“ fordert und die AfD explizit unterstützt. Das Pamphlet endet mit dem Satz „AfD über alles“. Die Verbindungen zwischen AfD und Trump-Lager sind dabei nicht neu: Bereits vor Trumps Wiederwahl suchten deutsche Rechtsextreme den Schulterschluss mit amerikanischen Republikaner:innen. Laut Zeit gilt die US-Organisation als „antidemokratisch“ und unterhält „enge Verbindungen zum Umfeld von Präsident Donald Trump“. Seit Trump im Januar 2025 erneut das Amt übernommen hat, verstärken sich diese Kontakte zusehends. Gleichzeitig erschütterten Chat-Skandale den Club, in denen Mitglieder laut Correctiv „wohlwollende Chats über NS-Vernichtungslager“ führten.
Die Crux
Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Die AfD-Delegation nutzt öffentliche Gelder für ihre Vernetzungsreise. Wie Bild berichtet, ließ sich die Truppe „auf Kosten der Steuerzahler“ nach New York fliegen. AfD-Fraktionsvize Markus Frohnmaier soll sogar einen Ehrenpreis erhalten – den „Allen W. Dulles Award“. Flüge und Unterkünfte werden laut der Zeit über die Bundestagsfraktion finanziert, nur die teuren Gala-Tickets zahlen die Parlamentarier:innen privat. Bei der Gala sollen die deutschen Rechtsextremen Correctiv zufolge unter anderem mit einer Trump-Fundraiserin am Tisch sitzen, die sich selbst als „MAGA-Barbie“ bezeichnet.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Die Brisanz liegt in der strategischen Dimension: Es geht nicht nur um Networking, sondern um den Aufbau einer internationalen rechtsextremen Allianz. Sicherheitsexperte Professor Peter Neumann warnt laut Bild, dass Trump „Deutschland für ein AfD-Verbot bestrafen“ würde. „Sanktionen wären so gut wie sicher“, zitiert das Blatt den Experten. Parallel dazu muss sich Kanzler Merz auf dem CSU-Parteitag beweisen, während seine Koalition wackelt – und die AfD internationale Rückendeckung aus dem Weißen Haus sucht.
Espresso-Argumente für die Kaffeeküche
Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche:
„Die AfD knüpft nur normale internationale Kontakte“ – Diese Verharmlosung greift zu kurz. Es handelt sich nicht um diplomatische Beziehungen, sondern um die gezielte Vernetzung mit einer Organisation, die laut Correctiv eine „neue Gesellschaftsordnung in Deutschland“ fordert und „AfD über alles“ propagiert. Normale, demokratische Parteien pflegen Kontakte zu demokratischen Schwesterparteien, nicht zu Gruppen, die das Ende der liberalen Ordnung anstreben.
„Andere Parteien reisen auch ins Ausland“ – Der Unterschied liegt im Zweck: Während demokratische Parteien internationale Zusammenarbeit für Frieden und Demokratie suchen, baut die AfD hier bewusst antidemokratische Allianzen auf. Die Finanzierung durch Steuergeld für solche Zwecke ist besonders zynisch, wenn gleichzeitig Sozialleistungen gekürzt werden sollen.
„Trump ist demokratisch gewählt, also ist das legitim“ – Demokratische Wahlen legitimieren nicht automatisch antidemokratische Inhalte. Entscheidend ist, was inhaltlich vertreten wird: Der NYYRC fordert explizit das Ende der liberalen Ordnung in Deutschland. Das ist das Gegenteil von demokratischer Politik.
Blick nach Vorne
Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Die transatlantische Rechtsallianz wird sich unter Trumps Präsidentschaft weiter verstärken. Zu erwarten sind intensivere Kontakte zwischen AfD und Trump-Administration, möglicherweise auch offizielle Einladungen ins Weiße Haus? Parteichefin Alice Weidel, die einen engen Draht zu dem früheren Trump-Vertrauten Elon Musk pflegt, wird in New York nicht dabei sein, hat aber bereits eine US-Reise für das kommende Jahr angekündigt. Die Bundesregierung steht aktuell vor einem Dilemma: Ein AfD-Verbot würde diplomatische Spannungen mit den USA bedeuten, kein Verbot stärkt die Rechtsextremen weiter. Der CSU-Parteitag wird zeigen, ob die Union geschlossen gegen diese Erpressung steht oder ob Söders ambivalente Haltung zu Merz die Abwehrkraft schwächt.
FR-üh dran – die Lage am Morgen
In unserem täglichen Briefing informieren wir Sie über die wichtigsten Termine des Tages, erklären Hintergründe und liefern Ihnen passende Argumente für die politische Debatte in der Kaffeeküche. Lesen Sie hier, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.
Ihnen fehlen Argumente, Sie widersprechen unseren oder Sie möchten diese ergänzen? Dann diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter jeder Ausgabe.
Echt jetzt?!
113 – so oft hat der New York Young Republican Club bereits seine Gala veranstaltet. Das bedeutet: Diese Organisation existiert seit über einem Jahrhundert und hat die Gründung der Weimarer Republik, den Aufstieg des Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg miterlebt. Ausgerechnet diese traditionsreiche Institution ruft nun „AfD über alles“ und fordert eine „neue Gesellschaftsordnung“ in Deutschland. Es ist, als würde ein ehrwürdiger Gentleman-Club plötzlich Brandsätze verkaufen. Die Ironie der Geschichte: Eine amerikanische Organisation, deren Land einst Deutschland vom Nationalsozialismus befreite, hofiert heute die deutsche Rechte. Manchmal schreibt die Geschichte ihre bittersten Pointen selbst. (Quellen: Corrective, Zeit, Bild, dpa) (jek)