Neuer Premier

Frankreich: „Macron-Boy“ Attal soll Le Pen bremsen

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Frankreichs Präsident ernennt den bisherigen Bildungsminister zum Premierminister. Dieser setzt sich im Kampf gegen Le Pen für die Rechte von Minderheiten ein.

Paris – Der erst 34 Jahre alte Gabriel Attal ist Frankreichs neuer Premierminister. Der bisherige Bildungsminister löst Elisabeth Borne ab, die am Montag nach wochenlangen Spekulationen über eine Kabinettsumbildung ihren Rücktritt eingereicht hatte.

Attal ist ein „Macron-Boy“, einer jener schneidigen, blitzgescheiten Jungpolitiker, die Emmanuel Macron 2017 politisch links und rechts von ihm ins Boot geholt hatte.

Attal bleibt an Macron treu

Viele sind seither wieder ausgestiegen, teilweise in die Privatwirtschaft abgesprungen. Nicht Gabriel Attal. Der aus einem bürgerlichen Vorort von Paris stammende Jurist ist Sohn eines jüdischen Vaters und einer christlich-orthodoxen Mutter. Er hatte sich Macron zu einer Zeit angeschlossen, als dieser erst am Durchstarten war.

Gabriel Attal ist Frankreichs neuer Premierminister. Er löst Elisabeth Borne ab.

Ein Jahr nach seiner Wahl ins Elysée holte ihn Macron in die Regierung; als Staatssekretär fiel Attal durch seinen tadellosen Auftritt auf. Seinen Durchbruch schaffte er, als ihn Macron 2020 zu seinem Regierungssprecher machte. Seine wöchentlichen Pressekonferenzen nach der Regierungssitzung bewältigte er ohne jeden Schnitzer – obwohl er sich nicht hinter den üblichen „éléments de langage“ (Formulierungen) der aalglatten Spindoktoren versteckte und die Dinge beim Namen nannte. So auch im vergangenen Sommer, als er Bildungsminister wurde – einer der prestigereichsten, aber schwierigsten Posten der französischen Regierung.

Neuer Premierminister geht gegen Abayas vor

Attal hatte es gleich mit einer kniffligen Affäre zu tun. Der Hintergrund: Immer mehr Schülerinnen und Schüler kamen mit einer Abaya, dem bodenlangen „islamischen“ Übergewand, in den Unterricht. In Regierungskreisen schellte der Alarm. Das Thema Abaya erinnerte an die hitzige Polemik um die Burka und das Kopftuch an den Schulen. Der neue Minister fackelte nicht lang und verbannte die Abaya aus den Schulen. Dabei ging er so geschickt wie entschlossen vor – und verhinderte, dass die Frage in eine neue Endlosdebatte ausuferte.

Die konservative Zeitschrift „Valeurs actuelles“, deren Leserschaft Marine Le Pen oder zumindest den konservativen Republikanern zuneigt, war jedenfalls voll des Lobes. Attal erreichte, was Macron kaum je geschafft hatte: Er grub den Rechtspopulisten ein erstes Mal das Wasser ab, ohne in xenophobe Töne zu verfallen.

Der laut Umfragen populärste Minister hatte seinen politischen Werdegang in der Sozialistischen Partei begonnen; inzwischen gilt er in der Linken als Rechtsabweichler. 2016 folgte er dem Ruf des damaligen Shootingstars Macron und wechselte in die politische Mitte.

Macrons Premier im Kampf gegen Le Pens Rechtspopulisten

Er ist Frankreichs erster offen homosexuelle Premier. Sein Partner ist Stéphane Séjourné, Generalsekretär der Macron-Partei Renaissance. Attal hat wiederholt gezeigt, dass er sich für Minderheiten und sozial Schwache einsetzt. Als Bildungsminister setzte er sich besonders gegen Mobbing an Schulen ein.

Marine Le Pen, Spitzenkandidatin der rechtsextremen Partei Rassemblement National. Sie auszubremsen ist die Mission von Gabriel Attal.

Attal hat, ohne dass dies der Staatschef sagen würde, die Mission, die Rechtspopulisten auszubremsen. Erstmals im Juni bei den Europawahlen: Dann trifft Jungtalent Attal auf den noch jüngeren Vorsitzenden des rechten „Rassemblement National“ (RN), den 28-jährigen Jordan Bardella. Macron-Boy gegen Le Pen-Boy. Alles mit dem Fernziel 2027 – wenn Marine Le Pen bei ihrem vierten Anlauf in den Elysée-Palast einziehen will.

Die gesamte französische Politik der kommenden dreieinhalb Jahre ist auf dieses Datum hin ausgerichtet. Attal, so scheint es, wird darin eine sehr zentrale, vielleicht ausschlaggebende Rolle spielen. (mit afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ABACAPRESS

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