Nächste Verspätung

Für die Deutsche Marine wird die Korvette „Köln“ zum Horrorschiff

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Das Alp-Traumschiff? Als Primus der neuen deutschen Korvetten-Generation angekündigt, soll die „Köln“ jetzt nochmals verspätet in Dienst gestellt werden. Nach Medienberichten erst im kommenden statt in diesem Jahr.
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„Eine Fülle von Marineanforderungen“ – und eine Menge Technik, die versagt. Die „Köln“ ist gebaut, um Wladimir Putin zu kontrollieren. Was sie nicht kann.

Rostock –„Die Hauptaufgabe der Marine bleibt die Sicherung der Nordflanke, also des Seegebietes Ostsee und europäisches Nordmeer“, sagte Jan Christian Kaack Anfang des Jahres. Der Vizeadmiral und Inspekteur der Marine forderte dazu: „Neue Waffensysteme müssen schneller verfügbar gemacht und intelligente, pragmatische Lösungen zur Kampfwertsteigerung vorangetrieben werden“, wie Kaack in seiner Erklärung „Absicht 2025“ klargestellt hat. Jetzt hat Kaack mit schwerer See zu kämpfen, und Wladimir Putin braucht um die Interessen in der Ostsee noch lange nicht zu fürchten.

Deutschlands neue Korvetten kommen später als befürchtet. Die Korvette „Köln“ liegt aktuell in Hamburg im Dock von Blohm+Voss und harrt ihrer Indienststellung. Wahrscheinlich wird die erst 2026 erfolgen. Intern hält Blohm+Voss eine Fertigstellung doch noch in diesem Jahr für möglich. Wie die Ostsee-Zeitung (OZ) berichtet, sollen IT-Probleme aber noch ungelöst sein, vor allem an den Waffensystemen und der Sensorik.

Bundeswehr fordernd: „Die Verzögerungen beruhen auf vielen, vielen Ansprüchen der Marine.“

Allerdings wird auch noch an anderen Komponenten gewerkelt. „Die Verzögerungen beruhen auf vielen, vielen Ansprüchen der Marine“, sagt ein Mitarbeiter vor Ort. Beispielsweise hatte die Marine die Luftaustauschrate bemängelt, also die Zufuhr von Frischluft – allein dafür müssen eine Menge Komponenten nachgebessert beziehungsweise ausgetauscht werden.

Mit viel gutem Willen kann man in dieser Entwicklung auch etwas Positives finden: Im Ukraine-Krieg hat sich die Kriegsführung derart weiterentwickelt, dass die Erkenntnisse zumindest auf Software-Ebene in die Korvetten einfließen könnten. Man kann nur hoffen, dass dies auch tatsächlich geschieht.

Axel Büssem, Ostsee-Zeitung

Die fünf neuen Korvetten der Klasse 130 fahren unter den Namen „Köln“, „Emden“, „Karlsruhe“, „Augsburg“ und „Lübeck“. 2018 hatte die Bundeswehr die Nachricht über den Zuwachs auf ihrer Homepage platziert mit dem Hinweis: „Fünf weitere Korvetten wird die Deutsche Marine ab Anfang der 2020er Jahre erhalten.“ Das wäre 2022 gewesen. Mitte 2024 hatte dann das Hamburger Abendblatt gemeldet, dass 2025 „Klar Schiff“ sein sollte, zumindest für die „Köln“ – offenbar hatten Unterbrechungen der Lieferketten und der Ukraine-Krieg einen Strich durch die Planungen gemacht.

Dazu kam ein Unfall: Die Marine wollte das Kriegsschiff ursprünglich ohne Einsatzsystem testen und dazu von Hamburg nach Rostock verlegen, als das Schiff beim Auslaufen aus Hamburg an Steuerbord mit dem Schwimmdock kollidierte und wieder aufs Dock zurückmusste. Beispielsweise wurden Frischwassertanks beschädigt und Beschichtungen mussten wieder neu aufgetragen werden. Allein die Reparatur der Trinkwassertanks soll mindestens zwei Monate Zeit gekostet haben.

Bundeswehr überzeugt: „Wir im Amt sind der Zeitenwendemotor“

Die Ostsee-Zeitung hat die „Köln“ inzwischen zum Pannenschiff umgetauft. OZ-Autor Axel Büssem stellt mit der verzögerten Auslieferung der Schiffe auch gleich die Wehrfähigkeit der Bundeswehr infrage. 2026 sollten eigentlich alle Schiffe vom Stapel gelaufen sein, jetzt läuft höchstens die „Köln“ in Rostock ein. Allerdings befindet sich die „Emden“ auch schon auf Probefahrt und wird die siebte Korvette der deutschen Marine sein – und ein ganz besonderes obendrein.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

„Wir erleben eine Zeitenwende und ein Umdenken bei der Bundeswehr mit dem Ziel, eine wehrhafte Demokratie in unserem Land sicherzustellen“, sagte Lehnigk-Emden in ihrer Taufrede für das Schiff Anfang Mai 2023. In der Umsetzung verlange diese Zeitenwende vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) auch ein effizienteres und gleichzeitig rechtssicheres Handeln, um schnell sichtbare Ergebnisse im Hinblick auf Qualität und Quantität der Ausrüstung zu erreichen.

Bundeswehr unter Druck: Ukraine-Krieg und die latente Drohung durch Wladimir Putin forcieren Schiffbau

„Wir im Amt sind der ‚Zeitenwendemotor‘“, erklärte sie zu dieser Verantwortung. Die Vorgaben des BAAINBw seien, die fast 26 Milliarden Euro zu verausgabenden Haushaltsmittel für 2023 wie auch das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro effektiv umzusetzen. „Gelingt es uns also, die maritime Schlagkraft zu erhöhen, indem wir neue und einsatzbereite Schiffe und Boote für die Marine bereitstellen – dann können diese auch ihre zukünftigen Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung als Teil einsatzfähiger Streitkräfte wahrnehmen.“ „Aus der Zeitenwende wird leider immer mehr ein Zeitenende“, kritisierte Bundestagsmitglied Ingo Gädechens (CDU) die seiner Meinung nach chronische Unterfinanzierung der Bundeswehr, wie ihn das Marineforum zitiert.

„Laut gängiger Definition handelt es sich bei einer Korvette um die kleinste Einheit, die als ,richtiges‘ Kriegsschiff angesehen werden kann – größenmäßig zwischen Schnellbooten, Patrouillenfahrzeugen und Fregatten gelegen“, schreibt das Marineforum. Wie die bereits bestehenden fünf Korvetten werden auch die neuen fünf in Rostock-Warnemünde ihren Heimathafen finden. Das Marineforum berichtete, dass im Anschluss weitere fünf Korvetten gebaut werden sollen und die bestehenden fünf ersetzen, anstatt dass diese von Grund auf modernisiert würden.

Bundeswehr nicht einsatzfähig: „Das Boot ist anfällig gegenüber Hacker-Angriffen.“

Was ursprünglich aufgrund der fehlenden Finanzierung auf Eis gelegt worden war, erhielt aufgrund des Ukraine-Kriegs und der latenten Drohung durch Wladimir Putin wieder Auftrieb. Diese unter dem Begriff „Braunschweig“ laufende Schiffsklasse wird gelobt aufgrund seines geringen Tiefgangs von etwas über drei Metern und der daraus folgenden Einsetzbarkeit in Küstennähe. Darüber hinaus ist diese Schiffsklasse weitgehend automatisiert und fährt mit einer Besatzung von 61 Kräften.

Bereits die Taufe der „Emden“ war vom Thema „IT-Probleme“ überschattet. „Das Boot ist nicht zulassungsfähig und anfällig gegenüber Hacker-Angriffen“, sagte Andreas Czerwinski, wie der NDR den Flottillenadmiral zitierte. Offenbar ist die hohe Automatisierung der Schiffe Fluch und Segen zugleich – das jedenfalls legte das verteidigungspolitische Magazin Hartpunkt bereits vor drei Jahren nahe – weiterhin außer Funktion sei das Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES), wie Hartpunkt schrieb.

Demnach hatten die zwei mit der Ausrüstung betrauten Unternehmen zu keinem funktionierenden System zusammenfinden können. „Dem Vernehmen nach sind sich die beiden mit der Entwicklung des FüWES betrauten Unternehmen Atlas Elektronik, beziehungsweise das Mutterunternehmen thyssenkrupp Marine Systems (tkMS), und Thales über Verantwortlichkeiten und Arbeitspakete uneinig“, schrieb Hartpunkt. Nach dessen Recherchen sollen das Atlas Naval Combat System (ANCS) sowie das Combat Management System (CMS) Thales-FüWES Tacticos zumindest teilweise inkompatibel sein.

Bundeswehr pingelig: Trotz Ukraine-Kriegs baut und plant das deutsche Militär mit aller Besonnenheit

Darüber hinaus deutet Hartpunkt an, dass die Marine im Laufe des Bauprozesses immer höhere Standards für die IT gefordert hätte; das hätte die Prozesse zusätzlich verzögert und erinnert an die immer wiederkehrende Kritik am Beschaffungsamt, „Goldrandlösungen“ für das Militär zu erarbeiten. Das betrifft Kopfhörer für Kampffahrzeugbesatzungen genauso wie Fahrzeuge selbst.

Während der Krieg in der Ukraine mit Tempo vorwärts prescht, baut und plant das deutsche Militär mit aller Besonnenheit. Eingedenk der Forderungen von Jan Christian Kaack nach schnellen Verfügbarkeiten und pragmatischen Lösungen zur Kampfwertsteigerung der deutschen Waffen scheint die Marine vielleicht ihre eigene Definition von Geschwindigkeit und Praxisnähe zu pflegen.

Für den deutschen Militärhistoriker Sönke Neitzel beispielsweise ein klares Signal, dass Deutschland den Realitäten immer noch hinterherläuft: „2018 wurde zwar als Ziel festgelegt, die Bundeswehr bis zum Jahr 2031 wieder zu einer ‚Vollwert-Armee‘ zu machen, wie es im Amtsdeutsch heißt, aber der politische Wille, dies auch umzusetzen, ist nicht wirklich zu erkennen“, wie er sagt. Pragmatismus beweist dagegen der Zivilist Axel Büssem von der Ostsee-Zeitung in seinem Kommentar zur neuerlichen Verspätung der „Köln“, wie er schreibt.

„Mit viel gutem Willen kann man in dieser Entwicklung auch etwas Positives finden: Im Ukraine-Krieg hat sich die Kriegsführung derart weiterentwickelt, dass die Erkenntnisse zumindest auf Software-Ebene in die Korvetten einfließen könnten. Man kann nur hoffen, dass dies auch tatsächlich geschieht.“

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