Belohnung für harte Jobs?

Früher in Rente als andere: CDU-Rebell will Renten-Privilegien für bestimmte Berufe

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Rente mit 70 – oder nach 45 Beitragsjahren? Die CDU hat einen eigenen Vorschlag: Sie will hart arbeitende Jobs begünstigen. Wer würde profitieren?

Berlin – Wer darf wann in Rente gehen? Diese Frage bewegt aktuell viele Deutsche. Trotz des Reformpakets der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) steuert das Alterssicherungssystem auf den Kollaps zu. Eine Reformkommission um Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) soll in den kommenden Monaten Vorschläge für die Rettung der Rente erarbeiten. Doch nahezu täglich gibt es bereits neue Ideen – unter anderem der SPD, das Renteneintrittsalter an die Beitragsjahre zu koppeln.

Wer darf wann in Rente gehen? Die Merz-Regierung streitet aktuell über die Reform des Alterssicherungssystems.

Doch nun liegt ein weiterer Vorschlag zur Renten-Debatte auf dem Verhandlungstisch: So hat ein CDU-Abgeordneter eine noch weitergehende Differenzierung ins Spiel gebracht. Nicklas Kappe, Mitglied der sogenannten Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, fordert nämlich eine berufsabhängige Rente – ein Vorstoß, der das deutsche Rentensystem grundlegend verändern würde. Was steckt dahinter? Und was sagen die Experten?

Rente nach 45 Beitragsjahren? CDU will lieber nach Berufsgruppen differenzieren

„Wir werden nicht darum herumkommen, zwischen verschiedenen Berufsgruppen zu differenzieren. Ich fange jetzt nicht mit dem sprichwörtlichen Dachdecker an, aber wir müssen schauen, welche Berufsgruppen aus welchen Gründen länger arbeiten können als andere“, sagte Kappe der Welt. Dieser Vorstoß geht deutlich über die bisherigen Reformüberlegungen zum Renteneintrittsalter und zu den Beitragsjahren hinaus und könnte faktisch zu Renten-Privilegien für bestimmte Berufsgruppen führen.

Der 32-jährige Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen gehört zu jener Gruppe junger Unionspolitiker, die bereits gegen das kürzlich beschlossene Rentenpaket der Koalition rebelliert hatten. Als sogenannte Rentenrebellen hatten sie sich „aus Sorge um die Rentenhöhe für die junge Generation in der Zukunft gegen die jüngsten Koalitionsbeschlüsse zur Alterssicherung gestellt“, wie der Spiegel berichtete. Trotz ihres Widerstands brachte Kanzler Friedrich Merz die jüngsten Reformen im Bundestag durch.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Kappes Vorschlag kombiniert jetzt zwei Ansätze: Sowohl die Berücksichtigung der Berufsgruppe als auch die Zahl der Beitragsjahre sollen eine Rolle spielen. „Richtig ist, stärker auf die Jahre zu schauen, die jemand eingezahlt hat. Wer mit 18 in die Ausbildung geht und ab da im Beruf steht, sollte das angerechnet bekommen gegenüber jemandem, der erst mit 25 oder 28 einsteigt“, erklärte der CDU-Politiker.

Akademiker müssen länger arbeiten als Handwerker: CDU kontert SPD-Vorschlag zur Rente

Diese Überlegungen zielen offenbar darauf ab, körperlich belastende Berufe zu privilegieren, während Akademiker länger arbeiten müssten. Befürchtungen, dass durch einen Fokus auf die Beitragsjahre Akademiker benachteiligt sein könnten, teilt Kappe jedoch nicht. „Die meisten, die ich kenne, arbeiten spätestens ab dem Bachelorabschluss, häufig schon im Masterstudium. Dass solche Zeiten angerechnet werden, finde ich richtig. In vielen akademischen Berufen sei es zudem möglich, länger zu arbeiten“, so der Abgeordnete.

Unterstützung erhält der Vorstoß zur Rente aus unerwarteter Richtung: Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich offen für die Diskussion. „Das ist durchaus erwägenswert“, sagte er in der ARD-Sendung „Arena“. Allerdings wolle er „den Ergebnissen einer Gesamtreform der Alterssicherung nicht vorgreifen und nicht über einzelne Punkte diskutieren“.

Auch andere Koalitionsspitzen signalisierten bereits Gesprächsbereitschaft für ähnliche Überlegungen. Der ursprüngliche Vorschlag des Ökonomen Jens Südekum, Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), den Renteneintritt an die Beitragsjahre zu koppeln, erhielt Zuspruch von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. Auch CSU-Chef Markus Söder zeigte sich offen für die Idee.

Rente im internationalen Vergleich: Diese Länder staffeln nach Berufsgruppen

Internationale Vorbilder für berufsabhängige Rentensysteme gibt es bereits: In Österreich oder Ungarn wird die ausgeübte Tätigkeit beim Rentensystem berücksichtigt, um schwere körperliche oder psychische Belastungen zu würdigen. „So soll hart arbeitenden Menschen, die oft ärmeren Schichten angehören, ermöglicht werden, in Rente zu gehen, anstatt weiterarbeiten zu müssen“, berichtet der Spiegel über diese Modelle. Auch in Frankreich gibt es ein ähnliches Modell.

Allerdings ist unter Forschern umstritten, „dass dabei pauschal bestimmte Berufsgruppen privilegiert werden, weil nicht alle Angehörigen eines Berufs gleich belastet sind. Als Alternative wäre ein Punktesystem für die Schwere der Arbeit denkbar“, heißt es weiter. Doch was sind die Berufsgruppen, die am meisten körperlich belastet sind? Vor einigen Jahren bereits erstellte das Institut für Demografie in Wien eine Analyse. Hier der Überblick:

Das sind die gefährlichsten und körperlich belastendsten Berufe in Deutschland

  • Gerüstbauer
  • Dachdecker
  • Pflasterer
  • Maurer

Scharfe Kritik kommt von den Arbeitgebern: „Der von Bas unterstützte Vorschlag eines einzelnen Beraters ist eine Neuauflage der Rente mit 63 unter einer neuen Überschrift. Dieses war falsch, bleibt falsch und wird auch zukünftig unter einer neuen Überschrift falsch“, sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter mit Blick auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren.

Und auch bei den Grünen kommt der Vorschlag nicht gut an. Deren Fraktionschefin Katharina Dröge wies den Vorschlag der Verknüpfung von Renteneintritt und Beitragsjahren zurück und begründete das mit der Benachteiligung von Frauen. Frauen hätten oft weniger Beitragsjahre als Männer, weil sie Kindererziehungszeiten stärker übernähmen und weil sie sich häufig um Angehörige in der Pflege kümmerten, sagte sie den Sendern RTL und ntv.

Die Debatte um berufsabhängige Renten dürfte in den kommenden Monaten jedenfalls weiter an Fahrt aufnehmen. Union und SPD hatten sich in einem Koalitionsausschuss darauf geeinigt, dass die angekündigte Rentenkommission für eine neue, grundlegende Reform unter anderem die Einbeziehung weiterer Gruppen in die gesetzliche Rente prüfen soll. Auch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit über 67 hinaus soll geprüft werden. (Quellen: Welt/Spiegel/dpa/RTL/ntv) (jek)

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