Nach Putschversuch

Prigoschins neue Heimat: Wagner-Chef will mit belarussischer Armee Putin übertrumpfen

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Ein Video markiert die erste „Sichtung“ Prigoschins nach seinem Aufstand in Russland. Der Söldner-Chef spricht über große Pläne.

Minsk – Neues Prigoschin-Video, neue Kampfansage: Der Chef der Wagner-Gruppe ließ am Mittwoch (19. Juli) ein Video verbreiten, in dem er im belarussischen Dorf Molkino eine Ansprache an seine Söldner hält. Jewgeni Prigoschin war in der Dunkelheit zu sehen, lobte seine Söldner für deren Leistungen im Ukraine-Krieg – und bezeichnete die aktuelle Lage an der Kriegsfront als „Schande“.

Die Wagner-Gruppe könne froh sein, sich daran nicht mehr beteiligen zu müssen. Die Paramilitärs sind seit dem Wagner-Aufstand in Russland im Exil in Belarus. Was machen sie dort nun? Prigoschin wurde seit dem Ende seines Beinahe-Putsches im Juni nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Die Echtheit des Videos ließ sich auch zunächst nicht verifizieren.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Armee-„Ranking“ im Ukraine-Krieg: Prigoschin wähnt Wagner-Gruppe vorne

Die Antwort: Die Söldner bilden in Belarus aus. Und ihr Ziel ist kein Geringes: „Wir werden einige Zeit in Belarus bleiben“, sagte Prigoschin. „Ich bin sicher, dass wir in dieser Zeit die belarussische Armee zur zweiten Armee der Welt machen werden.“ Er selbst hält Wagner für die beste, also erste Armee der Welt.

Prigoschin spielte damit auf Äußerungen des US-Außenministers Antony Blinken an, der im Juni sagte, die Armee Russlands mit Kremlchef Wladimir Putin sei mittlerweile die zweitstärkste Truppe in der Ukraine. Seit 2011 belegt die russische Armee im „Global Firepower-Ranking“ stets den zweiten Platz nach den USA, so Newsweek.

Wagner-Boss Prigoschin dankt Lukaschenko für Behandlung „wie Brüder“

Der 62-Jährige zeigte sich in dem Clip auch dankbar dafür, dass Belarus die Wagner-Söldner „nicht nur wie Helden, sondern auch wie Brüder“ aufgenommen habe. In den vergangenen Tagen hatte auch das Verteidigungsministerium in Minsk die Ankunft der Wagner-Söldner in Belarus bestätigt.

Den Deal mit Putin hatte nach offiziellen Angaben der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko ausgehandelt. Prigoschins Truppe sollte demnach Straffreiheit genießen, sofern sie nach Belarus umsiedelt.  

Will Lukaschenkos Armee zur „zweitbesten“ der Welt machen: Prigoschin (kleines Bild)

Wagner-Chef Prigoschin in Belarus: Kämpfen weiter – auch in Afrika

Prigoschin forderte seine Wagner-Söldner in Belarus auf, sich „vorzubereiten“. Seine Privatarmee werde ihr Niveau weiter verbessern – und nicht nur in Afrika im Einsatz sein. In einer anderen zuvor verbreiteten Sprachdatei hatte Prigoschin erstmals eingeräumt, er habe einen Teil seiner Aktiva in Afrika veräußert, um „Verpflichtungen“ zu begleichen. Details nannte er nicht.

Aber er betonte, dass Wagner überall dort kämpfen werde, wo es nötig sei. Auch eine Wagner-Rückkehr ins Kriegsgebiet in der Ukraine sei möglich, wenn die Kämpfer überzeugt sein könnten, sich dort nicht „schämen“ zu müssen. Zu hören war auf dem Video lauter Applaus. (frs)

Rubriklistenbild: © -/Prigozhin Press Service/Alexander Zemlianichenko/AP/dpa/Montage: IPPEN MEDIA

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