Nato alarmiert

Furcht vor den Finnen? Putin lässt Grenze zur Nato sichern

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Russland verstärkt Truppen und Befestigungen im Norden der Allianz. Murmansk wäre sonst nach einem Angriff auf das Baltikum von den Finnen abgeschnitten.

Helsinki – „Für die Russen war die Nato historisch gesehen so etwas wie der Satan, wenn nicht sogar der Satan selbst“, sagte Matti Pitkäniitty. Der britische Guardian zitiert den Kommandanten des Grenzschutzbezirks Nordkarelien – die Nahtstelle zwischen Russland und Finnland gilt als einer der Hotspots zwischen Wladimir Putins Großmachtstreben und der Verteidigung der westlichen Werte durch die Nato. Darauf bereitet sich der Diktator bereits vor, während der Ukraine-Krieg mit unverminderter Härte tobt. Wie Newsweek berichtet, plane Putin, die Befestigungen an seiner Grenze zu Finnland zu verstärken.

„Könnte die finnisch-russische Grenze nach dem Ukraine-Krieg zum nächsten Konfliktgebiet werden?“

Newsweek berichtet aktuell, dass Dmitri Medwedew geäußert habe, Russland würde sich gegen Finnland stärker wappnen wollen – laut dem Magazin begründe der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats den Ausbau von Befestigungen mit dem Beitritt des nordischen Landes zum Militärbündnis im Jahr 2023. „Jetzt sind wir Teil davon, und das verändert ihre Sicht auf die Finnen“, zitiert der Guardian den finnischen Grenzer Pitkäniitty. „Es sei seine Aufgabe als Teil des Nato-Bündnisses, sich, auf das Schlimmste vorzubereiten‘“, äußert auch Sami Nurmi. Gegenüber dem Guardian betonte der Generalmajor und Strategiechef der finnischen Streitkräfte, dass er „sehr genau“ beobachte, was Wladimir Putins Invasionskräfte an der Grenze zwischen seinem Staatsgebiet und Russland, also der Ostgrenze der Nato, machten.

Militärparade in Peking: China präsentiert unter den Augen von Putin und Kim neue Superwaffen

Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt.
Eine strategischen Interkontinentalraketen von Typ DF-61 wird bei der Militärparade zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg gezeigt. © Andy Wong/AP/dpa
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking.
Chinesische Bomber des Typs Xian H-6 während der Militärparade in Peking. © Hector RETAMAL / AFP
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking.
Chinesische Kampfflugzeuge - Shenyang J-16 (r.), Chengdu J-20 Mighty Dragon (mitte), and Shenyang J-35 (l.) - fliegen während der Militärparade in Peking. © GREG BAKER / AFP
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt.
Militärparade in Peking: China hat die interkontinentalen ballistischen Raketen DF-5C zur Schau gestellt. © GREG BAKER / AFP
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte.
Fahrzeuge mit der Laser-Waffe LY-1 fahren während der Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens vorbei. China zeigte erstmals während der Parade diesen sogenannten Hochenergie-Lasers (HEL), der zur Abwehr von Schwärmen kleinerer Drohnen oder Lenkwaffen dienen könnte. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen.
Militärparade in Peking: Ein chinesischer Soldat posiert vor HHQ-9C Boden-Luft-Raketen. © Pedro PARDO / AFP
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking.
Eine chinesische Drohne während der Militärparade in Peking. © Pedro PARDO / AFP
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking.
Militärparade zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs: Helikopter fliegen eine Formation über Peking. © Greg Baker/AFP
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.
Militärparade in Peking: Soldatinnen marschieren in Reih und Glied am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.  © Johannes Neudecker/dpa
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin
Stargast bei der Militärparade in Peking: Kremlchef Wladimir Putin © Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un
Ebenfalls zu Gast bei der Militärparade in Peking: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un © Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache
Militärparade in Peking: Xi Jinping bei seiner anschließenden Ansprache © Jade Gao/AFP
Vor Militärparade in Peking
Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat zur Militärparade am 3. September illustre Gäste geladen. Darunter ist auch der russische Präsident Wladimir Putin. Schon vor der Parade haben sie bei einem Treffen in Peking ihr gutes Verhältnis betont. Putin und Xi betonten außerdem, zur Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges der jeweils anderen Seite gekommen zu sein. © Sergei Bobylev/dpa
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Am 1. September hatten sich Xi und Putin beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) für eine neue Weltordnung ausgesprochen. Die russlandfreundliche SOZ gilt Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Putin hatte erklärt, das eurozentrische und euroatlantische Modell habe sich überlebt. © dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
544732808.jpg © Pang Xinglei/dpa
Kim Jong un
Kim Jong-un verlässt sein Land überaus selten. Die Militärparade in Peking ist für ihn das erste Treffen mehrerer Staatschefs überhaupt. Es wird erwartet, dass er Xi Jinping und Wladimir Putin in Peking auch zu persönlichen Gesprächen trifft.  © afp
Vor Militärparade in Peking
Wichtige Vertreter aus dem Westen werden bei der Militärparade in Peking nicht im Publikum sein. Dabei ist aber der serbische Präsident Aleksandar Vučić (hier bei seiner Ankunft). © Lintao Zhang/dpa
Vor Militärparade in Peking - Ankunft Gäste
Auch der slowakische Regierungschef Robert Fico ist vor Ort (hier am Flughafen von Peking). Beide stehen vor allem dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe. © Jade Gao/dpa
Militärparade China
China erinnert am 3. September an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg. Nach 2015 zum 70. Jahrestag hält die Volksrepublik damit zum zweiten Mal eine Militärparade anlässlich des Gedenkens an den Sieg über Japan im Zweiten Weltkrieg ab. Die letzte große Militärparade in Peking fand 2019 statt. Damals erinnerte die herrschende Kommunistische Partei an den 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik 1949. © Wang Zhao/afp
Militärparade China
Mit Zehntausenden Männern und Frauen will China bei der diesjährigen Militärparade anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges im Widerstandskrieg gegen Japan seine Kampffähigkeit unter Beweis stellen.  © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Insgesamt sollen 45 Formationen über den Platz des Himmlischen Friedens in Peking laufen und fliegen. Darunter sind ausgewählte Einheiten des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, aber auch der Luftabwehrtruppen.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Zudem will die Staatsführung in der rund 70-minütigen Vorführung Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge sowie Kampfflugzeuge und Hubschrauber zur Schau stellen.  © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Schon seit geraumer Zeit trainieren am Stadtrand von Peking Einheiten in der Sommerhitze für die Militärparade.  © Pesro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade fällt in eine Zeit, in der Peking im Südchinesischen Meer und der Taiwanstraße unter westlicher Kritik zunehmend militärischen Druck aufbaut.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
Alle gezeigten Waffensysteme sollen aus chinesischer Herstellung stammen. Darunter soll neue, bisher nicht gezeigte Ausrüstung sein, unter anderem Drohnen, elektronische Störsysteme, Hyperschallwaffen sowie Raketen- und Luftabwehrsysteme. © Pedro Pardo/afp
Militärparade China
Die bei der Parade zur Schau gestellten Waffen könnten Hinweise auf einen möglichen zukünftigen Konflikt mit Taiwan liefern. Es wird erwartet, dass dabei eine neue Serie von Anti-Schiffs-Raketen, die Ying Ji („Adlerangriff“), vorgestellt wird. Diese Marschflugkörper sowie ballistische und Hyperschallraketen könnten entscheidend sein in einem Gefecht mit der US-Marine. © Pedro Pardo/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Die Parade wird auch die Rolle der Kommunistischen Partei der Volksrepublik beim Sieg über Japan herausstellen. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Dabei sind sich die Historiker außerhalb Chinas weitgehend einig, dass das Hauptverdienst für diesen Sieg Chiang Kai-sheks Nationalisten zukommt, die damals den größten Teil Chinas regierten © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
2015 würdigte die Kommunistische Partei die nationalistischen Soldaten, indem sie Veteranen zur Parade einlud. © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Auch ausländische Mächte trugen zur Niederlage Japans bei, darunter die als „Flying Tigers“ bekannten US-Piloten. Sie einzubeziehen, wäre eine versöhnliche Geste gegenüber der Regierung in Washington. © Johannes Neudecker/dpa
Siegesparade Moskau
Als Anerkennung der damaligen Unterstützung der Sowjetunion könnten russische Soldaten mitmarschieren – so wie auch chinesische Soldaten an der Moskauer Parade im Mai teilnahmen. © Kirill Kudryavtsev/afp
Übung zur Militärparade in Peking
In der Militärkapelle spielen laut staatlichen Medien 80 Hornisten mit, die für die 80 Jahre seit der Kapitulation Japans stehen.  © Johannes Neudecker/dpa
Übung zur Militärparade in Peking
Die insgesamt mehr als 1000 Musiker stehen in 14 Reihen – Sinnbild für die Jahre des chinesischen Widerstands.  © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
In der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas begann der Krieg mit der japanischen Invasion der Mandschurei 1931. © Wang Zhao/afp
Übung zur Militärparade in Peking
Groß angelegte Militärparaden in China sind selten. Peking selbst will die Parade und seine wachsende militärische Macht als einen Beitrag zum Frieden verstanden sehen. © Johannes Neudecker/dpa
Militärparade China
AFP__20250820__69ZJ7G6__v2__HighRes__TopshotChinaJapanHistoryWwiiMilitaryParade.jpg © Pedro Pardo/afp
Vor Militärparade in Peking - Treffen Xi und Putin
Nach der Parade wird Xi voraussichtlich eine Ansprache halten. Beobachter erwarten Kommentare zu den USA und zu Taiwan, das China als Teil der Volksrepublik betrachtet. © Sergei Bobylev/dpa

Zelte, Unterstände für Kampfjets und Lagerhallen für Militärfahrzeuge zeugten von einer verstärkten russischen Präsenz in der Nähe des zweitjüngsten Nato-Mitglieds, schrieb Mitte des Jahres die New York Times (NYT). Russland will sich aber wohl noch stärker verbarrikadieren. Laut Brendan Cole habe Medwedew einen Besuch des Grenzübergangs in Swetogorsk, nahe Leningrad, dazu genutzt zu erklären, Russland wolle „die Zuverlässigkeit des Grenzschutzes erhöhen“, wie ihn der Newsweek-Autor zitiert. „Könnte die finnisch-russische Grenze nach dem Ukraine-Krieg zum nächsten Konfliktgebiet werden?“, hat jüngst Grégoire Sauvage gefragt. Der Autor des Senders France24 bezieht sich auf eine konkrete Drohung, die der Kreml bereits ausgesprochen hatte, als Finnland seine Neutralität aufgab.

„Vor allem aber besteht kein Zweifel an Helsinkis eiserner Entschlossenheit, der russischen Aggression Widerstand zu leisten, und an der Bereitschaft der finnischen Bevölkerung, zur Verteidigung ihres Landes zu den Waffen zu greifen.“

Stefan Hedlund, Geopolitical Intelligence Services

Russland bezeichne Finnlands Nato-Beitritt als gefährlichen historischen Fehler, berichten im April 2023 Andrew Osborn und Jake Cordell. Die Autoren der Nachrichtenagentur Reuters schrieben zu der Zeit, die russische Militärführung sei damals von der eigenen Regierung gewarnt worden, dass der Beitritt Finnlands „das Risiko einer erheblichen Ausweitung des Konflikts birgt“, wie der damalige Verteidigungsminister Sergei Schoigu erklärt haben soll: „Einer der Hauptgründe für Russlands Kampf in der Ukraine besteht darin, zu verhindern, dass das Nachbarland zu einem Nato-Außenposten wird, der die eigene Sicherheit bedrohen würde“, schreiben Osborn und Cordell über die Befürchtungen der russischen Regierung. Offenbar sei die Antipathie Russlands gegenüber den Finnen auch auf die Bevölkerung übergeschwappt, so die Reuters-Autoren.

Russland hat keinen Zweifel, „dass sich Finnland durch seinen Beitritt (zur Nato) selbst Probleme schafft“

Sie zitierten zum Beleg einen Einwohner St. Petersburgs, der sich als „Nikolai“ ausgegeben habe: „Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass sich Finnland durch seinen Beitritt (zur Nato) selbst Probleme schafft, denn wir betrachteten es früher als ein Bruderland der kapitalistischen Welt, das uns im Geiste, in den Beziehungen und in den für beide Seiten vorteilhaften Wirtschaftsbeziehungen am nächsten steht. Aber jetzt werden wir es als einen Staat betrachten, der uns gegenüber unfreundlich ist“, so der Russe laut der Nachrichtenagentur. Allerdings bereiten sich Finnland und die Nato tatsächlich auf ein militärisches Szenario vor, wie das finnische Magazin Iltalehti berichtet hat.

Im finnischen Mikkeli würde ein Unterstab der Nato-Landstreitkräfte eingerichtet – von dort geleitet würden dann die Ausbildung und die Operationen einer Nato-Brigade von bis zu 5.000 Soldaten aus Finnen und Norwegern zum Schutz der finnischen Grenze starten. Wie das Magazin Nordic Defense Review (NDR) zeitgleich berichtet hat, hätte Mikkeli als Standort aufgrund seiner strategischen Lage und der dort bestehenden militärischen Strukturen den Zuschlag bekommen, so NDR. Mikkeli liegt Luftlinie rund 400 Kilometer vom russischen Petrosawodsk entfernt. Laut der NDR werde das dortige Nato-Hauptquartier „einige Dutzend ausländische Offiziere beherbergen, mit der Möglichkeit einer späteren Erweiterung“.

„In Mikkeli ist ein sogenanntes hoch einsatzbereites Nato-Unterhauptquartier stationiert“

Aus diesem Hauptquartier heraus sollen die Vorgeschobenen Landstreitkräfte (Forward Land Forces, kurz FLF) unter schwedischem Kommando regelmäßig üben, um in Krisen schnell reagieren zu können. „In Mikkeli ist ein sogenanntes hoch einsatzbereites Nato-Unterhauptquartier stationiert, das rund um die Uhr in operativer Alarmbereitschaft ist“, schreibt Lauri Nurmi für Iltalehti. Die weitere Ausweitung der Nato sei ein „Eingriff in unsere Sicherheit und in die nationalen Interessen Russlands“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Reuters zum Zeitpunkt von Finnlands Nato-Beitritt. Tatsächlich müsse Russland die Abgrenzung zu Finnland ernster nehmen als bisher – eine mögliche Kontaktlinie zur westlichen Verteidigungsallianz ist um mehr als 1.300 Kilometer gewachsen.

Wehrhaft zu allen Jahreszeiten: Ein finnischer Wehrpflichtiger während der Seeverteidigungsübung Freezing Winds24 unter Leitung der finnischen Marine im Schärenmeer vor Emäsalo, Porvoo im vergangenen November. Finnland hat die Wehrpflicht immer beibehalten und Notfallpläne für Landwirtschaft und Industrie entworfen.

„Sollten die Nato und Russland im Baltikum Krieg führen, werden die Finnen nicht einfach tatenlos zusehen“, so Ed Arnold laut France24. „Sie werden wahrscheinlich einen Gegenangriff starten und die Murmansk-Halbinsel annektieren“, wie der Analyst des britischen Thinktanks Royal United Services Institute (RUSI) äußert. In Murmansk sind die russischen Atomstreitkräfte sowie die Nordflotte stationiert. Die Finnen hätten die Möglichkeit und die Kampfkraft, einen Keil zwischen Murmansk und St. Petersburg zu treiben und somit die Versorgung der russischen Truppen zu unterbrechen. Finnland fiele damit die Hauptrolle in einem möglichen Krieg um das Baltikum zu – insofern ist für Russland existenziell, mögliche Einfallstore abzuriegeln.

Experte findet schwierig, Russlands Verhalten „als rein defensiv oder offensiv zu interpretieren“

Allerdings scheinen die Finnen gelassen auf die Manöver jenseits ihres Grenzzauns zu reagieren, wie der Telegraph im Mai berichtet hat: „Die jüngsten Bewegungen und Anzeichen von Bauarbeiten sind nur eine weitere taktische oder operative Veränderung in einer langen Reihe russischer Aktivitäten“, sagte Jarmo Lindberg gegenüber dem britischen Blatt. Der ehemalige Verteidigungsminister teile die Besonnenheit mit anderen finnischen Politikern, betonte Telegraph-Autorin Iona Cleave. Laut Emil Kastehelmi seien alle russischen Unternehmungen auch bereits vor 2022 angelegt worden. Der Analyst des finnischen Thinktanks Black Bird Group hat zwar beobachtet, dass Russland im Jahr 2024 den bedeutenden Militärbezirk Leningrad wieder eingerichtet hätte und dort kleine, schon vor dem Ukraine-Krieg dort stationierte Brigaden fast verdreifachen und zu Divisionen mit über 10.000 ausbauen würde.

Ihm zufolge sei es schwierig, Russlands Verhalten „als rein defensiv oder offensiv zu interpretieren“, wie ihn der Telegraph zitiert. „Es gibt eine Vielzahl von Szenarien und Unsicherheiten.“ Allerdings habe Russland allen Grund, Finnland zu fürchten. Vermutlich fände Putin in seinen westlichen Nachbarn ein ebenso zäh kämpfendes Volk, wie ihm das in der Ukraine gegenübersteht. Das jedenfalls behauptet Stefan Hedlund in einer Analyse für den Liechtensteiner Thinktank Geopolitical Intelligence Services (GIS). Der Forschungsdirektor am Zentrum für Russische und Eurasische Studien der Universität Uppsala lobt an den Finnen die schnelle Reaktion auf die durch den Ukraine-Krieg blitzartig aufkeimende Aggression Russlands.

Die Wehrpflicht hatte Finnland ohnehin beibehalten, aber nach dem Überfall im Februar 2022 habe Finnland den Wehretat erhöht, die Produktion von Artilleriegranaten hochgefahren und mit Landwirten sowie Industriebetrieben Notfallpläne ausgearbeitet, so Hedlund: „Vor allem aber besteht kein Zweifel an Helsinkis eiserner Entschlossenheit, der russischen Aggression Widerstand zu leisten, und an der Bereitschaft der finnischen Bevölkerung, zur Verteidigung ihres Landes zu den Waffen zu greifen.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Heikki Saukkomaa

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