„Keinen Zweifel an der Richtigkeit“

Spahns Masken-Affäre – Merz gibt Rückendeckung für Corona-Debakel

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Die Union steht wegen ihres Umgangs mit Spahns Masken-Affäre in der Kritik. Jetzt bezieht Bundeskanzler Merz Stellung – und stellt sich hinter seinen Fraktionschef.

Berlin – Noch immer steht Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn wegen seiner Masken-Geschäfte während der Corona-Pandemie in der Kritik. Ein von Ampel-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Auftrag gegebener Bericht zur Beschaffung der Schutzmasken hatte zuletzt für neuen Wirbel gesorgt. Darin wird ihm vorgeworfen, dass sich Spahn massiv in die Maskenkäufe eingemischt, Bedarfsprüfungen ignoriert und nahestehende Unternehmen bevorteilt habe. Vor allem ein Auftrag an die Logistik-Firma Fliege, mit Sitz im Nachbarwahlkreis des jetzigen CDU-Fraktionsvorsitzenden, bringt Spahn in Bedrängnis.

Spahns Masken-Deals – Merz gibt Rückendeckung: „Keinen Zweifel an der Richtigkeit“

Inmitten des Streits um die Maskendeals von Spahn, schaltet sich jetzt auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ein. Bei einer Regierungsbefragung im Bundestag sagte er über den Fraktionsvorsitzenden der Union: „Ich habe keinen Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussagen und seiner Bewertung dieser Vorgänge.“ Es sei rückblickend einfach, die Vorgänge in der Corona-Pandemie zu bewerten. In der damaligen Krisensituation sei dies nicht so einfach gewesen, da man schnell hätte handeln müssen.

In seiner Erklärung übte der Kanzler auch scharfe Kritik an der von Lauterbach eingesetzten Sonderermittlerin Margaretha Sudhof, die mit dem Bericht zu Spahns Maskengeschäfte beauftragt wurde. „Wenn sie wirklich darum bemüht gewesen wäre, einen Bericht zu verfassen, der alle Seiten betrachtet, dann hätte sie wenigstens auch einmal die Gelegenheit genommen, mit Jens Spahn über diese Themen zu sprechen“, so Merz.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Massive Kritik an Spahns Maskengeschäften – Opposition fordert Untersuchungsausschuss

Aus der Opposition wird dagegen Kritik gegen den Umgang der Union aus CDU und CSU mit der Masken-Affäre von Spahn laut. „Es geht um Milliarden an Steuergeld und um das Vertrauen in die Politik insgesamt“, schrieb die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge auf X. „Wenn die CDU sowas wie Ehre hat, und einen Willen an Aufklärung, dann ermöglicht sie jetzt einen Untersuchungsausschuss in der Masken-Affäre von Jens Spahn.“

Die Linke fordert in der Debatte gar den Rücktritt des CDU-Fraktionsvorsitzenden. „Spahn hat gegen den Rat seiner Experten windige Milliardendeals eingefädelt, die uns alle teuer zu stehen kommen. Wer so leichtfertig unsere Steuergelder aus dem Fenster wirft, darf kein wichtiges politisches Amt mehr ausüben“, heißt es in einer Erklärung der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner vom 25. Juni.

Jens Spahn (r.) steht wegen seiner Geschäfte in der Corona-Pandemie weiter unter Druck. Die Opposition fordert einen Untersuchungsausschuss wegen seiner Masken-Deals.

Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag fordern von der Bundesregierung einen Untersuchungsausschuss gegen Spahn, nachdem eine bei einer Befragung von Sudhoff im Haushaltsausschuss noch viele Fragen offen geblieben waren. Dazu fehlen Linken und Grünen allerdings die notwendigen Stimmen im Bundestag. Um eine Mehrheit zu erlangen, müssten die beiden Parteien gemeinsam mit der in Teilen rechtsextremen AfD zusammenarbeiten. Parteichef Tino Chrupalla hat Grünen und Linken bereits angeboten, in dieser Frage gemeinsam vorzugehen. Linke und Grüne lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD allerdings entschieden ab.

Spahn weist Kritik an Masken-Deals zurück – „Darauf können wir stolz sein“

Ein Untersuchungsausschuss schließt Spahn selbst dagegen aus. „Sie hatten jetzt dreieinhalb Jahre Zeit für Ihre Vorstellung, wie man die Dinge angeht. Sie haben es nicht gemacht“, sagte der bei der Haushalts-Generaldebatte im Bundestag.

„Wir haben dieses Land nach bestem Wissen und Gewissen durch die größte Krise seiner bundesrepublikanischen Geschichte geführt und das sicher und mit klarem Kurs“, so Spahn weiter. „Darauf können wir stolz sein und dafür bin ich bis heute dankbar.“ (nhi mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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