VonChristian Störschließen
Der Tod eines 17-Jährigen bei einer Polizeikontrolle sorgt in Frankreich für Unruhen und Krawalle. Rechte setzen sich für die Polizei ein.
Paris - Der Tod eines Jugendlichen hält Frankreich seit Tagen in Atem. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen und Krawallen. Auslöser war die Tötung eines 17-Jährigen, der bei einer Verkehrskontrolle durch eine Polizeikugel sein Leben verlor. Am Wochenende machten in dem Fall auch die Rechten in Frankreich mobil - und zwar mit einer Spendenaktion für den mutmaßlichen Todesschützen. Eingerichtet wurde der Spendentopf von Jean Messiha, einem Unterstützer des rechtsextremen Politikers Éric Zemmour.
Rechte in Frankreich sammeln für mutmaßlichen Todesschützen von Nanterre
Ziel ist die Unterstützung der Familie des Polizisten, „der seine Arbeit getan hat und nun einen hohen Preis zahlt“, wie es in der Kampagne heißt. Der 17-jährige Nahel war am 27. Juni in Nanterre am Steuer eines Autos von einer Motorradstreife gestoppt worden. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel ein tödlicher Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizisten. Die Beamten hatten zunächst angegeben, der Jugendliche habe sie überfahren wollen. Erst als sich von Medien verifizierte Videobilder des Vorfalls in den sozialen Netzwerken verbreiteten, rückten sie von dieser Darstellung und der angeblichen Tötungsabsicht des Jugendlichen ab.
Polizist erschießt 17-Jährigen – dann brennen in Frankreich die Vororte




Der Polizist, der für seinen Tod verantwortlich gemacht wird, kam in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet. Nach Angaben der Zeitung Le Figaro scheint Messiha mit der Aktion in Konkurrenz zu einem Spendenaufruf für die Mutter des getöteten Jungen treten zu wollen. Demnach prahlte er damit, mehr Geld gesammelt zu haben. Die Summe ist in der Tat enorm. In nur wenigen Tagen sind bereits mehr als 820.000 Euro zusammengekommen (Stand 3. Juli, 07.00 Uhr).
Unruhen in Frankreich nach Tod eines Jugendlichen scheinen abzuklingen
Unterdessen scheint die Welle der Gewalt auf Frankreichs Straßen langsam abzuebben. In der Nacht zu Montag gab es nach Angaben des Innenministeriums bis Mitternacht 49 Festnahmen - deutlich weniger als in den vorherigen Nächten zu diesem Zeitpunkt. Zwar gab es auch diesmal wieder einige Krawalle, gemessen an den heftigen Unruhen der vergangenen Tage blieb es aber relativ ruhig.
In einem emotionalen Appell hatte sich auch die Großmutter des getöteten Jugendlichen ein Ende der landesweiten Ausschreitungen gewünscht. „Die Leute, die gerade etwas kaputt machen, denen sage ich: ‚Hört auf!‘“ Sie hätten den Tod ihres Enkels „als Vorwand genommen“, um Unruhe zu stiften, sagte sie dem Sender BFM TV. Sie sei zwar wütend auf den Beamten, wolle aber nicht verallgemeinern. Der Polizist werde bestraft werden, wie jeder andere auch. „Ich habe Vertrauen in die Justiz.“
Die anhaltenden Unruhen haben auch die Regierung von Emmanuel Macron in eine schwere Krise gestürzt. So sah sich der Präsident gezwungen, seinen geplanten Staatsbesuch in Deutschland abzusagen. Stattdessen setzte er für Sonntagabend (2. Juli) eine Krisensitzung an. Zudem wurde ein ständiger Krisenstab eingerichtet. (cs/dpa)
