Ukraine-Krieg

Tausende Tote bei Bachmut-Schlacht: Wagner-Gruppe gibt Verluste bekannt

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Im Ukraine-Krieg halten sich Russland und die Ukraine zu ihren eigenen Verlusten bedeckt – Söldner-Chef Jewgeni Prigoschin hingegen nicht.

Minsk – Jewgeni Prigoschin ist nach seinem Beinahe-Putsch in Russland zwar im Exil, aber keineswegs still. Jetzt macht eine Zahl die Runde, die mutmaßlich von ihm stammt: 20.000 seiner Söldner seien bislang im Ukraine-Krieg getötet worden. 40.000 weitere wurden in den Gefechten an der Front verletzt. Das teilte ein Telegram-Kanal mit, der mit Prigoschin, Chef der Wagner-Gruppe, in Verbindung gebracht wird, berichtet Newsweek. Auch ein anderer Kanal in Verbindung mit Wagner habe die Informationen geteilt. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zu den Wagner-Verlusten zunächst nicht.

Am 20. Mai waren 25.000 Rekruten der paramilitärischen Söldner „lebendig und gesund“, heißt es in dem Telegram-Bericht von einem Kommandanten namens „Marx“. Von diesen seien 15.000 beurlaubt und 10.000 in Belarus. Insgesamt seien 78.000 Wagner-Söldner in den Ukraine-Krieg geschickt worden, heißt es in der Mitteilung vom Mittwoch (19. Juli). Die Söldner hatten im Ukraine-Krieg aufseiten Russlands unter Kremlchef Wladimir Putin gekämpft.

Verluste im Ukraine-Krieg: Angaben schwer zu verifizieren

Weder Moskau noch Kiew veröffentlichen regelmäßig Aktualisierungen ihrer eigenen Opferzahlen. Die Verluste auf beiden Seiten lassen sich schwer einschätzen. Nach Berechnungen unabhängiger russischer Medien sind bisher im Ukraine-Krieg mindestens 47.000 russische Soldaten getötet worden. Das habe eine Datenanalyse ergeben, die sich auf die Zahl der eröffneten Erbfälle und die Statistik der Übersterblichkeit im vergangenen Jahr stützt, berichtete das an der Auswertung beteiligte Internetportal Meduza Anfang Juli.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Prigoschin teilt Verluste mit – auch Selenskyj präsentiert Zahlen

Wagner-Söldner – ein großer Teil von ihnen russische Häftlinge – erhielten vor ihrer Ankunft in der Ukraine kaum eine formelle Ausbildung. Doch sie waren maßgeblich an der Schlacht um die Stadt Bachmut beteiligt, aus der sie sich Ende Mai zurückzogen. Prigoschin hatte zuvor gesagt, er habe in dem monatelangen Kampf um Bachmut 20.000 Söldner verloren.

Das deckt sich in Teilen mit Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: Er sagte der spanischen Zeitung El Mundo Ende Juni, dass ukrainische Kämpfer 21.000 Wagner-Söldner getötet, und 80.000 verletzt hätten.

Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin (Archivbild) ist in den sozialen Medien sehr aktiv.

Kampf um Bachmut fordert viele Todesopfer unter Wagner-Söldnern

Es gibt noch viele weitere Schätzungen zu den Verlusten der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg. So sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, John Kirby, dass die Paramilitärs „mehr als 30.000 Opfer erlitten habe, darunter etwa 9000 im Kampf Gefallene“. Die meisten davon in der Schlacht um Bachmut, zitiert ihn Newsweek.

Wie es mit der Prigoschins Söldnern weitergeht, scheint nach dem Wagner-Aufstand in Russland ungewiss. Prigoschin selbst soll sich in Belarus aufhalten. Von dort kündigte er nun an, die belarussische Armee besser als die russische machen zu wollen. (frs)

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