Trump fordert Aufrüstung

Frankfurt Geisterstadt: Bundeswehr-General über Putins Verluste

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Klartext gesprochen: Generalinspekteur Carsten Breuer hält ein Fünf-Prozent-Ziel der deutschen Verteidigungsausgaben für illusorisch.
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Ein erbitterter Kampf um jeden Prozentpunkt – unter Verbündeten. Während Putin töten lässt, debattiert die Nato, wie viel Verteidigung sie zahlen kann.

Berlin – „Wir müssen uns zunächst einmal jetzt darauf konzentrieren, für die nächsten drei bis vier Jahre zwei Prozent mindestens zu erreichen“, sagt Friedrich Merz. Der Kanzlerkandidat der CDU für die Bundestagswahl am 23. Februar segelt damit klar auf Konfrontationskurs zu US-Präsident Donald Trump, der den Europäern tiefer in die Tasche greifen will. Angesichts von Wladimir Putins Großmachtphantasien verlangt der Republikaner jetzt generell bis zu fünf Prozent von den Nato-Partnern. Carsten Breuer ist empört über solch eine Provokation.

Auf n-tv hat der Generalinspekteur der Bundeswehr allerdings nochmals öffentlich gemacht, wie menschenverachtend Wladimir Putin den Ukraine-Krieg führt – gemessen allein an den Opferzahlen. „Das ist so viel wie die Bevölkerung in Frankfurt“, sagte Deutschlands oberster Soldat gegenüber dem Sender, um in Relation zu setzen, wie viele Kräfte der Diktator gegen die Ukraine schon in den Tod geschickt hat: Rund 800.000 Soldaten, also 1000 bis 1500 an jedem Kriegstag, wie er gesagt hat. Auch Marseille in Frankreich wäre eine Geisterstadt, Leeds in Großbritannien oder Turin in Italien.

Nato-Partner für Mehrausgaben: „Das ist die Botschaft, die Estland seit Jahren vertritt“

Ob dieser Kriegslüsternheit des russischen Regimes will sich Breuer in Übereinstimmung mit der Bundesregierung für militärische Ausgaben nicht über Gebühr verschulden; und treibt damit einen Keil tiefer in die Nato-Partnerschaft hinein. Grundsätzlich mündet die Idee Donald Trumps darin, dass Nato-Länder, die näher an Putins Reich angrenzten, auch finanziell mehr leisten müssten. Das hatte das Magazin Politico herausgelesen aus Trumps Bestrebungen, die europäischen Länder zur Ausdehnung ihrer Verteidigungsbudgets zu nötigen.

„Wir sind blanker als blank.“

Anonyme Quelle der Süddeutschen Zeitung

„Das ist die Botschaft, die Estland seit Jahren vertritt“, zitiert Politico Kristen Michal. Estlands Ministerpräsidenten: „Das ist ein klares Signal an Putin, dass er es nicht wagen sollte, die Nerven der Nato auf die Probe zu stellen, und dass wir darauf vorbereitet sind.“ Friedrich Merz sieht das ähnlich, wie er beispielsweise der Tagesschau gegenüber geäußert hat – allerdings mit ganz anderen Vorgaben, die den Dissens mit den USA vertiefen werden. „Die zwei, die drei oder die fünf Prozent sind im Grunde irrelevant, entscheidend ist, dass wir das tun, was notwendig ist, um uns zu verteidigen“, sagte Merz.

Eine These, die erstmal wenig bedeutet und schlecht angreifbar ist; allerdings wird sie in der Tendenz von führenden deutschen Wissenschaftlern geteilt. „Die Bundeswehr pfiff schon 2001 auf dem letzten Loch“, sagte Sönke Neitzel im ZDF. Jahrzehntelang sei es im Grunde genommen nicht um Rüstungsbeschaffung für die Bundeswehr gegangen, erläutert der Militärhistoriker der Universität Potsdam. „Wenn Sie eine Bundeswehr haben, die nicht kämpfen muss, kann sie in Mali oder Afghanistan auch in Friedensmissionen eingesetzt werden. Richtig kämpfen mit Panzern und Flugzeugen musste sie nicht.“

Deutschland knausert: Ob es am Ende zwei Prozent, drei Prozent „oder mehr sein werden, wird man sehen“

Der deutsche Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg stützt Neitzels These, wie er in seinem Buch „Bedingt abwehrbereit“ schreibt: „Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat der Kontrollwahn des Verteidigungsministeriums neue Dimensionen angenommen, und sowohl im zivilen als auch im militärischen Komplex der Bundeswehr wurde seither ein System geschaffen, das diese Armee im Grund einsatz- und kriegsunfähig gemacht hat – und an diesem System krankt die Bundeswehr bis heute: an Überbürokratisierung, langwierigen Entscheidungsprozessen und einer organisierten Verantwortungslosigkeit.“

Und obwohl der Generalinspekteur die Regierung zur Eile antreibt, sieht auch Carsten Breuer eher die Fähigkeiten als die Finanzen im Vordergrund stehen, wie er gegenüber n-tv nochmals deutlich gemacht hat. Selbst wenn Geld fließen würde, müsste die Rüstungsindustrie auch in der Lage sein, entsprechend zu produzieren: „Ich glaube, man muss das Ganze schrittweise angehen. Das tun wir jetzt ganz vernünftig.“ Ob es dann am Ende zwei Prozent, drei Prozent „oder mehr sein werden, das wird man sehen.“

Polen ist mit Ausgaben für die Verteidigung von fast vier Prozent des Bruttosozialprodukts seit zwei Jahren der Nato-Primus – den Vergleich der russischen Gefallenen mit Frankfurt am Main hätte der deutsche Generalinspekteur nämlich auch mit Krakau anstellen können. Auch die zweitgrößte Stadt Polens zählt etwas mehr als 800.000 Einwohner. Sie wäre menschenleer. Trotz dieser Horrorvorstellung fragt die Nachrichtenagentur Reuters, ob sich die Polen mit ihren rüstungspolitischen Ambitionen nicht vielleicht doch verhoben haben könnten. In diesem Jahr plant Polen die Verteidigungsausgaben auf 4,7 Prozent aufzustocken.

Polen klotzt: Jeder Dollar für den Kauf von F-35-Flugzeugen kostet 3575 Dollar an Erhaltungskosten

Die Herausforderungen lägen schließlich weniger in den Anschaffungs-, denn vielmehr in den laufenden Betriebskosten. Reuters berichtet beispielsweise von Polens Shopping-Tour für die Luftwaffe: 32 Lockheed Martin F-35-Kampfflugzeuge haben die Polen für 4,6 Milliarden Dollar gekauft. Wie Reuters die Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums wiedergibt, würden für diese Flotte bis zum Zyklus-Ende im Jahr 2088 nochmals mehr als zwei Billionen US-Dollar (rund zwei Billionen Euro) an Kosten auflaufen. „Für jeden Dollar, der für den Kauf von F-35-Flugzeugen ausgegeben wird, entstehen den Berechnungen von Reuters zufolge über die Lebensdauer der US-Flotte weitere 3575 Dollar an Erhaltungskosten“, schreiben die Reuters-Autoren Gergely Szakacs und Karl Badohal.

Allerdings sieht die wirtschaftliche Lage in Polen rosiger aus als sonst in der Europäischen Union – aktuell. Das Polish Economic Institut rechnet aufgrund der erwarteten Arbeitslosenquote von stabilen drei Prozent für dieses Jahr von einem Wachstum des polnischen Bruttoinlandsprodukts von 4,1 Prozent. Allerdings steht Polen auch mit 56 Prozent seines Staatshaushalts in der Kreide; Deutschland mit einem Soll von fast 63 Prozent steht klar schlechter da. Insofern ist Generalinspektor Breuer gut beraten, die Erwartungen an die finanzielle Leistungsfähigkeit der jetzigen oder der künftigen Bundesregierung bestmöglich zu bremsen.

Breuer realistisch: „Wir waren noch nie in der Lage, uns alleine in Deutschland verteidigen zu können“

Auch wenn Wladimir Putin demonstriert, gewillt zu sein, eine Stadt von der Größe Frankfurts oder Krakaus zu entvölkern, fehlen in Deutschland entweder das Geld für eine angemessene Verteidigung oder der politische Wille, anderen Interessengruppen Geld zugunsten der Verteidigung zu streichen. Zumal neben den eigenen Grenzen bis auf Weiteres auch die Ukraine zu unterstützen wäre. „Wir wissen aber auch: Ohne die USA gäbe es die Ukraine nicht mehr; und ohne die USA wäre auch Europa außerstande, die Ukraine so sehr zu unterstützen, dass sie diesen Krieg weiterhin führen könnte“, sagte Neitzel in der Tagesschau

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Aktuell räumt Carsten Breuer ein, dass Deutschland ohnehin immer auf einen militärisch starken Partner angewiesen war, wie er gegenüber n-tv nochmals klargestellt hat. „Wir waren noch nie in der Lage, uns alleine in Deutschland verteidigen zu können“, sagte er. „Wir sind immer angewiesen gewesen auf die Nato und sind es auch heute.“ Allerdings galoppieren die Zugeständnisse den wirklichen Abhilfen immer noch weit voraus – und ob des knappen Geldes, an dem auch eine neue Regierung kaum vorbeikommt, wird eine echte Verteidigungsfähigkeit noch lange auf sich warten lassen.

Das Heer stehe „mehr oder weniger blank da“, hatte zu Beginn des Ukraine-Krieges Alfons Mais gesagt. Den Generalleutnant und Inspekteur des Heeres stellt die Süddeutsche Zeitung aktuell in den Schatten mit der Aussage einer anderen anonymen hochrangigen Quelle aus der Bundeswehr: „Wir sind blanker als blank.“

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