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Jens Kiffmeierschließen
Die Hinweise verdichten sich: Die Gegenoffensive der Ukraine gegen Russland hat begonnen. Wagner-Chef Prigoschin fordert 200.000 neue Soldaten an.
Kiew - Viele Panzerbewegungen und erste kleine Erfolge: Verschiedene Nachrichtenquellen haben am Donnerstag (8. Juni) von heftigen Bodenangriffen der ukrainischen Armee auf Russlands Stellungen berichtet. So sollen ukrainische Soldaten einige Verteidigungslinien durchbrochen und dabei an Boden um die zerstörte Stadt Bachmut gewonnen haben. Das bestätigt der Chef der Söldnergruppe „Wagner“, Jewgeni Prigoschin, auf seinem Telegram-Kanal.
„Ich denke, dass die Ereignisse, die sich jetzt an der Front abspielen, der Beginn einer Gegenoffensive der Ukraine sind“. Prigoschin fordert daher von Moskau 200.000 Soldaten, um die seit langem angekündigte ukrainische Gegenoffensive zu stoppen. Auch von anderen Frontabschnitten wurden heftige Militärschläge gemeldet.
Prigoschin sagte in einem Telegram-Video, dass seine Wagner-Gruppe die einzige bewaffnete Kraft sei, die in der Lage sei, die ukrainische Gegenoffensive im Ukraine-Krieg zu stoppen. „Ich brauche 200.000 Mann“, zitierte die Moscow Times den Söldnerboss. „Weniger als 200.000 an der Frontlinie Luhansk-Donezk werden nicht ausreichen“, stellte Prigoschin fest.
Streitigkeiten zwischen Wagner und dem russischen Militär über die Versorgung in Bachmut hatten Prigoschin im vergangenen Monat veranlasst, seine Truppen aus der zerstörten Gegend abzuziehen. Es wurde vermutet, dass Wagner bei der Einnahme der Stadt große Verluste erlitten hat, wobei seine Truppen durch ehemalige russische Gefangene verstärkt worden waren.
Prigoschin forderte vom russischen Präsidenten Wladimir Putin eine vollständige nationale Mobilisierung, um die russischen Kräfte in der Ukraine aufzustocken. Die neuen Einheiten sollten jedoch zuvor eine angemessene dreimonatiges Ausbildung absolvieren. Ansonsten würden sie nur „Kanonenfutter“ sein.
Offensive im Ukraine-Krieg: Nach Sprengung des Staudamms geht Ukraine zum Angriff über
Inzwischen geht auch der britische Geheimdienst von einer Großoffensive aus. Offenbar seien russischen Truppen angewiesen worden, nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms schnellstmöglich zum Gegenangriff überzugehen. Tschetschenische, pro-ukrainische Einheiten sollen bereits in der Ortschaft Marjiwka nahe der Stadt Donezk erfolgreich gewesen sein.
Großoffensive mit Panzer: Russlands Blogger melden Angriffe bei Saporischschja
Militärbeobachter und Kriegsblogger meldeten in übereinstimmenden Medienberichten verstärkt Angriffe in der Region Saporischschja. Dort sollen Russlands Truppen unter starken Beschuss gekommen sein - offenbar vor allem durch Panzer-Angriffe. „Ich glaube, wir können jetzt schon vom Beginn der von der Ukraine lange angekündigten Offensive sprechen. Eine solche Bewegung an der Front hat es schon lange nicht mehr gegeben“, hieß es in dem russischsprachigen Telegram-Kanal Zapiski Veterana. Andere Experten äußerten sich derweil noch zurückhaltender und spekulierten über mögliche Test-Angriffe.
Kachowka-Staudamm in der Ukraine gesprengt: Erste Fotos zeigen die schlimmen Folgen




Russland will laut Kiew durch Staudamm-Sprengung Offensive stoppen
Viele Informationen lassen sich im Ukraine-Krieg nicht unabhängig überprüfen. Nach der Explosion des Kachowka-Staudamms hatte es geheißen, dass eine mögliche Gegenoffensive durch die Ukraine durch die Überflutungen ausgebremst sein könnte. Die Wasserstände waren nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms im Süden der Ukraine am Mittwoch stark gestiegen, sollten aber im Laufe des Donnerstags zurückgehen, schätzten die britischen Experten. Die Regierung in Kiew ist davon überzeugt, dass Russland den Staudamm sprengen ließ, um so die geplante ukrainische Gegenoffensive zu behindern. Moskau weist das zurück und schiebt Kiew die Schuld zu. (erpe/jkf/dpa)
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